Tagesarchiv für 22. Juni 2011

aRTikel

1991: Die Welt kommt zu uns

Mittwoch, den 22. Juni 2011
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Juni 1991 II -> 18.6.2011

Vor 20 Jahren feierte Oranienburg den 775. Geburtstag

MAZ Oranienburg, 22.6.2011

ORANIENBURG
Für den größten Lacher auf dem Stadtfest vor 20 Jahren hatte Harald Juhnke gesorgt. Der Entertainer sollte am letzten Abend des dreitägiges Treibens im Stadtzentrum auf die Bühne kommen und singen. Leider muss er sich an einem der Marktstände an einem Gläschen Sekt gestoßen haben, vielleicht waren es auch drei. Jedenfalls war Juhnke verschwunden; einige Oranienburger haben ihn wanken sehen. Juhnke sei „plötzlich erkrankt“, so ließ der Veranstalter verkünden, und die Festgäste wussten genau, was das zu bedeuten hatte.

Oranienburg feierte am letzten Juni-Wochenende 1991 den 775. Geburtstag der Stadt. „Mit den Gästen kommt die Welt zu uns“, so schrieb Bürgermeister Udo Semper in seinem Grußwort am 29. Juni 1991 in der MAZ. „Sie sind Schmuck dieses Festes.“ Der Höhepunkt war der große Festumzug, zu dem Tausende Menschen kamen. Nur die Polizei war sauer: Ganz spontan hatte sich der Umzug nicht in der Lindenstraße aufgelöst, sondern führte weiter über die Otto-Nuschke-Straße (Lehnitzstraße). Der Verkehr auf der Umleitungsstrecke (die B 96 war wegen des Festes gesperrt) kollabierte komplett.
Wenigstens schien an diesem Sonntag die Sonne – ganz im Gegensatz zu den ersten beiden Tagen, an denen ein Katastrophenwetter herrschte.

Die Markthändler kamen, die Geschäfte öffneten auch am Sonntag. FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff plauderte mit den Oranienburgern. Nero Brandenburg vom Rias Berlin moderierte auf der Luise-Henriette-Bühne (Louise damals noch ohne „o“), Adi bat zum Sportwettbewerb „Mach mit, mach’s nach, mach’s besser“, und die Joe-Lord-Band spielte ebenfalls – wenn auch ohne Harald Juhnke.
Viele Besucher wagten zudem zum ersten Mal einen Hubschrauber-Rundflug über die Stadt. Kostenpunkt: 25 Mark. Ein riesiges Feuerwerk beendete die Feiern zum 775. Jahrestag.

Hits: 900

RT im Kino

Eine Insel namens Udo

Mittwoch, den 22. Juni 2011

Kurt Krömer, vom Berliner Comedy-Geheimtipp zum Star. Seine “internationale Show” lief im Spätprogramm im Ersten. Bald soll ihr eine neue Show folgen, dann immer nach dem “Wort zum Sonntag”. Zwischenzeitlich musste er pausieren – ein Burnout, hieß es.
Der Mann war aber auch umtriebig in der vergangenen Zeit. Jetzt kommt der erste Kinofilm mit Kurt Krömer, der eigentlich Alexander Bojcan heißt. Seine Kunstfigur spielt also eine Kunstfigur.

Udo (Krömer) hat ein Problem. Das heißt, eigentlich ist es nicht wirklich ein Problem. Manchmal ist es halt ein wenig schwierig. Udo ist “schwersichtbar”. Man sieht ihn nicht. So lange nicht, bis er einen anstuppst.
Kein Wunder, dass Udo ein erfolgreicher Kaufhausdetektiv ist. Da ihn niemand sieht, braucht er auch keine Wohnung. Er übernachtet im Kaufhaus. Oder nistet sich mal bei fremden Leuten ein.
Dann aber ist da Jasmin (Fritzi Haberlandt). Sie sieht ihn. Als einzige. Als sie eine Nacht miteinander verbringen, ist für Udo alles anders. Alle Leute sehen ihn. Das bringt für ihn nun aber wirklich echte Probleme.

“Eine Insel namens Udo” heißt der Film von Markus Sehr. Kurt Krömer die Hauptrolle zu geben, ist ohne Frage mutig. Und der Mut hat sich gelohnt. Denn Krömer kann sich in dieser Mischung aus Komödie, Tragödie und Liebesfilm durchaus von seiner Rolle als Chaostalker freispielen. Zu sehen ist ein Mann, der einerseits einsam zu sein scheint, andererseits aber auch glücklich angesichts seiner besonderen Situation. Ein bisschen naiv, aber auch ganz schön verliebt. Fritzi Haberlandt bildet den etwas spröden Gegenpart, der aber mehr und mehr aufweicht.
Der Film hat sehr schöne Momente, so zum Beispiel als Udo über die Kaufhaus-Lautsprecher ein rührendes Lied vorgesungen wird. Dennoch hätte die Geschichte noch mehr Potenzial gehabt. Gern hätte Markus Sehr seinen Hauptdarsteller in noch absurdere Situationen schicken können oder die Liebesgeschichte noch ein wenig weiter ausbauen können.
Dennoch ist sein Film charmant und durchaus sehenswert.

7/10

Hits: 85

RTelenovela

Traumtagebuch (78): Reisen wie 1945

Mittwoch, den 22. Juni 2011
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(77) -> 30.5.2011

Ich stehe auf einem S-Bahnsteig in Berlin, es könnte der in der Schönhauser Allee sein. Der Zug fährt ein, und ich steige ein.
Drinnen dann die große Überraschung. Der Waggon entspricht nicht ganz dem heutigen Standard. Die Aufteilung ist wie beim Intercity mit den kleinen Sechser-Abteilen. Nur dass die Abteile allesamt unbenutzbar sind, mehr noch: Sie sind entkernt, wie bei einem Rohbau. Die Fenster sind mit Holz zugenagelt.

Als der Zug ruckartig losfährt, fällt eine ältere Frau fast auf den Boden. Sie kann gerade noch gehalten werden.
Ein paar Leute schieben eines der Bretter zur Seite. Dadurch ist eine der Türen freigelegt. Nur, dass da keine Tür ist. Ein falscher Schritt, und man fällt raus.

Das alles wirkt wie im Krieg, als ob wir uns im Jahre 1945 befinden.
Plötzlich rufen ein paar junge Frauen: Das müssen wir fotografieren! Und: Gruppenfotooo!!
Ich soll das Foto machen, aber irgendwie klappt es nicht. Mein Fotoapparat streikt, da muss irgendwas falsch eingestellt sein.

Die vier Frauen stellen sich nebeneinander – Romy, Nancy, Maren und eine vierte Frau. Sie rufen: “Cheeeeese!” Und Klick!
Die Gesichter sehen aus wie von der Facebook-Pinnwand geklaut.

Hits: 96