Tagesarchiv für 3. Juni 2011

RTelenovela

Radtour (4): Herrentagstour mit überraschendem Ende

Freitag, den 3. Juni 2011
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(3) -> 3.7.2009

Mein Fahrrad hat neue Reifen und Schläuche, eine Vorderlampe und einen Dynamo, ein neues Schloss habe ich auch gleich noch gekauft. Die Herrentagstour konnte also losgehen.
Die Bernauer Straße in Oranienburg ist momentan eine Großbaustelle. Es ist dort so still wie nie. Außer am Herrentag. In diversen Kneipen spielten Livebands.
Außerdem ist ein Vorbote für einen CSD in Oranienburg zu vermelden. Vor einem Bistro in der Bernauer Straße stand ein älterer Herr in Leckerjacke und Lederslip. Dazu noch eine Mütze – natürlich auch aus schwarzem Leder. Er deutete einen Tanz zur Musik aus den Lautsprechern an. Die zwei Herren, die unweit von ihm saßen, beachteten ihn nicht weiter.

Wahnsinn, was sich so auf den Radwegen abspielt. Von der Lehnitzschleuse aus führt ein Asphaltweg entlang des Oder-Havel-Kanals in Richtung Friedrichsthal. Sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Weg war die Hölle los. Auf dem Kanal fuhren die Boote in Dreierreihen, als ob sie ein Rennen fahren. Der Radweg wirkte am Nachmittag wie früher die Fernverkehrsstraße nach Rügen. Radler in langen Schlangen – im Gegenverkehr. Überholen war praktisch unmöglich. Außer für die Radlerrowdys, die fahren wie die Henker und trotzdem nach links ausscheren.

In Friedichsthal gibt es seit einem Jahr eine neue Brücke über den Oder-Havel-Kanal. Eine praktische Überquerung, denn direkt daneben ist der Grabowsee. Gerade für Radler ist der Weg von Oranienburg zum See nun sehr viel kürzer. Warum allerdings nicht gleich eine richtige Brücke für den Verkehr zwischen Schmachtenhagen und Friedrichsthal gebaut wurde, weiß wohl auch niemand.

Leider gibt es am Grabowsee keinen Rundweg. Festgestellt habe ich das, als ich mitten im Wald stand. Und es nicht mehr weiterging. Meine einzige Orientierung: die alte Bahnstrecke zwischen Sachsenhausen und Schmachtenhagen – seit Jahrzehnten stillgelegt. Weil ich nach Wensickendorf wollte, entschied ich mich, das Rad auf den Bahndamm zu schieben und ein bisschen zu laufen. Und unter umgefallene Bäume durchzukriechen.

Die Zivilisation erreichte ich an der B273 zwischen Oranienburg und Schmachtenhagen. Dort an der Straße lag ein toter Fuchs. Gehässige Menschen haben an das tote Tier eine leere Schnapsflasche gelegt. So sah es wie ein toter Alkoholiker aus.

Als Neu-Radler lernt man Radwege zu schätzen. Es fährt sich sehr gut zwischen Oranienburg und Schmachtenhagen. im Dorf selbst muss man auf die Straße, aber nach Wensickendorf geht es auf einem gut ausgebauten Weg weiter.
In Wensickendorf selbst begegnete mir erstmals ein Zug, der aus Schmachtenhagen kommend, über die B273 rollte. Eine komplizierte Prozedur. Der Zug muss neben der Straße halten, ein helfer muss aussteigen und die Straße sperren. Ist wohl nötig, weil die Bundesstraße keine Lichtanlage und Schranke hat.

Zwischenstopp in Wensickendorf. Mit Apfelsaft.

Als Radler lernt man aber auch, dass man auf dem Weg von A nach B nicht dieselbe Strecke fahren muss wie als Autofahrer.
So bog ich auf dem Rückweg nach Oranienburg hinter der Schleuse ab und radelte am See entlang.

Vor dem Oranienburger Bahnhof kam es dann zu dramatischen Szenen. Eine Gruppe Männer stoppte mit ihrern Rädern. Sie berieten sich, wo sie denn jetzt noch hinkönnten. In eine Kneipe. Nach Borgsdorf? Och, neee. Offenbar stritten sie schon länger. Einer meinte, sie hätten ja bei der Kneipe am Wasser bleiben können. So ging das hin und her, bis der eine meinte: Ich fahre jetzt nach Hause. Er lief samt Rad zum Bahnhofseingang. Die anderen riefen: Fährst du jetzt wirklich? Ernsthaft? Er andere ging bockig weiter.
Das war wohl das Ende einer Männerfreundschaft.

Aber auch meine Tour fand ein überraschendes Ende. Eigentlich wollte ich nur kurz was aus meiner Wohnung holen und schloss mein Rad an ein Geländer.
Als ich es wieder aufschließen wollte, bockte das Schloss – und der Schlüssel brach ab. Beim ersten Gebrauch im Eimer. Ganz toll. Keine Ahnung, wie ich das Rad nun vom Geländer bekomme.

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RT im Kino

The Hangover II

Freitag, den 3. Juni 2011

Alkohol war im Spiel. Drogen auch. Irgendeine Droge, die das Gehirn ausschaltet, die jede Erinnerung löscht. Der totale Blackout. Völlige Düsternis.
Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und die alles entscheidende Frage: Wie war das noch mal? Vage Bilder: Der Tag nahm kein Ende, die Nacht fiel aus. Noch das eine oder andere Bier getrunken. Spaß gehabt. Verdammt viel Spaß. Und heute? Heute ist alles anders. Ganz anders. Chaos im fremden Zimmer, die Klamotten voller Flecken, und dann ist da plötzlich ein Tattoo im Gesicht.

War was?
Und ob was war. In „The Hangover II“ weiß allerdings niemand so genau, was eigentlich. Spät am Abend muss das Hirn ausgesetzt sein. So viel aber ist klar: Stu (Ed Helms) schnappte sich zu seinem Junggesellenabschied seine drei Freunde und fuhr mit ihnen nach Bangkok. Als Phil (Bradley Cooper), Doug (Justin Bartha) und Alan (Zach Galifianakis) am nächsten Tag erwachen, ist ihre Welt vollkommen aus den Fugen geraten. Und nicht nur, weil plötzlich ein Affe von der Ecke fällt und ein herrenloser Finger herumliegt.

„The Hangover II“ erzählt von einem Puzzlespiel. Die Freude versuchen sich zu erinnern, wie sie in ihre verzwickte Situation geraten sind. Für die Männer ein nervenraubendes, oft peinliches Rätselraten. Für die Zuschauer ein über weite Strecken höchst Vergnügliches. Nur selten schrammt die Geschichte knapp an der Peinlichkeit vorbei, wenige Kalauer erreichen fast die humoristische Schmerzgrenze.

Bis hierhin dürfte der Text ziemlich bekannt sein. Es ist eine fast genaue Kopie der Kritik zu “The Hangover”, Teil 1. Und eigentlich dürfte das gar nicht auffallen, denn auch “The Hangover II” ist eine fast genaue Kopie. Bangkok statt Las Vegas. Eine Affe statt einem Tiger. Und so weiter.
Allerdings: Es funktioniert. Auch beim zweiten Mal. Fast möchte man sagen: Die Fortsetzung ist sogar noch einen Tick besser als der Vorgänger. Die gags sind mitunter noch absurder, die Männer noch abgedrehter, die Situationen, in die sie geraten noch grotesker.
Regisseur Todd Phlipps zeigt, dass ein gutes Konzept durchaus noch mal aufgewärmt werden kann. Wie sagt Stu so schön: “Es ist schon wieder passiert!” Recht so.

8/10

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