Tagesarchiv für 4. April 2011

RTelenovela

New York (9): Warum wir auf dem Times Square Pizza verteilt haben

Montag, den 4. April 2011
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(8) -> 4.4.2011

Auf dem Times Square in Manhattan wird man ständig von Leuten angesprochen, die uns in eine Live-Comedyshow locken wollen. Diesmal hatten wir jedoch eine Gegenfrage: “Do you like Pizza?” Ob sie Pizza mag, fragten wir die junge Frau. Dazu hielten wir ihr unsere Schachtel hin, in der eine halbe Pizza lag. Wir versuchten, sie kostenlos zu verteilen. Und das kam so:

Nach einem langen Tag mit einem Spaziergang durch halb Manhattan und die Bronx, hatten wir großen Hunger. Und wir hatten gehört, dass die Pizza in New York sehr lecker sein soll.
Wir wollten zunächst ins Rockefeller Center. Aber wer an einem Sonnabend nach 21 Uhr mal versucht hat, im Rockefeller Center etwas zu Essen zu bekommen, wird wissen: Um diese Zeit ist das Rockefeller Center nicht anders als das Einkaufszentrum in der Kleinstadt: Nix mehr los. Alles dicht. An einem Sonnabend zur besten Ausgehzeit wirkt das Ding wie ausgestorben. Unglaublich. Sogar die Subwayzugänge sind dicht.
Auch auf der 5th Avenue spielt sich um diese Zeit nichts mehr ab. Also weiter Richtung Times Square.

Auf der Ecke Broadway/50th Street fanden wir einen Pizzaladen. Aber welche Sorte sollte es sein? Und vor allem: welche Größe? Da war also guter Rat teuer. Wir entschieden uns für zwei Pizzen. Ich wollte die Meatball-Pizza, also mit Hackfleisch – mittlere größe.
Wir konnten uns zwischen Größe 10, 14 oder 18 entscheiden, und die goldene Mitte erschien uns passend. Wir hatten ein bisschen Angst, dass sie zu klein sein könnten.
Die Sorge war unbegründet. 14 Inch sind etwa 36 Zentimeter Durchmesser. Das war… nun ja… ziemlich groß. Hätten wir da mal vorher gründlicher drüber nachgedacht, hätten wir gewusst: Eine solche Pizza reicht für uns zwei.
Die Teller waren so groß, dass sie bald nicht auf unseren Tisch passten. Damit waren wir sicherlich Gesprächsthema unter den Verkäufern hinterm Tresen.

Wir schafften anderthalb Pizzen. Den Rest ließen wir uns einpacken. Nun liefen wir also mit einer riesigen Schachtel über den Times Square.
Dass wir die Comedyshowfrau fragten, war eine spontane Idee. Er zögerte sie, wollte kein Stück haben. Und zugegeben: So locker sah das Teil auch nicht aus. Dann aber gruff sie doch zu.

Und wir liefen weiter. Wen konnten wir noch beglücken? Einen Obdachlosen? Da war keiner in Sicht. Einen weiteren Comedyshow-Werber? Es hat uns keiner weiter angesprochen.
Oder sollten wir die Schachtel einfach wegwerfen? Auch das war schwierig, das wäre auffällig gewesen, wenn jemand so was Großes in einen Mülleimer stopft.
Wir gingen weiter in die Subway-Station 42th Street/Times Square. Wer könnte Pizza vertragen? Ein Musiker? Irgendein Touri? Wir entschieden uns, einen Wachmann anzusprechen. Auch er zögerte einen Moment, griff dann aber doch zu, nahm beide Stücken Pizza und die Schachtel gleich dazu.
Wir hoffen, der Mann und die Frau haben die Speise überlebt, und wir haben unsere gute New-York-Tat vollbracht.

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New York (8): Empire State Building

Montag, den 4. April 2011
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(7) -> 3.4.2011

Fast ist unsere Zeit in New York wieder vorbei, und eigentlich hatten wir uns entschlossen, das Empire State Building sausen zu lassen. Aber dann haben wir uns doch umentschieden.
Es dämmerte bereits über der 5th Avenue, als wir am größten Gebäude New Yorks ankamen. Das allergrößte hat man den New Yorkern ja vor zehn Jahren leider weggenommen.

Was uns nicht klar war: Die Zeit bis zur Aussicht ist eine ganze Abfolge von Warteschlangen.
Warteschlange 1: vor dem Gebäude. Eine junge Frau in Uniform stellte sich uns vor, sie sei für die Besucher des Empire State Buildings verantwortlich. Wir stellen uns an, der Eingang war nicht weit entfernt.
Durch eine Drehtür und über eine Rolltreppe ging’s in einen großen Raum mit:
Warteschlange 2: Durch diverse Absperrungen entstand ein ewig langes Labyrinth. Darin standen Leute aus aller Welt. Und aus Österreich. Die Österreicher haben wirklich einen fiesen Dialekt. Die Schlange führte zur Taschenkontrolle. Wie im Flughafen.

Warteschlange 3: Ticketkauf. Die Fahrt nach oben kostet 21 Dollar, also um die 15 Euro. Das geht eigentlich. Weiter geht’s zur:
Warteschlange 4: Wieder ein Labyrinth. Sind wir dort durch, kommt:
Warteschlange 5: Das nächste Labyrinth. Diesmal führte es zu einer Fototapete, dort wird jeder fotografiert, am Ende gibt’s ein Foto mit uns und dem Empire State Building. Toll. Koemmen wir zur:
Warteschlange 6: vor dem Fahrstuhl. Endlich haben wir es geschafft! Ab in den 80. Stock! Dort angekommen, entdecken wir:
Warteschlange 7: die vor dem Fahrstuhl zum 86. Stock. Allerdings ruft plötzlich eine Uniformierte, dass man 20 Minuten warten müsse – oder über eine Treppe nach oben gelange. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, liefen die sechs Stockwerke alleine hoch. und endlich waren wir da – und sahen:
Warteschlange 8: die auf die Außenterrasse.

Nach gut 60 Minuten sind wir dort angekommen, wo wir hinwollten. Ganz oben. Inzwischen war es ganz dunkel, und wir genossen den Ausblick auf die riesige Lichterstadt unter uns. New York leuchtet.
Warum soll man sich das Ganze im Hellen betrachten, wenn man sich das nächtliche Lichterspiel angesehen kann?

30 Minuten später wollten wir wieder runter. Und trafen auf:
Warteschlange 9: die zum Fahrstuhl vom 86. in den 80. Stock. Dort angekommen, stießen wir auf:
Warteschlange 10: die Dauerwerbeschlange. Das gesamte Publikum, das runter will, wird nämlich durch den Andenkenshop geschleust. Dort gibt’s Tassen, Kalender und sonstigen Kram. Man kommt nicht dran vorbei.

Warteschlange 11 im Erdgeschoss konnten wir umgehen: Wir wollten nämlich kein Foto von uns und dem Empire State Building. Das Ding hätte 20 Dollar gekostet, und damit fast so viel wie der Besuch an sich. Nö, danke.
Gelohnt hat sich’s trotzdem.

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Bahnbekanntschaften (50): Ihr Freund ist schon 80!

Montag, den 4. April 2011
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(49) -> 2.11.2010

Sie ist 43 Jahre alt, sagt sie. Und sie will zu ihrem Freund. Der ist zwar schon 80, aber sie freut sich trotzdem. Irgendwie. Irgendwie aber auch nicht.
Wir treffen sie in New York, auf der Linie 7 der Subway vom Times Square in den Flushing Meadows Park in Queens.
Als sie sich setzt, muss sie ihren engen Rock zurechtrücken. Währenddessen zwinkert sie mir zu und beginnt, etwas zu erzählen – in gebrochenem Englisch. Sie müsse sich noch hübsch machen, weil sie ja ein Date hat.

Sie redet und redet. Ihr ist es eigentlich egal, wer ihr zuhört, Hauptsache, sie redet.
Sie kommt wohl aus Mexico. Hier in den USA fühlt sie sich ein bisschen verfolgt. Alle wollen irgendwas von ihr. Das sei nicht so toll.
Als sie merkt, dass wir uns Deutschland kommen (Was, eine Woche? Toll!), beginnt sie tatsächlich, ein wenig auf deutsch zu erzählen.
Ihr Date ist also schon 80. Eigentlich sei das ja nicht so toll. 80 ist eigentlich viel zu alt für sie. Aber was soll sie machen?
Sie beginnt, sich einzucremen, wieder zwinkert sie jemandem zu. Und sie erzählt weiter: Ob denn H. Jude sei, er sähe zumindest so aus. Die Nase und das Gesicht. Das würde passen.

Ein paar Minuten später steht eine junge Frau vor ihr, die sie ebenfalls in ein Gespräch verwickelt. Diesmal auf Spanisch. Als auch sie aussteigt, spricht sie einfach weiter. Mit sich selbst.
Wir steigen am Flushing Meadows Park aus, sie veranschiedet sich von uns. Von uns allen. Wir wünschen ihr “good luck” mit ihrem Date.

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