Tagesarchiv für 19. März 2011

aRTikel

Auf der Suche nach dem Taktgefühl

Samstag, den 19. März 2011
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Soziales: Im Jugendklub in Walchow findet einmal in der Woche ein Gitarrenkurs für Anfänger statt

MAZ Neuruppin, 19.3.2011

Die Kursteilnehmer sind zwischen sieben und 22 Jahre alt. Tony Schiffer aus Fehrbellin unterrichtet sie ehrenamtlich

WALCHOW
Dieser verflixte Zombie. Theresa und Caroline sitzen sich mit ihren Gitarren gegenüber. Sie probieren, das Lied „Zombie“ von den Cranberries zu spielen. Ihr Lehrer Tony Schiffer steht daneben. Caroline greift in die Saiten. „Wechsel!“, ruft Schiffer bei jedem Takt, seine Schülerin muss umgreifen. „Sehr schön, das klappt doch!“, sagt der Gitarrenlehrer – Caroline und Theresa lächeln.

Einmal in der Woche am Dienstagnachmittag treffen sich im Walchower Jugendklub bis zu zwölf Leute, um am Gitarrenkurs für Anfänger teilzunehmen. Sie sind zwischen sieben und 22 Jahre alt. „Der Kurs läuft seit sechs Wochen“, erzählt Torsten Liebezeit, der Leiter des Klubs in Walchow. „Wir haben die Jugendlichen gefragt, was sie denn gern machen wollen. Der Gitarrenkurs stand da hoch im Kurs.“

Caroline Baeskow ist mit ihren 22 Jahren die Älteste in der Gruppe. „Ich habe in der Schule schon mal in so einem Kurs mitgemacht“, erzählt die Neuruppinerin. „Aber ich hatte keine eigene Gitarre.“ Jetzt will sie alles nachholen, was sie bisher versäumt hat. „Tony sagt, ich kriege das schon ganz gut hin“, sagt Caroline. Tony nickt im Hintergrund. „Allerdings fehlt mir noch ein bisschen das Taktgefühl“, ergänzt Caroline. „Am Anfang fuchtelt man erst mal mit den Fingern rum und denkt sich: Wie schafft man das nur, richtig zu greifen?“ Irgendwann werde das aber besser.

Caroline macht gerade ein Praktikum bei der Berlin-Brandenburgischen Landjugend (BBL), zu dem auch der Walchower Klub gehört. Später möchte sie Erzieherin werden. Das Gitarrespielen kann sie für ihren angestrebten Beruf gut gebrauchen, sagt sie: „Es ist aber auch einfach ein schönes Hobby.“

Während Lehrer Tony Schiffer mit den Mädchen übt, wartet der siebenjährige Jeremy auf das Ende seiner Pause. Fasziniert beobachtet er, wie sie in die Saiten greifen. Der junge Walchower ist von Anfang an dabei. „Ich habe auch schon was gelernt“, sagt er leise. Er zählt auf: „A, D, a-Moll.“ Dabei sieht er auf seine Gitarre, gerade kann er nicht zeigen, was er meint. „Ich bin so mittelgut“, sagt er, dabei lächelt er ein wenig. „Aber ich übe jeden Tag eine halbe Stunde.“ Die Gitarre hat ihm seine Mama gekauft.

Unterdessen beschäftigen sich Caroline und Theresa immer noch mit dem „Zombie“-Song. Sie scheinen jedoch ein bisschen langsam zu sein. „Ich schlafe gleich ein“, ruft Gitarrenlehrer Tony Schiffer. Sie brechen ab und beginnen noch mal neu. „Diesmal aber schneller!“, fordert Schiffer. Der 22-jährige Fehrbelliner arbeitet ehrenamtlich, um den Jugendlichen im Klub das Gitarrespielen beizubringen. Als die BBL ein Jubiläum feierte, hatte er die Idee zu einem Lied. Seine Mutter, die auch bei der Landjugend arbeitet, fragte ihn schließlich, ob er sich vorstellen kann, im Klub Gitarrenunterricht zu geben. Schiffer sagte zu. „Das macht Spaß“, sagt er. „Ich helfe total gern meinen Mitmenschen.“

Schiffer spielt selbst in einer Band mit. Das „Project“ trat bereits bei den Fehrbelliner Festtagen und beim Storchenfest in Linum auf. „Meine soziale Einstellung habe ich vielleicht durch die Feuerwehr, in der ich Mitglied bin“, erzählt er. Ansonsten arbeitet er als Ein-Euro-Jobber bei der Gab in Protzen – allerdings nur noch zwei Wochen. Schiffer gehört zu denjenigen, die die derzeitige Krise bei der Gab trifft. Seinen Optimismus kann das momentan aber nicht trüben.

Den Musiknachwuchs in Walchow hat er in Gruppen aufgeteilt. „Anders geht es nicht.“ Mit den Fortgeschrittenen müsse er anders üben als mit den Anfängern. „Untalentiert ist aber keiner“, beteuert der 22-Jährige. „Aber man braucht viel Geduld. Man muss sie motivieren, ihnen auch mal eine Pause gönnen und Späße machen.“ Langeweile dürfe es nicht geben.

Sein Kurs kommt bei den Kindern und Jugendlichen gut an. „Es macht mir total Spaß“, sagt die 15-jährige Theresa aus Treskow. „Der Lehrer ist toll“, findet auch der kleine Jeremy. Als sehr nett und freundlich beschreibt ihn Caroline. „Vor allem ist er geduldig“, ergänzt sie. Bei der Gitarrenstunde geht es aber nicht nur ums bloße Üben. Bald steht sogar ein Auftritt auf dem Programm.

„Am 29. März sind wir in Wittstock bei unserer Fehrbellin-Ausstellung am Gymnasium“, erzählt Klubleiter Torsten Liebezeit. „Bei unserer szenischen Lesung hatten wir sonst Musik vom Band, jetzt wollen wir live Gitarre spielen.“ Bei der für den 12. Mai in der Fehrbelliner Bibliothek geplanten Lesung über die verbrannten Bücher im Dritten Reich wollen die Gitarrenschüler ebenfalls spielen. Der Lehrer Tony Schiffer sieht dem gelassen entgegen. „Das wird schon klappen“, sagt er.

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RT im Kino

Der ganz große Traum

Samstag, den 19. März 2011
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1874 passiert in Braunschweig etwas Unerhörtes: Eine Gruppe Jugendlicher trifft sich im Park, um mit einem Ball spielen. Fußball nennt sich das. Und Fußball ist undeutsch. Fußball gehört verboten! Das finden zumindest die Mitglieder des Schulfördervereins.
Und Konrad Koch (Daniel Brühl) hat Schuld. Er wird am Martino-Katharineum als Englischlehrer eingestellt. Aber seine Schüler wollen nicht so wie er. Deshalb muss er sich was einfallen lassen. Seine Idee: Anhand des englischen Fußballspiels will er den Jugendlichen auch die englische Sprache beibringen.

“Der ganz große Traum” vom Fußball, von Fairplay und dem friedlichen Kampf gegen- und miteinander – davon erzählt Sebastian Grobler in seinem Film. Er basiert auf wahren Begebenheiten.
Eigentlich hätte das Ganze ein großes Potenzial, im Sog einer Fußball-WM oder EM hätte was Großes draus werden können. Stattdessen läuft er versteckt in den Nachmittagsprogrammen der Kinos.
Aber auch inhaltlich wirkt Groblers Fußballstory recht weichgespült und klischeehaft. Da gibt es die gehorsamen Schüler, einen Lehrer mit neuen Ideen und seine Gegenspieler. Nach und nach bricht das alles auf.
Klischeehafte Lehrer, dazu noch der Klischeeschüler, der von seinem Vater getrietzt wird und langsam aufbegehrt. Für Theo Trebs keine sehr dankbare Rolle.
Die Nebenrollen sind mit Burghart Klaußner, Justus von Dohnanyi, Axel Prahl und Thomas Thieme recht prominent besetzt.
So ist “Der ganz große Traum” ein durchaus unterhaltsamer, netter Film. Aber “nett” ist eben nicht die oberste Liga. Und die Kopie des “Clubs der toten Dichter” kurz vor Schluss hätte man sich nun wirklich sparen können.

6/10

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RTelenovela

Countdown New York (5): Kofferkauf

Samstag, den 19. März 2011
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(4) -> 17.3.2011

Wenn man eine Reise tut, braucht man natürlich auch einen Koffer. Und ich hatte bisher keinen Koffer. Nur eine Tasche ohne Rollen, und das geht ja mal gar nicht. Ich werde das Ding sicher nicht durch ganz New York buckeln. Unser alter Trolli hat schon vor einiger Zeit seinen Geist aufgegeben.

Also ab ins Reiz, ins Ruppiner Einkaufszentrum in Neuruppin. Dort gibt es einen Lederwarenladen, in dem auch lauter Trollis und Reisetaschen rumstehen.
Aber was nimmt man da am besten? Einen Hartschalenkoffer? Einen violetten Koffer? Einen gestreiften? Einen grünen, braunen, schwarzen? Einen mit Außentaschen?

Ich neige ja eher selten dazu, für Einkäufe die Beratung der Verkäuferin in Anspruch zu nehmen, aber diesmal ging es nicht anders.
An sich ist ja ein Hartschalenkoffer ganz hübsch. Andererseits ist er beim Packen unflexibel. Einen schwarzen zu nehmen, wäre auch ungünstig. Den findet man auf dem Gepäckband nicht mehr wieder. Deshalb gibt es wohl auch den Trend zu Koffern in grellen, gestreiften Farben. Sieht beschissen aus, aber ihn findet man schnell. Außer, es warten zufällig fünf Leute auf den gleichen Koffer.

Ich entschied mich für einen grünen. Ich habe zwar allerdings im Nachhinein das Gefühl, dass er eine Nummer zu groß ist – vielleicht sollte ich mal probepacken.
Ein spezielles Schloss habe ich auch. Angeblich soll der Zoll es bei Bedarf öffnen können, ohne es aufzubrechen. Wie immer das auch funktioniert.

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