Tagesarchiv für 8. Januar 2011

ORA aktuell

Turm: Verbraucherzentrale mahnt ab

Samstag, den 8. Januar 2011
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Wegen der Preiserhöhungen für Fitnesscenterkunden bekommt die Oranienburger Turm-Erlebniscity demnächst eine Abmahnung der Verbraucherzentrale in Potsdam. Wie die Juristin Sabine Fischer-Volk mitteilte, sei aus Sicht der Verbraucherzentrale die Preisanpassungsklausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) völlig intransparent.
Sollte der Turm-Betreiber keine Unterlassungserklärung abgeben, droht eine Klage.

Etwa 1340 Vertragskunden des Fitnesscenters im Turm müssen seit Anfang Januar 2 Euro zahlen, wenn sie noch ins Bad oder in die Sauna wollen. Ab Juli sind es 4 Euro. Nach Protesten sind nun 30 Minuten frei.
Laut der Verbraucherzentrale stehe den Kunden ein außerordentliches Kündigungsrecht zu. Turm-Sprecher Werner Siegler hatte den Kunden dieses Recht abgesprochen. Die Kritik gegen ihn und die weiteren Verantwortlichen des Hauses wird unterdessen immer lauter.

Auch mehren sich die Stimmen, die allgemeine Kritik am Turm erheben. Die Qualität des Saunabereiches nehme immer mehr ab, so eine Oranienburgerin in einem Leserbrief im Oranienburger Generalanzeiger. Neue Einrichtungen seien an den Bedürfnissen der Besucher vorbeigebaut worden.

RT im Kino

3

Samstag, den 8. Januar 2011
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20 Jahre. 20 Jahre sind ganz schön lang, und fast sie hätten das Datum vergessen. Hanna (Sophie Rois) und Simon (Sebastian Schipper) sind ein Paar. Sie lieben sich nun zwei Jahrzehnte lang. Eigentlich ist auch alles in Ordnung. Aber… Tja. Sie merken es nicht oder sprechen es nicht aus. Ein bisschen ist die Luft raus.
Und sie werden älter. Krankenheiten schleichen sich ein. Und der Tod. Simons Mutter (Angela Winkler) teilt ihnen mit, dass sie Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Sie wird sterben. Gleichzeitig erfährt Simon, dass er operiert werden muss. Sofort. Hodenkrebs. Einer weniger.
In der Nacht, als ihr Mann operiert wird, geht Hanna fremd. Adam (Devid Striesow) strahlt eine Faszination aus, der sie sich nicht entziehen kann.
Aber auch Simon hat kurz nach seiner OP beim Schwimmen eine denkwürdige Begegnung. Ein Mann. Er heißt Adam und strahlt eine Faszination aus, der er sich nicht entziehen kann.

Mit “3″ liefert Tom Tykwer nach langer Zeit wieder eine deutsche Produktion ab- und trifft voll ins Schwarze. Ein normales Heteropaar droht auseinanderzubrechen, weil sich beide in denselben Mann verliebt haben. Tykwer schafft die Balance zwischen spannenden, faszinierenden, aber auch heiteren Augenblicken. Es ist viel Komik im Spiel, als Hanna und Simon bei einer Veranstaltung plötzlich auf Adam treffen und beide ganz schnell mal aufs Klo müssen.
“3″ handelt von spannenden Fragen: Kann man auch mehrere Leute lieben? Kann man sich gleichzeitig in einen Mann und eine Frau verlieben? Kann so eine Dreierbeziehung funktionieren? Angeblich sollen ja die meisten Menschen in Wirklichkeit bisexuell sein, nur leben sie es nicht aus. Tom Tykwer zeigt in seinem Film, wie so etwas aussehen könnte. Simon will Hanna, aber auch Adam. Adam will Hanna, aber auch Simon. Und Hanna will Simon, aber auch Adam.
Mal abgesehen von dem spannenden Thema und einer (stilistisch) etwas verunglückten Szene: “3″ ist extrem faszinierend. Tom Tykwer hat seinen Film mit verfilmten Metaphern bestückt. Er lässt die Gedanken seiner Figuren sprechen. Das alles mit Gänsehautmusik und einer packenden Optik.
Am Ende entlässt Tykwer seine Zuschauer aus seinem ungewöhnlichen Liebestrip. Gesprächsstoff gibt’s danach ganz sicher.

9/10

RTelenovela

Prinzipienreiter am morgendlichen Nachmittag

Samstag, den 8. Januar 2011
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Bei Discobetreibern gehen die Uhren ein bisschen anders. Es ist Nachmittag, weit nach 15 Uhr. Ich rufe in Marwitz an, um einen Termin zu vereinbaren. Da meldet sich eine Stimme mit Namen und: “Guten Morgen!”
Und ich dachte immer, ich sei ein Langschläfer.

Auch Taxifahrer scheinen seltsame Leute zu sein. Vor dem Bahnhof Oranienburg hupte einer von ihnen mehrmals. Eine Frau wagte es sich, mal kurz mit ihrem Wagen auf einem der Taxi-Stellplätze zu parken. Der Taxifahrer gab wütende Handzeichen, die Frau fuhr weg. Der Taxler hatte seinen Willen. Und das, obwohl der vordere Teil der Taxifläche gar nicht besetzt und noch viiiel Platz war. Es ging ihm eben ums Prinzip – und den bequemsten Platz.

RTZapper

20x Brandenburg

Samstag, den 8. Januar 2011
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DO 06.01.2011 | 22.15 Uhr | rbb

Sie können nicht lesen, aber sie kommen zurecht. Sie führen ein gutes Leben in Alt Ruppin. Die beiden Frauen sind Näherinnen. Aber einmal im Jahr, da fahren sie raus. Reisen in eine andere Welt. Nach Berlin. Sie steigen in den Prignitz-Express. Immer mit der Karte in der Hand. Immer mit einem Ohr am Lautsprecher, um die nächste Ansage nicht zu verpassen. Sie fahren bis Hennigsdorf, warten dort auf die S-Bahn. Fahren weiter bis Berlin. Sie wollen zum Potsdamer Platz.
Der Zuschauer, der sich in Berlin auskennt, weiß, dass sie durchfahren können. Aber in Berlin-Friedrichstraße hören sie etwas von “umsteigen” und verlassen die Bahn.
Nun sehen sie da und fragen die Leute, wo denn die Bahn zum “Alexandraplatz” ist. Sie fahren wieder Bahn, am Alex fragen sie sich durch, wo sie denn zum Potsdamer Platz kommen, suchen die das Schild mit dem “U” und der “2″. Die U2 zum Potsdamer Platz.
Als sie dann vor dem Theaterhaus stehen und die Klänge des Musicals “Dirty Dancing” beginnen, sind die beiden Frauen glücklich. Glücklich, dass sie es ganz allein geschafft haben.
Die Kamera begleitet die beiden. Kommentarlos verfolgt der Zuschauer die am Ende erfolgreiche Odyssee. Ein extrem rührender Film. “Mit ohne lesen” ist einer der Höhepunkte von “20x Brandenburg”.

Der rbb wiederholte am Donnerstag das fünfstündige Doku-Special, das zum 20. Geburtstag des Landes Brandenburg entstand. 20 Dokumentarfilmer drehten 20 Filme über Land und Leute.

Zum Beispiel auch über einen Bestatter im uckermärkischen Brüssow. Seine Firma hat acht Filialen, und seine Angebote preist er an wie auf dem Rummel. Irgendwie gruselig: Eine Frau singt ganz schön schief und schleimig “So war sein Leben” und sagt dann im Stil einer Ansage einer Zugbegleiterin, dass die Leute jetzt noch bei Kaffee und Kuchen plaudern könnten. Also in Brüssow möchte ich lieber keine Trauerfeiern erleben…