Tagesarchiv für 6. Dezember 2010

RTelenovela

Am Obersalzberg (3): Achtung, Buttnmandln!

Montag, den 6. Dezember 2010
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(2) -> 5.12.2010

Wir wohnen auf dem Obersalzberg. Klar, dass man da an der Geschichte des Ortes nicht vorbei kommt. Im Dritten Reich hatten Hitler und Co. in dem Ort, auf dem Berg ihre Urlaubsresidenzen. Das Dokumentationszentrum unweit unseres Hotels, informiert über diese Zeit. Besonders beeindruckend: die Bunker. Durch die Berge führten diverse Bunker, die erstaunlicherweise erst ab 1943 gebaut wurden. Davor gab es wohl – anders als in Berlin – keine Schutzvorrichtungen für die Machthaber. Heute laufen die Besucher durch die langen Tunnel. Auch still. Auch wie in einem Zeittunnel. Aber nicht besinnlich, eher erdrückend.

Ein bisschen Luxus muss natürlich auch sein, gern darf sich Dekadenz hinzu gesellen. Und ein bisschen dekadent ist es schon, im 35 Grad heißen Pool zu schwimmen und dabei auf die Berge, den Watzmann, zu blicken – auf die schneebedeckten Höhen.

Noch so ein Brauch in Berchtesgaden: Immer am 5. und 6. Dezember, dem Nikolaustag, laufen die Buttnmandln und der Nikolaus durch den Ort. Und, ja, irgendwie ist das alles ganz schön gruselig.
Los geht’s am Nachmittag auf einem Bauernhof am Ortsrand. Die Straße ist voller Autos, die Leute warten am Hofeingang.
„Do liegt a ganz a bsondas Gfuih in da Luft“, heißt es da. „Do sperrt ma die Ohrn weit auf, da flatterts im Bauch, knisterts im Kopf und ganz woach wern die Knia.“

Die Buttenmandln laufen mit ihren Helfern an diesen Tagen durch den Ort, von Haus zu Haus, durch die Straßen. Sie sehen unheimlich aus, in einem Kleid aus Stroh – sehr viel größer und breiter als der Mensch darin. Dazu eine Maske und mehrere große Kuhglocken, die am Körper befestigt sind.
Eltern können sich anmelden, und die Buttnmandln zu sich nach Hause holen. Mitmachen dürfen Jungen und Männer ab 16 Jahren, einheimisch müssen sie sein, ungescholten (da ist es wieder, das Wort) und unverheiratet. Einmal im Jahr ist die Buttnmandlversammlung, da finden auch die Aufnahmeprüfungen statt. Da müssen die Anwärter sich vorstellen und Fragen beantworten. Über sein Leben, ob er schon eine Freundin hat. Oder: Hast schon a mal gemaust? Ein Witz muss auch sein und ein ordentlicher Schluck Wüstenschnaps – Semmelbrösel.

Und es geht ordentlich zur Sache. Schon vorher hieß es immer wieder: Lasst euch nicht hauen! Kommt ihnen nicht zu nah! Der Buttnmandelmoasta, also der oberste Buttnmandl eines der Gruppen, hier Basse genannt, meinte vorher schon: Eigentlich wollen sie gar nicht, dass das Ganze ein Touristenmagnet wird. Er weiß schon, warum.
Als Außenstehender beschleicht einen ein ungutes Gefühl. Das Läuten klingt bedrohlich. Wer ihnen in die Quere kommt, riskiert, von ihnen mit einem Stock geschlagen zu werden. Und wirklich geschlagen. Außerdem schmieren sie einem eine schwarze Paste ins Gesicht und sind dabei nicht zimperlich. Ein Mädchen klatschte einer der jungen Männer unter der Maske, das Zeug regelrecht auf die Wange, die Nase, die Stirn. Sehr brutal, aber die Berchtesgadener scheinen das gut zu sein, sie sind das gewöhnt, für sie gehört das dazu. „Das ist das absolute Highlight im Dorf“, meinte das gerade geschlagene und beschmierte Mädchen.
Die Buttnmandln rennen läutend auf einen Berg und beten, dann geht’s zurück auf die Straße und zu den Häusern. Gerade Kinder haben großen Respekt vor ihnen, bleiben mit großen Augen in den Autos sitzen. „Ich will da nicht hingehen!“, sagt etwas weinerlich ein Junge zu seiner Mutter. „Schau mal, ob die auch so brutal zuschlagen?“ – „Och, i moag da scho gar nicht mehr hingehn.“ Ein Dialog während des Spektakels.

Es ist eine bedrohliche Kulisse, wenn vor einem auf der schmalen Straße plötzlich diese Gestalten auftreten. Einer sperrt die Straße, daher stehen die Strohmaskenfiguren. Wer fotografiert, wird attackiert. Wer auffällt, wird attackiert. Wer einfach so rumsteht, wird attackiert.
Es ist ein bemerkenswerter Brauch, einer, der für Außenstehende schwer zu verstehen ist, Angst macht, ungute Gefühle entstehen lässt. Kein Wunder, dass sie die Sache nicht zu einer Touristenattraktion machen wollen. Das Rüpelhafte, das Aggressive, durchaus leicht Gewalttätige ist schwer zu vermitteln.
Das Gebimmel ist den ganzen Abend überall in Berchtesgaden zu hören.

ORA aktuell

Verkehr: Diesmal Willy-Brandt-Straße dicht

Montag, den 6. Dezember 2010
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Mal wieder eine Vollsperrung in Oranienburg. Diesmal trifft es die Willy-Brandt-Straße zwischen Mittel- und Stralsunder Straße. Ab dem heutigen Montag ist die Strecke eine Woche lang gesperrt. Für den neuen Runge-Campus müssen Leitungen verlegt werden.

Der Verkehr aus der Mittelstraße soll wieder einmal in Richtung Bernauer Straße abfließen.
Erneut betroffen sind auch die Busse, sie halten wieder nur in der Bernauer Straße.

RTZapper

Wetten, dass…?: Der Unfall

Montag, den 6. Dezember 2010
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SA 04.12.2010 | 20.15 Uhr | ZDF

Irgendwann musste es einmal so weit kommen. Die große Unterhaltungsshow endete in einem Desaster, ein schockierender Abend für die Zuschauer des ZDF. Ein 23-Jähriger stürzt bei seiner Wette so schwer, dass er bewegungslos am Boden liegt und „Wetten, dass…?“ abgebrochen wird. Ein Novum.

Samuel wettete, auf Sprungfedern über ein ihm entgegen fahrendes Auto einen Salto machen zu können. Beim ersten Auto ging alles gut, beim zweiten brach er ab, beim dritten klappte es erneut. Beim vierten geschah die Katastrophe. Offenbar machte der Mann keinen Salto, er sprang über das Auto – dass auch noch sein Vater fuhr – und prallte ungebremst mit Körper und Gesicht auf den Boden. Wie eine Puppe. Kawumm.

Das ZDF zeigte erst ein entsetztes Model. Dann entsetzte Zuschauer. Sie standen auf. Erschütternde Fernsehminuten. Lange, sehr lange sahen die Zuschauer nur das Düsseldorfer Saalpublikum. Im Hintergrund rief Michelle Hunziker einen Arzt, Gottschalk sagte, so was habe keiner ahnen können.
Eine Ewigkeit. Quälende Minuten. Das Ende einer Show. Erst zeigte das ZDF ein altes Band mit Highlight-Musik aus „Wetten, dass…?“, dann verabschiedete sich Gottschalk und beendete die Show. Stattdessen lief ein sieben Jahre alter Krimi.

Noch immer, 28 Stunden nach dem Unfall, ist unklar, wie es dem Mann geht, er liegt in einem künstlichen Koma.
Hätte es so weit kommen müssen? Wie es heißt, kam es auch in den Proben schon zu schweren Stürzen. War das Ganze doch zu gefährlich? Wollten alle Beteiligten zu viel?
Das ZDF hat im Moment des Unglücks richtig gehandelt, hat nicht aufs Opfer gehalten, aber die Zuschauer permanent informiert. Und dennoch müssen sich die Verantwortlichen fragen lassen, ob sie nicht doch zu viel aufs Spiel gesetzt haben.

Es sind Bilder, die lange im Gedächtnis bleiben werden. Diese schrecklichen Minuten der Ungewissheit, des bangen Wartens, der Angst, die allen ins Gesicht geschrieben war. Wie kann es weitergehen? Wie soll die nächste „Wetten, dass…?“-Show über die Bühne gehen. Wird es „Wetten, dass…?“ überhaupt noch einmal geben?