Tagesarchiv für 20. November 2010

aRTikel

Thermentest (3): Massagepilz und Wasserschwall

Samstag, den 20. November 2010
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(2) -> 14.11.2010

Brandenburg: Saarowtherme mit großem Solebecken

MAZ, 20.11.2010

Winterzeit ist Thermenzeit. Bei Wind und Wetter tun Sauna und Sole besonders gut. In dieser Serie testen wir die märkischen Thermen. Teil 3: Saarowtherme, Bad Saarow.
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Braun. Ein helles Braun. Das scheint eine der bevorzugten Farben in der Saarowtherme in Bad Saarow (Oder-Spree) zu sein. Richtig schön ist das nicht. Aber das ist nicht die einzige Irritation, die das Haus zu bieten hat.

Wer auf dem Parkplatz der Therme sein Auto abstellt, wird zunächst staunen: Der Badetempel befindet sich einige Hundert Meter entfernt davon, der Wellnesswillige läuft etwa sieben Minuten durch ein Wohn- und Gewerbegebiet. Zum Dank darf er den Parkplatz am Ende zusätzlich zum Thermeneintritt bezahlen.
Die Saarowtherme gehörte einst zu den ersten Thermen in Brandenburg – und besonders im Umkleidebereich sieht man ihr das auch an. Zwar ist alles sauber, aber sehr eng. Und braun. Die Schränke und die schmalen Kabinen tragen diese seltsame Farbe, der Bereich wirkt sehr altbacken und trist wie in einem Schwimmbad in den 70ern. Er ist in anderen märkischen Thermen sehr viel schöner und großzügiger.

Das Bad ist recht weitläufig angelegt. Nach eigenen Angaben handelt es sich um die größte zusammenhängende Thermalsolefläche in Mittel- und Norddeutschland. Dort kann man nicht nur schwimmen. Im Außenbereich findet sich ein Massagepilz mit Wasserschwall, außen und innen sind zudem Whirlpools. Das ist alles ganz in Ordnung, wenn auch ohne besonderen Pfiff. Wer etwas entspannen möchte, ruht sich auf einer der Liegen aus, allerdings könnte es in dem Bau, wenn es voll ist, richtig laut werden.
Eine schöne Idee jedoch ist das Musik-Licht-Bad (Zuschlag: 1 Euro). Dort kann man sich bei leiser Musik auf dem Wasser treiben lassen. Außer – und das kommt auch vor – wenn Mütter gerade ihren tobenden Kindern im Entspannungsbad das Schwimmen beibringen.

Mit dem Fahrstuhl (!) geht’s hoch in den Saunabereich. Dieser ist leider ein Schwachpunkt der Saarowtherme. Der Flur ist relativ schmal, ständig stehen sich die Leute im Weg, die Gänge sind verwinkelt. Ablagemöglichkeiten für Zeitungen oder ähnliche Mitbringsel fehlen, Haken sind da angebracht, wo offensichtlich noch Platz war. Auch im Saunabereich ist Hellbraun die beherrschende Farbe. Auf den glatten Fliesen können die Besucher leicht ausrutschen. Die Hitzekabinen sind klein, aber dennoch gemütlich. Die Aufgüsse könnten etwas weniger lasch sein. In der Dampfsauna kommt besagter Dampf von unten, was dazu führt, dass die Waden so heiß werden, dass es unangenehm ist. Die Kräuterduftkabine ist zwar eine gute Idee, die Holzstühle und -bänke sind jedoch ungemütlich. Im Miniduschraum befinden sich an einigen Stellen mehrere Knöpfe, im Schummerlicht ist die Beschriftung aber kaum zu sehen. Ein richtiger Erholungseffekt kommt leider nicht auf.

Die Gastronomie ist in der Saarowtherme ein abgetrennter Bereich, ein richtiges Restaurant. Zwar gibt es keine Salattheke, einige Variationen sind dennoch im Angebot (Riesensalat für 9,30 Euro). Fisch, belegte Ciabattabrötchen, Bandnudeln mit Tomatensoße (8,90 Euro), Rouladen, Klopse, Gemüse-Spätzle-Pfanne, Ofenkartoffeln (5,90 Euro) und vieles mehr. Das Angebot ist recht groß und vielfältig.

Die Sauberkeit im Hause lässt kaum zu wünschen übrig, besonders im Saunabereich wird oft durchgewischt. Der Erholungswert könnte jedoch in allen Bereichen der Saarowtherme sehr viel höher sein. Die Zahl der Widrigkeiten ist leider momentan recht hoch.


Informationen:
Adresse: Am Kurpark 1, 15526 Bad Saarow, Tel.: 033631/8680, www.bad-saarow.de/de/bad-saarow-therme/saarowtherme
Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag 9 bis 21 Uhr, Freitag und Sonnabend 9 bis 23 Uhr
Preise: Zwei Stunden Thermalbad und Sauna kosten 15 Euro, Tageskarte 20 Euro
Angebote: Thermalbad mit Unterwassergeysiren, Massagepilz mit Strömungskanal, Whirlpools und Massagemulden. Saunabereich mit Finnischen Saunen, Biosauna, Dampfbad, Kräuterstube und Schneeraum. Wellness-Angebote wie zum Beispiel Lomi Lomi Nui, Hamam oder Rhasul.

Badewelt: 3/5
Sauberkeit: 2/5
Gastronomie: 4/5
Sauberkeit: 5/5
Erholungswert: 3/5

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RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Moritz von Uslar in Hardrockhausen

Samstag, den 20. November 2010
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FR 19.11.2010 | Zehdenick, Bowlingcenter

Wenn ein Buchautor wieder auf seine Protagonisten trifft, dann ist das schon etwas Besonderes. Vor allem dann, wenn einige der Protagonisten sauer sind über das, was in dem Buch steht. Angeblich.

Moritz von Uslar, Autor von “Deutschboden – Eine teilnehmende Beobachtung”, kehrte, nachdem er im Frühjahr 2009 schon mal drei Monate in Zehdenick lebte, dorthin zurück. In die Stadt, die im Buch Oberhavel heißt. Oder auch Hardrockhausen.
Er habe ein wenig Angst davor gehabt, sagte er am Freitagabend im Gespräch mit MAZ-Moderator Jan Sternberg, und: Das sei seine wichtigste Lesung.

Aber so richtig sauer, wie es einige Medien uns weismachen wollten, ist wohl in Zehdenick doch niemand auf den Autor. Der Bürgermeister schenkte Uslar ein “Stadt Oberhavel – Hardrockhausen”- Schild. Es gab viel Applaus und Gelächter und, ja, man könnte fast sagen: innigste Zuneigung.

Nun gut, die wirklich “problematischen” Stellen ließ Moritz von Uslar in seiner Lesung im seit langem ausverkauften Bowlingcenter weg. Stattdessen trug er die durchaus heiteren, aber auch nachdenklichen Dialoge mit den Besuchern in der Gaststätte Schröder vor. Die Gedanken zu Hartz IV, den Nazis, die Frauen und das Leben im Allgemeinen. Uslar macht das in einem recht ruhigen, aber dennoch auf Nuancen bedachten Lesestil.

Es sind dann noch rührende Szenen, die sich an diesem Abend in Zehdenick abspielen. Uslar bedankte sich bei den Kleinstädtern: “Ich danke diesem Ort, dass er mich erträgt.” Gleichzeitig stellte er klar, dass es sich nicht um ein Buch über die Stadt Zehdenick handele, sondern über die Kleinstadt im Allgemeinen.
Eine Zehdenickerin stand auf und sagte: “Ich find’s richtig gut, dass Zehdenick jetzt etwas zu streiten hat.” Auch der im Buch vorkommende Blocky meldete sich zu Wort: Mach keinen Scheiß, habe er dem Autor gesagt. “Hast du auch nicht gemacht.”
Ein Punkt blieb aber offen: Ein älterer Herr wollte wissen, was es denn nun mit dem kleinen Ort Deutschboden auf sich habe. Warum Uslar die Siedlung nicht gefunden und danach nicht mehr weiter gesucht habe. Ja, das sei ein Fehler gewesen, so Uslar.

Ein sehr spannender, ein schöner Abend neigte sich dem Ende zu. Und während Moritz von Uslar vorn an der Theke sein Buch signierte, spielte die Band 5 Teeth Less auf der Bühne – und rockte den Saal. Coole Mucke.

Der Abend war schon fortgeschritten. Bevor es aus Zehdenick nach Hause ging noch der Zwischenstopp an der Aral-Tanke. Die, die auch im Buch vorkommt. Die, wo sich die Jugend trifft. Wo auch an diesem Abend eine gruppe Jugendlicher stand. Und irgendwie komtm man sich tatsächlich beobachtet vor. Und kann das entsprechende Kapitel im Buch nun noch viel besser nachvollziehen.

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Trailer: Das Supertalent

Samstag, den 20. November 2010
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FR 19.11.2010 | 16.52 Uhr | RTL

76 Millionen Zuschauer sahen in dieser Saison schon “Das Supertalent”. So tönt es der Sprecher im Trailer zur Show.
76 Millionen? Das zweifele ich stark an.
Hält uns RTL wirklich für so doof, in dem sie alle Einschaltquoten zusammenzählen und uns das als Gesamtquote zu verkaufen?
Ich fürchte: ja.

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RTZapper

Punkt 12: Terrorangst

Samstag, den 20. November 2010
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FR 19.11.2010 | 12.00 Uhr | RTL

Wir sollen uns keine Sorgen machen, sagt unser Innenminister. Wir sollen unsere Lebensgewohnheiten beibehalten. Nun gut, die Augen offen halten, aber ansonsten nicht in Panik verfallen.
Bei RTL denkt man allerdings gar nicht dran, die Angst vor einem Terroranschlag runterzuspielen. “Punkt 12” beginnt am Freitagmittag mit einem Beitrag zur Terrorgefahr in Deutschland.

Die Angst gehe um. Es sei schon ganz doll schlimm, so der Tenor des Beitrags. Eine Frau erzählt, sie habe Angst, mit der Bahn zu fahren. Eine andere erzählt, dass sie sich kaum noch irgendwo hin traut.

Panikmache? I wo. Aber doch nicht bei RTL.
So dramatisch kann das auch alles gar nicht sein. Der Beitrag dauerte etwas mehr als zwei Minuten.
Terrorgefahr? Ja, ja, aber jetzt wieder zu den wichtigen Themen.
Moderatorin Katja Burkard sagte mit todernster Miene den zweiten Beitrag an: Ein junges Mädchen bekam Zwillinge nach einem One Night Stand. Und Menowin von “DSDS” hat auch schon wieder Mist gebaut.

Journalismus im Privatfernsehen. Kann man eigentlich nicht ernst nehmen.

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