Tagesarchiv für 13. November 2010

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Schneewüsten abseits der Gleise

Samstag, den 13. November 2010
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Schweiz: Die Strecke des Bernina-Expresses verbindet seit 100 Jahren den Norden mit dem Süden Europas

MAZ, 13.11.2010

Die Fahrt auf der 122 Kilometer langen Strecke beginnt in Chur in Graubünden und führt bis zu 2200 Meter hoch ins Gebirge.

Eine typische Floskel im Wetterbericht: Die Schneefallgrenze liegt bei 800 Metern. Wer in Chur im schweizer Kanton Graubünden in den Bernina-Express einsteigt, bekommt ein Gefühl für diese Schneefallgrenze. Die leichten Regentropfen verwandeln sich im Laufe der Fahrt in dicke Flocken.

Seit genau 100 Jahren führt die Berninalinie hoch hinauf in die Berge der Alpen. Die Strecke ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst: Während der 122 Kilometer langen Fahrt passiert der Zug 55 Tunnels und 196 Brücken, unzählige Viadukte und schmale Kurven. In den Panoramawaggons ist der Blick auf die Berge besonders beeindruckend.

Die Reise beginnt in Chur, der wohl ältesten Stadt in der Schweiz. Wie Ausgrabungsfunde belegen, ist der Ort etwa 5000 Jahre alt. Und die Einwohner haben wirklich Glück dort zu leben, denn Chur genießt ein echtes Privileg: wärmere Temperaturen als anderswo. Stichwort Kessellage. Die verkehrsberuhigte Altstadt ist geprägt von engen Gassen, schmalen, mehrstöckigen Häusern in diversen Baustilen. Immer im Hintergrund: die Berge.
In Chur startet dann auch der Trip in den Winter. Bei frühlingshaften 15 Grad und leichtem Regen beginnt die Fahrt mit dem Bernina-Express. Erstaunlich rasant legt sich der Zug in die weitläufigen Kurven. Aus dem Regen wird Schneeregen. Aus dem Schneeregen Schneefall. In Preda ist kaum noch das Ortsschild des Bahnhofes zu erkennen, so sehr flockt und wirbelt es. Die Touristen ziehen bereits ihre Schlitten zu den Rodelbahnen.

Zwischenstopp in Pontresina, einer 2000-Seelen-Gemeinde in der Nähe von St. Moritz. Hoch oben in den Bergen auf etwa 1800 Metern Höhe prallen in dem Engadinerdorf Tradition und Moderne aufeinander. Fachwerkhäuser stehen neben neuartgen Hotelbauten. Wer sich einen Pferdeschlitten mietet, kann die klare Luft besonders genießen. Meistens jedenfalls: begleitet vom rhythmischen Klingeln der Pferdeglöckchen – was fast etwas Spirituelles hat – und dem hin und wieder ebenso rhythmischen Furzen der Tiere.

Die Weiterfahrt auf der Berninalinie von Pontresina nach Poschiavo ist dann einfach nur noch atemberaubend. Kurve um Kurve, Meter um Meter rauscht der Zug immer weiter nach oben. Der Schnee wird höher und höher, irgendwann ist die Baumgrenze erreicht und man sieht nur noch: weiß. Meterhohen, unberührten Schnee. Rechts und links der Bahnstrecke türmen sich die grellen Massen. Diverse Schranken versperren Straßen, die momentan gar nicht existieren, tief verschneit sind. Hier und da fräst sich eine Schneemaschine durchs dicke Pulver. Von einigen der Hänge rasen die Skifahrer herab und wedeln elegant ins Tal.
Eine ganze Fahrt voller Fotomotive. Die Passagiere des Zuges laufen dementsprechend während der Fahrt im Waggon immer hin und her. Rechte Seite, Fenster auf, Foto. Linke Seite, Fenster auf, noch zwei Fotos. Vorbei geht es an der Wasserscheide zwischen Adria und Schwarzem Meer, an großen zugefrorenen, zugeschneiten Seen. Nur noch eine weiße Fläche. So weit das Auge reicht. Beim Zwischenstopp in Alp Grüm bleiben genau drei Minuten Zeit zum Aussteigen. Den Reisenden zeigt sich ein fantastisches Alpenpanorama. Über Brücken, Viadukte, durch enge Kurven und lange Tunnels geht es weiter. Bis zu 2200 Meter hoch fährt der Zug – bis zum Berninapass, wo sich nur noch weite Schneewüsten rund um die Gleise erstrecken. Dann beginnt auch schon die Abfahrt zurück ins Tal – in den südlichen Teil Europas. Der Zug schlägt Brücken zwischen Sprachregionen und Kulturen. Seit mehr als zwei Jahren gehört die Strecke von Thusis bis Tirano zum Unesco-Welterbe.

Schon eine gute halbe Stunde, bevor der Zug Poschiavo erreicht, präsentiert sich der kleine Ort den Bahnreisenden. Der Zug fräst Meter um Meter nach unten und bewältigt einen Höhenunterschied von 1200 Metern. Poschiavo liegt bereits in der italienischsprachigen Schweiz. Ein kleines, ruhiges Dorf in etwa 1000 Metern Höhe mit 5000 Einwohnern. Poschiavo ist bekannt für die Druckerei Landolfi. Dort wurde die erste reformatorische Bibel für Italien gedruckt. Das musste damals so geheim bleiben, dass „gedruckt in London“ auf den Büchern stand. Interessant ist die Via di Palaz. Als einst die dortigen Häuser gebaut wurden, wollten die Besitzer unbedingt mit ihren Kutschen bis vor die Haustür fahren. So führt die Straße direkt am Haus vorbei. Wer in den Garten will, muss diese Straße überqueren. So führt die Via di Palaz also mitten über die Grundstücke.
In der Ferne aus den Bergen kündigt sich der nächste Berninazug an. Die laut quietschende Bahn bildet den Soundtrack des Dorfes.


Informationen:
Anreise: Diverse Airlines bieten Flüge von Berlin nach Zürich an, darunter Swiss und Air Berlin. Nach Chur fahren verschiedene Euro- oder Intercity-Züge. Der Bernina-Express fährt von Chur, Davos oder St. Moritz nach Tirano (Italien).
Unterkunft: Beispielsweise im „Hotel Chur“ am Obertor in Chur, Doppelzimmer ab 82,50 Euro (www.hotelchur.ch). „Sporthotel Pontresina“, Doppelzimmer etwa 160 Euro pro Nacht (www.sporthotel.ch).
Ausflüge: Rund um Chur gibt es 937 Berge mit mehr als 500 Bergbahnanlagen. Viele Hotels haben sich auf Wintersport spezialisiert. In Chur befinden sich das Rätische Museum und ein Naturmuseum. Noch bis 31. Dezember ist im Bahnhof von St. Moritz eine Austellung über das Unesco-Welterbe Rhätische Bahn zu sehen. Bis 19. Dezember gibt es den Bernina-Jubiläumspass mit einigen Zusatzleistungen neben der Fahrt an sich. Eine Sammlung von Gemälden des 19. Jahrhunderts zeigt das Kunstmuseum in Poschiavo.
Auskünfte: www.graubuenden.ch; www.bernina-express.ch.

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ORA aktuell

Sensation: Film von Oranienburger Bombenabwurf gefunden

Samstag, den 13. November 2010
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Der Arbeitsgemeinschaft Fliegerschicksale Oranienburg ist ein Coup gelungen: In einem US-Archiv fanden AG-Mitglieder einen Film, der einen Bombenangriff auf Oranienburg zeigt.

Laut Rüdiger Kaddatz sind Aufnahmen von drei Kameras zu sehen, die den Start der Bomber in Großbritannien, den Anflug und die Bombardierung Oranienburgs zeigen. Der Film ist 14 Minuten lang und gut erhalten. Anfang 2011 soll er der Öffentlichkeit gezeigt werden.

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RTelenovela

Nasses Laub und (keine) Gegenstände

Samstag, den 13. November 2010
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Da nimmt es aber jemand sehr ernst mit seinem Job: Bei strömenden Regen und Sturm stand heute ein Typ in Havelhausen auf dem Parkplatz am griechischen Restaurant und hantierte mit seinem Laubsauger. Oder war es ein Laubpuster? Gerade, als ich vorbeifuhr, versuchte er nämlich, ein einzelnes Stück Laub von A nach B zu pusten. Scheinbar unbeeindruckt vom Wolkenbruch.

Überhaupt schien am Nachmittag die Welt unter zu gehen. Auf dem östlichen Berliner Ring war es schon so finster, als wäre schon Nacht.
Unterdessen verkündete der radioeins-Verkehrsfunk, dass irgendein Gegenstand auf der A10 zwischen Rüdersdorf und Erkner liege. Ich war gespannt, denn genau da war ich gerade.
Schon raste die Polizei mit Blaulicht an mir vorbei, platzierte sich auf dem Mittelstreifen, warnblinkte, und wir alle tuckerten hinterher, um zu sehen, was denn so spannendes auf der Autobahn liegt. Ausnahmsweise traf es die Floskel “Freund und Helfer” auf den Punkt. Doch lieder lag gar nichts auf der Straße. An der Abfahrt Erkner verließ das Polizeiauto die A10.

Das Ziel meiner Fahrt: Bad Saarow. Die vierte von neun Thermen. Die ausführliche Kritik gibt es am Sonnabend kommender Woche. Nur so viel: Hm. Ich bin nicht so angetan. Enge, altmodisch anmutende Umkleideräume. Ein viel zu kleiner Saunabereich, bei dem ständig jemand im Weg steht oder ich ständig im Weg stehe. Das Schwimmbad hat eine Flughafenhallenanmutung. Und so weiter. Schade, von den vier Thermen wird Bad Saarow wohl am schlechtesten abschneiden.

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