Tagesarchiv für 27. Oktober 2010

RT liest

Moritz von Uslar: Deutschboden – Eine teilnehmende Beobachtung

Mittwoch, den 27. Oktober 2010
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Dass mal Zehdenick so in den Blickpunkt der Bücherwelt gerückt würde, hätte ich nicht zwingend erwartet. Als ich das letzte Mal dort war, fand ich eher so mittelmäßig. Um es mal so auszudrücken. Der Autor Moritz von Uslar verbrachte sogar mehrere Monate dort.
Aber schon die Fahrt mit der Regionalbahn von Oranienburg nach Zehdenick scheint er in keiner sehr guten Erinnerung zu haben: „Motherfucking Sachsenhausen“, schreibt er in seinem Buch. „Motherfucking Nassenheide. Motherfucking Grüneberg. Motherfucking Bergsdorf.“ Jämmerliche, heruntergekommene Weiden, das Elend, die Kargheit. Der Autor spricht von einem Provinz-Grusel-Frieren.
„Deutschboden – Eine teilnehmende Beobachtung“ heißt das Buch, für das Moritz von Uslar im Frühjahr 2009 drei Monate in Zehdenick lebte. Zehdenick, das im Buch Oberhavel, Hardrockhausen oder auch einfach nur Provinzhöllennest heißt, hat er scheinbar zufällig auf der Durchreise entdeckt – und sich verliebt. In der Innenstadt erblickt er „ein Bild der Freundlichkeit, Buntheit, Geschäftigkeit“, wie er schreibt. Er berichtet von den Jugendlichen, die am frühen Abend ihre Runden mit den Autos drehen, einen zehnminütigen Parcours abfahren.

Ausführlich erzählt Moritz von Uslar über seine Begegnungen in der Gaststätte Schröder. Wie er, der Mann mit Hut, kritisch beäugt wird, von den Rufen des Kellners, der mit dem Tablett durchs Lokal rennt: „Lecker, lecker, lecker! Molle, Molle, Molle!“ Der Autor lernt die Zehdenicker Jugendlichen kennen. Sie zeigen ihm den abendlichen Treffpunkt an der Tankstelle am Stadtrand, wo alles besprochen und jeder Kunde beobachtet wird.
Warum von Uslar allerdings nur den Namen Zehdenick nicht nennt, umliegende Orte wie Templin, Gransee oder Liebenwalde aber schon, ist nicht klar. Noch dazu, weil Oberhavel bekanntermaßen der Landkreis ist in dem sich von Uslars Kleinstadt befindet. Auch viele Namen der Menschen, die er traf, hat der Autor geändert, andere nicht. So gibt es die Gaststätte Schröder, die Pension Heimat unter dieser Bezeichnung nicht.

Die Band 5 Teeth Less gibt es wirklich. Die freut sich, dass sie durch das Buch viele Klicks bei Myspace hat. Seine Beschreibung von Zehdenick käme der Wahrheit sehr nahe, auch wenn das vielen weh tun würde.
Die Jungs von der Band waren es auch, die dem Reporter ihr Deutschboden-Ritual zeigten. Wenn sie zwischen Zehdenick und Templin am Schild „Deutschboden 1km“ vorbeikommen, hupen sie und rufen „Deutschboden!!“ Das hat ihm offenbar so gut gefallen, dass sein Buch gleich einen Namen hatte.

Es ist ein sehr spannendes Buch geworden. Geradezu liebevoll beschreibt er die Leute in Oberhavel, also in Zehdenick. Der Reporter interessiert sich für ihre Geschichten, kommentiert sie, ordnet sie ein. Wenn einige Zehdenicker sauer sind: An keiner Stelle macht sich der Autor über die Kleinstädter lustig, im Gegenteil: im Laufe der drei Monate scheint er viele von ihnen lieb gewonnen zu haben. Insofern ist „Deutschboden“ ein wunderbares Porträt über eine Stadt, die viele Leser vielleicht mit neuen Augen sehen werden.

Moritz von Uslar: Deutschboden – Eine teilnehmende Beobachtung
Kiepenheuer & Witsch | September 2010

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RTelenovela

Die Sache mit der TRANSPARENZ, der groß geschriebenen

Mittwoch, den 27. Oktober 2010
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“Bei uns wird TRANSPARENZ groß geschrieben.” So steht’s auf der Internetseite von flug.de. Aber irgendwie weiß ich nicht genau, was die damit meinen.

Im Dezember fliege ich von Berlin nach Salzburg. dafür musste ich mir natürlich einen Hin- und einen Rückflug buchen. Man gibt Tage und Tageszeiten ein, dann sucht das System passende Flüge. Und findet welche.
Zum Beispiel für schlappe 120 Euro. Inklusive Gebühren. Na, das ist doch toll. Angeklickt, und Überraschung erlebt. Diese 120 Euro galten für einen Alternativ-Flug am Abend, ich wollte jedoch am Vormittag fliegen. Und, schwupp, standen da 143 Euro. Ist das Transparenz?

Hinzu kommt noch eine Vermittlungsgebühr, etwa 15 Euro. Nun gut, wenn’s denn sein muss, das steht ja auch von Anfang an dabei.
Und, schwupps, stehen da noch mal 5 Euro mehr – fürs Bezahlen nämlich, mit der Kreditkarte. Ohne Kreditkarte kann man nicht bezahlen. Ist das Transparenz?

Schade, ich hatte flug.de eigentlich gar nicht so unseriös in Erinnerung.

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RTZapper

Blue Moon / LateLine

Mittwoch, den 27. Oktober 2010
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DI 26.10.2010 | 22.00 Uhr | Fritz

Vor mehr als drei Jahren verkürzte die rbb-Jugendwelle Fritz seinen “Blue Moon” von zwei Stunden auf eine. Jetzt kommt die Rolle rückwärts. Aber nur ein bisschen.
Fritz gesellt sich nämlich zu den ARD-Jugendradios, die viermal pro Woche die “LateLine” ausstrahlen. Aber nur ein bisschen.

So kann man seine Hörer natürlich auch verwirren. Immer am Dienstag und Mittwoch laufen bei Fritz nun zwei Hörertalksendungen zu jeweils einem Thema.
Gibt’s den “Blue Moon” sonst von 22 bis 0 Uhr, ist er an diesen Tagen nur noch von 22 bis 23 Uhr auf Sendung. Danach, von 23 bis 1 Uhr gibt’s die ARD-weite “LateLine” mit dem selben Thema und dem selben Moderator.

Mal ganz davon abgesehen, dass es sich hierbei wieder mal um eine versteckte Sparmaßnahme handelt: Warum ist Fritz nur zweimal pro Woche dabei? Warum so halbherzig? Und wieso wird die “Blue Moon”-Sendezeit für die restlichen Tage nicht angepasst?
Na ja, wäre vielleicht alles ein wenig zu simpel…

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