Tagesarchiv für 20. Oktober 2010

RTelenovela

Rechts und links nur miese Laune

Mittwoch, den 20. Oktober 2010
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Ich bin ein bisschen genervt. Es zieht in den Hallen am Borsigturm in Berlin-Tegel, und ich kann die Zeitung, die vor mir liegt, nicht lesen. Ständig fliegt mir der Kram um die Ohren. Nun gut, es ist der Tagesspiegel, und es gab ihn kostenlos, und wirklich gut finde ich das Blatt sowieso nicht.

Rechts, am Nachbartisch, sitzt ein junger Mann und telefoniert. Während er in sein Handy nuschelt, schiebt er sich eine Pommesstange in den Mund. Glücklich sieht er nicht aus. Und irgendwann sagt er: “Du sollst dich verpissen! Lass mich in Ruhe, verpiss dich einfach!” Er legt das Telefon beiseite, sieht immer noch nicht glücklicher aus und nimmt wieder ein paar Pommes.

Links, am anderen Nachbartisch, sitzen zwei Jungs. Der eine telefoniert. Was denn heute noch passiere. Man könne ja ein bisschen abchillen. Ihm gegenüber sitzt sein Kumpel. Er ist nach vorn gebeugt, sein Kopf ist fast unterm Tisch, seine Hände drückt er sich an die Augen. Weint er? Es sieht so aus. Oder sinds doch nur Kopfschmerzen?

Rechts klingelt wieder das Telefon. Es scheint wieder dieselbe Person zu sein wie vorhin. Der junge Mann nuschelt wieder was in en Hörer und beendet das Gespräch mit … na ja, die Sache mit dem Verpissen und so.

Links ist das Telefonat inzwischen beendet. Der eine sieht zum anderen. Ob denn alles in Ordnung sei? Er scheint sich Sorgen zu machen. Der andere blickt auf. Lass uns gehen, sagt der eine, und sie stehen auf und laufen langsam los.

Rechts erhebt sich auch der junge Mann, schlurft zum Ausgang.
Und irgendwie habe ich auch keine Lust mehr, Zeitung zu lesen.

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RT im Kino

Twelve

Mittwoch, den 20. Oktober 2010

Was für ein Leben: White Mike (Chace Crawford) ist 17, hat die Schule abgebrochen und schlendert immer wieder durch die Stadt. Man kennt ihn. Denn er ist ein Dealer. Er ist DER Dealer. Er versorgt die jungen Leute im Viertel mit Marihuana. Und nur das, es gibt zwar eine neue Partydroge namens Twelve, aber da traut er sich nicht ran. Twelve gibt’s nur bei Lionel (50 Cent).
es scheint, als habe White Mike ein relativ einfaches Leben, aber bald gerät alles aus den Fugen. Zwei Morde, Aufruhr auf einer Party, und noch mehr Schüsse.

Mit “Twelve” hat Joel Schumacher das Buch des einst 17-jährigen Nick McDonell verfilmt – damals empfahl sogar Harald Schmidt den Roman. Sieben Jahre dauerte es, bis die Geschichte ins Kino kam.
Schumacher zeigt den schönen Schein von New York nur ansatzweise, stattdessen kniet er sich ins volle Elend, zeigt die bedrückende Stimmung unter den Jugendlichen, die unter der brüchigen Oberfläche hervorkommt.
“Twelve” beginnt bedächtig, fast möchte man sagen: Es zieht sich ein wenig. Erst mit der Zeit, um so mehr alles eskaliert, gewinnt die Story an Schärfe, an Kompromisslosigkeit. Das Zusammenspiel, oft auch der Gegensatz aus Bild und Ton sind beeindruckend.
“Twelve” ist zeitweise beklemmend, und irgendwie kann einem dieses New York ganz schön Angst machen.

7/10

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