Tagesarchiv für 18. Oktober 2010

RTelenovela

(K)ein Anschluss unter dieser Zugnummer

Montag, den 18. Oktober 2010
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Verstehe einer die Bahn: Die Lautsprecheransage auf dem Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen kündigte eine 15-minütige Verspätung des Regionalexpresses aus Wittenberg an. Begründung: Es musste auf einen Anschlusszug gewartet werden. Und als Belohnung, dass alle Fahrgäste mitgewartet haben, mussten sie dafür in Gesundbrunnen auf ihren Anschlusszug verzichten.
Der letzte RE5 des Tages Richtung Norden endet in Gesundbrunnen, Reisende nach Oranienburg können aber noch in die Regionalbahn, die nach Templin fährt, wechseln. Und normalerweise wartet der Zug auch, wenn es mal eine Verspätung gibt. Nun ja, außer diesmal. Pünktlich fuhr der Zug – kein Zug der Deutschen Bahn, sondern von der Prignitzer Eisenbahn – los, hatte keine Zeit mehr, die restlichen fünf Minuten zu warten.

So blöd das für die Leute aus dem Regionalexpress ist, wir atmeten auf. Denn ausnahmsweise haben wir mal alles richtig gemacht. Als wir am Potsdamer Platz die Verspätung auf der Anzeigetafel sahen, fuhren wir schon mal mit der S-Bahn zum Gesundbrunnen vor. Wegen des Schienenersatzverkehrs bei der S1 zwischen Waidmannslust und Frohnau wollen wir unbedingt die Regionalbahn bekommen. So kamen wir also pünktlich in Oranienburg an. Und ausnahmsweise haben wir uns über diese Pünktlichkeit gewundert.

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RT im Kino

Goethe!

Montag, den 18. Oktober 2010
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Hach ja, Goethe, dieser Tunichtgut, dieser quirlige Bub! Rennt, springt, lacht und macht böse Witze. Und damit die Jugend von heute mal sieht, wie das war, vor 240 Jahren in Deutschland, kommt nun eine moderne Verfilmung seines Lebens ins Kino. Und das funktioniert sogar – na ja, meistens jedenfalls.

Wenn Johann Goethe (Alexander Fehling) schreibt, dann ist er mit dem Ergebnis hochzufrieden – leider ist er da jedoch der Einzige. Sein Vater (Henry Hübchen) kann da nur den Kopf schütteln. Und dann ist Johann auch noch durch sein Jura-Examen gefallen. Papa zieht die Konsequenzen und schickt Sohnemann zum Reichskammergericht nach Wetzlar. Dort muss er sich durch unzählige Akten wühlen – lernt aber auch Lotte (Miriam Stein) kennen – und lieben. Leider ist sie schon jemand anderem versprochen. Goethe leidet.

“Goethe!”, ja mit Ausrufezeichen – so heißt der Film von Philipp Stölzl, der der heutigen Generation den Schriftsteller aus dem 18. Jahrhundert näherbringen will. Es gewissermaßen das Making Of “Die Leiden des jungen Werther”.
Fast möchte man meinen, Stölzl ist übers Ziel hinaus geschossen. In den ersten Minuten ist sein Film übertrieben albern, sein Goethe scheint da voll auf Speed zu sein. Das legt sich dann aber glücklicherweise. Alles in allem ist es gelungen, aus einem Mann, über den die heutige Schülergeneration oft nur mit den Augen rollt, eine erlebbare, greifbare Person zu machen, über man einiges erfahren kann. Alexander Fehling macht als Goethe zudem eine gute Figur. Und gleichzeitig machten Stölzl, Fehling und alle anderen Beteiligten neugierig auf Werthers Leiden, um das Buch, mit dem Goethe bekannt wurde.

8/10

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