Tagesarchiv für 4. Oktober 2010

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Vor 20 Jahren (52): Das Ende der deutsch-russischen Freundschaft

Montag, den 4. Oktober 2010
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(51) -> 3.10.2010

Donnerstag, 4. Oktober 1990.
Das vereinte Deutschland war gerade mal einen Tag alt, schon knallte es das erste Mal. Das Krisengebiet: eine Schule in Oranienburg. Meine Schule. Und meine Klasse.
Für eine Stunde gab es keinen Unterricht, sondern eine Aussprache stand auf dem Programm. Der Grund: die deutsch-russische Freundschaft war zerbrochen.

Lehrer L. war sowieso schon nicht besonders beliebt. Und dann gab er auch noch das Fach Russisch. Er neigte dazu, uns Schüler schon mal zu beschimpfen, seine Zensurensystem war… sagen wir mal, hart. Das Fass lief über, als es eines Tages zum Stundenbeginn zu einem Vorfall kam. Schüler S. war nach dem Klingeln nicht sofort ruhig und aufmerksam. Das veranlasste Lehrer L., seinen fetten Schlüsselbund nach S. zu werfen. Er hat ihn wohl auch zumindest zum Teil getroffen.

Nun also die Aussprache. Entschuldigung hier, Entschuldigung da. Wird nie wieder vorkommen, aber du musst auch mitmachen und so weiter, labersülz.
Schlüssel sind danach nicht mehr durch das Klassenzimmer geflogen, unser Leiblingslehrer wurde L. danach aber auch weiterhin nicht.

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Festakt zum Tag der deutschen Einheit 2010

Montag, den 4. Oktober 2010
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SO 03.10.2010 | 12.00 Uhr | Das Erste

Deutschland feiert 20 Jahre Einheit, und wo feiert die Bundespolitik? In einer hässlichen Halle in Bremen.
Nun gut, dass die Sause ausgerechnet in Bremen stattfand, hat mit dem immer wechselnden Bundesratsvorsitz der Länder zu tun, und da war eben gerade mal Bremen dran. Aber hat Bremen wirklich keine schöneren Orte? Oder wenigstens jemanden, der aus einer hässlichen Halle eine schöne Halle gestalten kann?

Die Übertragung im Ersten am Sonntagmittag war dann auch geprägt von seltsamen Vierecken oder anderen Figürchen, die da von der Wand hängen, und von den Leuten, die in der riesigen Halle verdammt winzig wirkten.
Das war in Berlin zum Glück anders: Die Feierstunde dort war emotional – schon allein wegen der Stätte. Hat von dort eigentlich jemand in voller Länge live übertragen?

Und es fällt überhaupt auf: Gefeiert wurde nur von der Politik. Zumindest im Fernsehen. Politiker feierten die Einheit. Das Volk kam in den Fernsehübertragungen quasi nicht vor. Dabei wäre es doch eine schöne Chance gewesen, zum Beispiel “Wetten, dass…” nicht aus München, sondern aus Berlin zu senden und die Einheit irgendwie zu thematisieren. Aber es sollte eben nicht sein. Vielleicht interessiert’s die meisten Leute ja auch nicht…

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Das Supertalent: PR-Schock

Montag, den 4. Oktober 2010
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SA 02.10.2010 | 20.15 Uhr | RTL

Au weia! Notarzt für Sylvie van der Vaart! Schreckliche Szenen in der RTL-“Supertalent”-Show. Zu sehen heute Abend!
“Supertalent” gegen “Wetten, dass…?”. Damit RTL da am Sonnabend nicht baden geht, musste die PR-Maschine mal wieder anlaufen. Und “Bild” hat gern geholfen.

Die Zuschauer wussten also schon, dass etwas DRAMATISCHES passieren würde bei “Das Supertalent”. Und wirklich: Sylvie schlug sich die Hand kaputt, als sie ein Brett durchschlagen wollte – wie es einer der Kandidaten konnte. Dass es nur eine Prellung war und halb so schlimm und die Krankenwagen-Szenen sehr inszeniert wirkten – egal. Die PR hat gewirkt.
Und dann war da noch der Mann, der eine Billardkugel schlucken und wieder hochwürgen kann. Einige Internetportale beschworen mal wieder den Castingschock! Dabei trat der Mann vor einigen Jahren schon mal im deutschen Fernsehen auf. Interessanterweise traten bislang kaum Sänger auf, aber das kann sich ja noch ändern.

Ganz klar: “Das Supertalent” lebt von der PR – aber natürlich auch von den Freaks, die dort auftreten, miese Pfeiferinnen oder gerade mal vierjährige Kinder.
Mal ganz davon abgesehen, dass RTL immer tiefer in die Trickkiste greift. Die Show ist inzwischen übersät mit Effekten. Wiederholungsschnitte oder Tonmanipulationen am Stück. Macht irgendwie keinen Spaß mehr. Zumal “Das Supertalent” im Gegensatz zu den “DSDS”-Castings eher als Gesamtshow konzipiert ist, da wirken all diese Effekte deplatziert.

Aber da die Quoten wahnsinnig gut sind, wird sich am aktuellen Konzept der Show wohl nichts ändern.

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RTelenovela

Party am Reichstag – 20 Jahre danach

Montag, den 4. Oktober 2010
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Familienausflug am Tag der deutschen Einheit. Die Nacht zum 3. Oktober 1990 verbrachten wir auf dem Platz der Republik, vor dem Reichstag. das 20. Jubiläum wollten wir nun auch dort verbringen.

Am Bahnhof Brandenburger Tor verließen wir die U-Bahn und standen auf dem Pariser Platz. Es ist schon seltsam: Da feiern wir den 20. Jahrestag der deutschen Einheit, und ausgerechnet an diesem Tag ist das Brandenburger Tor zugesperrt. Weil eine der Bühnen auf der Westseite direkt vor dem Tor stand, war das Denkmal selbst der Backstagebereich, gestellt von hässlichen Bauzäunen. Der ein schmaler Weg an der Seite war frei. Nicht gerade sensibel.

Über die Festmeile an der Straße des 17. Juni spazierten wir auf den Platz der Republik. 20 Jahre später. Die Bilder von damals tauchten noch mal auf. Wo genau haben wir gestanden? Auf den Leinwänden wurden Aufnahmen von damals gezeigt. Die große Party. Das Hissen der Flagge. Das Feuerwerk. Die Hymne.

Zwar fand die offizielle Feier zur Einheit in Bremen statt, aber eigentlich ist der Berliner Reichstag ja die viel spannendere Kulisse.
Ganz vorn saßen die eingeladenen Gäste. Als Helmut Kohl – inzwischen sehr alt und gebrechlich im Rollstuhl – erschien, brandete Applaus auf. Keine Pfiffe, einfach nur freundlicher Applaus und leichter Jubel. Fand ich durchaus erstaunlich.
Wie überhaupt das ganze Ereignis komplett ohne Buhrufe und Störer vonstatten ging. Nur ganz am Rande protestierten einige Leute gegen Hartz IV und Stuttgart 21.
Clueso sang über “Gewinner”, mehrere Chöre waren da, eine Ballettshow. Bundestagspräsident Norbert Lammert hielt eine bewegende Rede – bewegender als die von Bundespräsident Wulff am Mittag in Bremen.
Der Reichstag wurde angestrahlt, die Konturen und Säulen des Hauses, sahen aus wie angemalt. Die ganze Front erstrahlte mal in Rot, mal in Blau, später in Schwarz-Rot-Gold. Als wir alle die Hymne gesungen haben. Und zu “Freude, schöner Götterfunken” ging ein wunderbares Feuerwerk in den Himmel.

Stille Momente, Rückblicke und Ausblicke. Die Feierstunde am Reichstag war eine sehr würdige Veranstaltung. Gut, dass wir (wieder) dabei waren.

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Schlingensief – Talk 2000: Neuanfänge

Montag, den 4. Oktober 2010
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SA 02.10.2010 | 19.30 Uhr | einsfestival

Das hatte sich Ingrid Steeger aber irgendwie anders vorgestellt. Als die Schauspielerin im Jahre 1997 in der Berliner Volksbühne in der Talkshow von Christoph Schlingensief zu Gast ist, fühlt sie sich wie im falschen Film.

“Talk 2000” hieß die Show, die Schlingensief damals für Kanal 4 moderierte, einem Programm, dem RTL und Sat.1 Sendeplätze abtreten musste. “Neuanfänge” hieß das Thema, und neben der Steeger war auch Kunstfälscher Konrad Kujau zu Gast – der Fälscher der Hitler-Tagebücher.
Die Atmosphäre in der Kantine der Volksbühne war sowieso schon krawallig, die Shows von Schlingensief waren ja immer sehr … nun ja, speziell. Schlingensief schweifte ab, stellte mal gar keine Fragen mehr – oder er provozierte. Befragte die Steeger nach ihrem Ex, einem bekannten Fernsehregisseur, nannte ihn ein Schwein. Passte ihr gar nicht. Das sei ungezogen.
Irgendwann rief jemand, dass das ja alles langweilig sei, und Schlingensief antwortete, dass es doch das Publikum besser machen könne. Jeder könne Talkmaster sein. Und tatsächlich saß plötzlich eine wildfremde Frau in Schlingensiefs Sessel. Und die erste Frage an Frau Steeger: wieder der Regisseur: Und Sie waren mal mit… zusammen?
Die Steeger verließ bald die Talkshow. Fluchend. Schlingensief sei ein Arsch.

Irgendwie konnte einem die Frau leid tun. Sie ist in eine Situation geraten, mit der die relativ sensible Schauspielerin nicht umgehen konnte – mit der aber auch Schlingensief wenig anfangen konnte. Scheitern als Chance – das aber ja schon immer sein Motto gewesen. Und an der Stelle war “Talk 2000” tatsächlich gescheitert.
Aber wer mal eine Prügelei im Fernsehen erleben will, wüste Beschimpfungen oder einen ratlosen Moderator – der sollte “Talk 2000” ansehen. Die Sendung läuft derzeit donnerstags um 21.45 Uhr und sonnabends um 19.30 Uhr bei einsfestival. Auf DVD gibt’s das alles auch.

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