Tagesarchiv für 2. Oktober 2010

RTelenovela

Vor 20 Jahren (50): Das letzte Mal verließen wir die DDR …

Samstag, den 2. Oktober 2010

(49) -> 26.9.2010

Dienstag, 2. Oktober 1990.
Die letzten Stunden der DDR. Und nachdem wir ja schon den Mauerfall verpennt haben, wollten wir wenigstens bei der Einheit hautnah sein sein. Unser Ziel: Berlin.

Wir setzten uns ins Auto, verließen Oranienburg. Oranienburg in der DDR, im Bezirk Potsdam. In Hohen Neuendorf fuhren wir auf die Staatsgrenze zu. Einfach so fuhren wir rüber. In den Westen. Raus aus der DDR. Für immer. Wenn wir wiederkommen würden, sollte es keine DDR mehr geben.

In der Nähe vom Zeltinger Platz in Berlin-Frohnau parkten wir unseren BMW und liefen zum S-Bahnhof. Nicht alle Familienmitglieder stellten sich beim Fahrkartenkauf allerdings clever an. Eine hier nicht näher benannte Person (nein, nicht ich) schob das Papierticket so weit in das Stempelgerät, dass es darin veschwand. Und weg war das Ticket. Wir hatten also nun eine Schwarzfahrerin in der Familie.

Der S-Bahnhof Unter den Linden war gesperrt, wir konnten erst am Potsdamer Platz aussteigen. Der Potsdamer Platz war 1990 noch eine kahle Fläche. Wir liefen die Ebertstraße entlang, am zu der Zeit quadrigalosen Brandenburger Tor vorbei in Richtung Reichstag. Unsere Nachbarn, mit denen wir dort unterwegs waren, hatten sich eine Brandenburg-Fahne gekauft, auch eine Deutschland-Fahne hatten wir dabei.

Der Platz vor dem Reichstag war voller Leute. Aus den Lautsprechern dudelte klassische Musik. Bläser spielten getragene Stücke. An der Seite des Platzes standen die Fahnen aller Bundesländer. Aller bisherigen und aller zukünftigen.
23.40 Uhr. Noch 20 Minuten. Langsam kehrte gespannte Ruhe auf dem Platz ein. Die Blasmusik wich einem Glockenspiel. Alle Augen richteten sich auf den noch leeren Fahnenmast.
23.45 Uhr. Wieder Blasmusik. Vorn am Reichstag konnten wir einige Politiker erkennen. Hans-Dietrich Genscher stand da. Und Willy Brandt. Offenbar hatte sich die komplette Politprominenz vor uns auf der Ehrentribüne aufgabaut.
23.50 Uhr. Applaus. Die Deutschland-Fahne wird zum Mast gebracht. Die Leute drängen noch ein Stüpck weiter nach vorn zum Reichstag, einige Polizisten rennen vorn herum, leichte Unruhe. Immer wieder knallen Raketen, die in die Luft steigen. Böller. Und immer noch die ruhige Bläsermusik.

23.58 Uhr. Die Fahne wird an den Mast geknüpft. Noch hängen sie unten, ist sie noch nicht gehisst. Applaus und noch mehr Unruhe. Vorfreunde. Spannung.

23.59 Uhr am 2. Oktober 1990. Die Freiheitsglocke. Die Fahne wird gehisst. Raketen steigen auf. Die letzte Minute. Das Ende der DDR. Gänsehaut.

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RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Bundesvision Song Contest 2010

Samstag, den 2. Oktober 2010
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FR 01.10.2010 | Berlin, Max-Schmeling-Halle

Platz fünf für Das gezeichnete Ich. Der Brandenburger Teilnehmer des Bundesvision Song Contests 2010 steht ganz am Rand der Bühne in der Berliner Max-Schmeling-Halle. Die Show ist zu Ende. Das ProSieben-Publikum hat gewählt. Der fünfte Platz für Brandenburg. “Fünf zu schlecht”, sagt das Ich, das gezeichnete. Er grinst: “Nein, ich bin total zufrieden.” An den fünften Platz hat er nicht geglaubt. “Stefan Raab hat das vorausgesagt, und jetzt will er seinen Wetteinsatz.”
Um die Sieger des Abends drängen sich deutlich mehr Leute. Die Band Silly aus Sachsen-Anhalt steht im Blitzlichtgewitter. Die Gruppe, die schon zu DDR-Zeiten bis 1994 mit Frontfrau Tamara Danz große Erfolge feierte, hat einen hervorragenden zweiten Platz geschafft – von den Brandenburgern gab es die höchste Punktzahl. Aber nicht nur die Ostdeutschen haben kräftig für Silly angerufen. “Alles Rot” heißt ihr aktueller Song, und er könnte endgültig zum Hit werden.
Gewonnen hat aber er – der Graf. “Unter deiner Flagge” hieß das Lied von Unheilig aus Nordrhein-Westfalen. “Das ist der erste Preis, den ich so in den Händen halten kann”, rief der Graf – wenn man Backstage-Reporter Elton glauben darf, heißt der Graf Christoph -, als feststand, dass Unheilig den Sieg geholt hat. “Das ist alles noch neu für mich”, sagte er in der anschließenden Pressekonferenz. Erst seit sechs Monaten steht Unheilig im Rampenlicht. “Surreal” sei das alles noch.
Ich+Ich für Berlin landete mit einer orientalischen Nummer auf Platz 3, dahinter folgte Blumentopf aus Bayern mit “So la la”.

Verlierer gab es auch, obwohl Stefan Raab darauf bestand, dass es beim “BuViSoCo” nur Gewinner gebe. Dirk Darmstaedter und Bernd Begemann traten für Niedersachsen an und landeten mit kläglichen vier Punkten ganz hinten. Die vier Punkte kamen aus der Heimat. Nicht mal Niedersachsen wollte seinen Vertretern die volle Punktzahl geben. Zu recht, die Rock’n’Roll-Nummer war nichts halbes und nichts Ganzes, und irgendwie wirkten die beiden ein wenig fremd in der Sause.

Es war eine große Show, die Stefan Raab und ProSieben in der Max-Schmeling-Halle auf die Beine stellten. In der ausverkauften Halle erfreuten sich die Zuschauer an einer perfekten Bühnenshow mit spektakulärem Licht, einer prachtvollen Videowand und tollen Effekten. Nur die vielen Werbepausen nervten. Gegen Ende buhten gar die Zuschauer in der Halle, als Raab die x-te Unterbrechung ankündigte. Doch das hatte sich die Fernsehleute selbst eingebrockt. Heizte sie Elton noch vor Beginn an, wurden die Berliner erstaunlicherweise während der Werbung ganz allein gelassen – keine Pausenshow, niemand, der etwas sagte, keine Musikeinspieler, nichts. Für eine Fernsehshow unprofessionell, denn so war die Stimmung zwischenzeitlich am Boden, die Leute müde.
Beim zweiten Schnelldurchlauf musste die Regie-Assistentin wie wild auf der Bühne rumhampeln, um die Menschen zum jubeln und klatschen zu bewegen.

Dabei gab es auch viel zu beklatschen: Die schöne Popnummer von Selig (Hamburg), ebenso wie die vom Publikum leider vernachlässigten “Sommerdiebe” von Auletta (Rheinland-Pfalz). “In ganz Berlin gibt es nur noch fair gehandelteltes Kokain”, sang Die Blockflöte des Todes aus Sachsen. Herrlich abgedreht. Stanfour aus Schleswig-Holstein verunstalteten ihren Song “Sail On” so sehr, dass die Zuschauer wohl nur noch wenig damit anfangen konnten. Klang interessant, wohl aber nicht eingängig genug. Ziemlich langweilig waren nur Oceana und Leon Taylor aus Hessen und Mikroboy aus dem Saarland – ihre Songs waren … nun ja, vergänglich.

Alles musste fix gehen. Während der Einspielfilme schoben die Bühnenarbeiter die Instrumente weg und die nächsten ran. Die Musik kam vom Band, nur die Stimme war live. Die Moderatoren Stefan Raab und Johanna Klum hingen währenddessen auf einer an von der Decke hängenden, immer leicht schwankenden Bühne – Seekrank sind die beiden jedoch nicht geworden.

Im nächsten Jahr wird der Bundesvision Song Contest in Nordrhein-Westfalen stattfinden. Wo genau, steht noch nicht fest. Elton merkte zwischendurch an, dass das ja lustig wäre: Eurovision und Bundesvision Song Contest in NRW. Raab dementierte umgehend: Es stehe noch nicht fest, wo der Eurovision Song Contest 2011 stattfinden würde. Erst neulich kursierten Gerüchte, dass die Show wohl in Düsseldof stattfinde. Raab grinst als er dementiert.Aber auch, als er dem Berliner Publikum ein großes Kompliment macht: “Ihr wart toll!” Viele waren da schon gegangen.

Das gezeichnete Ich beobachtet das lebhafte Treiben nach dem Ende der Show. Nach dem Erfolg für ihn und Brandenburg freue er sich auf seine eigene Tournee. Am 30. Oktober geht es los. “Endlich! Mit drei Ausrufezeichen!!! Schreiben Sie das!” Seinen Namen will der Herr Ich aber immer noch nicht preisgeben. “Außer Sie spenden eine Million Euro für einen wohltätigen Zweck.” Na ja, vielleicht später.

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