Tagesarchiv für 21. Juli 2010

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Ständig auf Achse und nie ohne Hut

Mittwoch, den 21. Juli 2010
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Porträt: Lucas Fünfhaus aus Lehnitz ist DJ, Techniker und spielt Blasmusik

MAZ Oranienburg, 21.7.2010

Das Wort Nein scheint der 20-Jährige nicht zu kennen. Oft erledigt er verschiedene Jobs gleichzeitig. Bald tritt er seine Zivistelle an.

LEHNITZ
„Kling klang“ geht immer. Das Keimzeit-Lied muss kommen. „Da singen alle mit“, sagt Lucas Fünfhaus. Auch beliebt: der Eisbären-Song der Puhdys. „Aber erst zur späteren Stunde.“ Um die „Jugendliebe“ von Ute Freudenberg kommt er auch selten herum. Und: „Hey, das geht ab!“ Ein Riesenphänomen: „Da singen auch 65-Jährige mit.“

Lucas Fünfhaus muss es wissen. Der 20-jährige Lehnitzer ist DJ. Aber nicht nur das. Wenn Lucas erzählt, womit er seine Tage und Nächte verbringt, wird einem schwindelig. Fast jedes Wochenende legt er in Oberhavel auf. Er ist Licht- und Tontechniker. Er spielt im Blasmusikverein Saxofon und sitzt dort im Vorstand. Außerdem macht er bei den Lehnitzer Bierbrummern mit, ist im Lehnitzer Karneval-Klub und dort auch Technikchef. Er leitet außerdem das Panikorchester in Lehnitz und arbeitet mit dem Kulturverein des Friedrich-Wolf-Hauses zusammen. Zwischendurch noch Plakate und Flyer erstellen, nach neuer Musik suchen, und, ach ja, das Abitur hat er gerade auch noch abgelegt. Nicht das Beste, aber er hat es geschafft. Davor trat er in der Theatergruppe des Louise-Henriette-Gymnasiums auf, mischte im Förderverein mit und sorgte für Sponsorenverträge und den Schul-Fanshop.

Und jetzt mal kurz durchatmen. Wie schafft er das bloß? Kann er nicht Nein sagen? Lucas grinst: „Das ist schwierig.“ Neulich legte er in der Asklepios-Klinik in Birkenwerder auf, sorgte beim Birkenwerder-Open-Air für die Technik, im Lehnitzer Friedrich-Wolf-Haus für das Licht, und in der Stadthalle in Hohen Neuendorf half er beim Abbau. Alles an einem Tag. „Freunde zu treffen, fügt sich irgendwo dazwischen ein“, erzählt er. „Zum Angeln komme ich aber nicht mehr.“

Den Discjockey hat er inzwischen zum Beruf gemacht. „Mit 16 ging es los“, erzählt Lucas. Auf Geburtstagen und kleineren Festen legte er auf. Bei seinem ersten Auftritt im Oranienburger Regine-Hildebrandt-Haus hatte er noch den Rechner seiner Eltern dabei. Später bekam er von einem befreundeten DJ die ausrangierte Technik. „Beim Karneval in Lehnitz war ich immer dabei und habe zugesehen, wie alles zusammengesteckt und verkabelt wird“, erinnert sich Lucas. „Ich habe es dann selbst ausprobiert und wusste Bescheid.“ Als er einmal für einen Kollegen einspringen musste, kam er mit dem Fahrrad „zur Mucke“, wie er sagt. Den von Oma gesponserten Laptop hatte er im Rucksack. „Dann wird man hier und da vermittelt, wird bekannter“, erzählt DJ Luce, wie er sich nennt.

Legt er bei Hochzeiten, Geburtstagen oder anderen Festen auf, überlegt er sich zwar den Eröffnungssong, eine feste Playlist hat er jedoch nicht. „Das mache ich ziemlich spontan, Hauptsache ist, ich finde den richtigen Musikmix.“ Dass die Tanzfläche leer ist, passiert schon mal. „Zum Beispiel, wenn sich jemand ein Lied wünscht, das irgendwie nicht funktioniert.“ Aber da müsse man dann wieder den Bogen bekommen. „Das ist die hohe Kunst.“ Etwa 21 000 Titel hat er dabei. Auch André Rieu, Christina Bach, von Rumba bis Schlager, für alle Gelegenheiten.
In der Hohen Neuendorfer Havelbaude gelte er beispielsweise als der „Macarena-DJ“, erzählt er. Um die Leute zum Mittanzen zu animieren, zeigt er schon mal, wie es geht. Wie eben beim „Macarena“-Tanz. Als DJ tingelt er durch den gesamten Landkreis – von Birkenwerder über Hammer bis nach Neuglobsow. „Besonders auf dem Land freuen sich die Leute vielmehr auf solche Partys und gehen richtig ab“, so Lucas.
Inzwischen hat er sich als DJ, Licht- und Tontechniker selbstständig gemacht, für alles andere nimmt er sich jedoch weiter Zeit, so gut es geht. Selbst beim Blasmusikverein spielt er nicht nur mit, sondern regelt auch die Technik. Bei Konzerten hat er schon mal die Tonregler vor den Füßen zu stehen, während er in sein Saxofon bläst. „Das ist manchmal nicht so einfach, aber irgendwie funktioniert es dann doch, sagt Lucas und lächelt.

Immer dabei: sein Hut. Der Hut ist Lucas’ Markenzeichen. „Die Leute kennen mich teilweise gar nicht mehr anders“, erzählt er. „Das ist seit der Jugendweihe so“, sagt er. „Ich wollte damals etwas Besonderes, etwas, was die anderen nicht haben.“ Inzwischen besitzt er fünf Hüte und geht ohne selten aus dem Haus. Seine nächste Aufgabe steht bereits bevor: Bald tritt er seine Zivildienststelle beim Märkischen Sozialverein an. Er wird unter anderem Kinder betreuen. „Da bin ich echt gespannt“, sagt Lucas. Dafür muss er sich dann auch wirklich Zeit nehmen.

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