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Camper ziehen um

Soziales: Sinti und Roma wollen Gottesdienst abhalten / Stadt stellt Platz am Werderschen Damm bereit

MAZ Potsdam, 22.5.2010

POTSDAM / BORNSTEDTER FELD
Grillfleischgeruch liegt über der Wiese an der Bornstedter Esplanade. Kinder kreischen und lachen, Männer laufen zwischen Autos und Wohnwagen umher. Eine Frau sitzt auf der Treppe ihres Wohnmobils und schaut auf die Wiese, vor ihr köchelt Essen im Topf.
Mit mehr als 30 Wohnwagen campierte bis gestern Mittag eine Gruppe von Sinti und Roma auf der Fläche am Volkspark. Die meisten sind aus Frankreich gekommen, einige aus Schweden und Norwegen. Die Spuren im Gras lassen vermuten, dass sie die Fläche über den Gehweg und am Erdwall vorbei befahren haben. Zehn Tage lang wollten sie auf dem Gelände bleiben, unter anderem, um einen internationalen Gottesdienst zu feiern, wie sie erklärten. Eine Wasserver- und Abwasserentsorgung war offenbar nicht vorhanden, der Strom kam aus Generatoren. Eine Platznutzungsgenehmigung der Stadt gab es nicht, und spätestens am nächsten Wochenende wird die Fläche während einer Veranstaltung als Parkplatz benötigt, so Sozialdezernentin Elona Müller.

Am Mittag betraten Vertreter der Stadt, der Polizei, des Ordnungsamtes sowie des Entwicklungsträgers Bornstedter Feld das Gelände. Zu dem Zeitpunkt hätten die Camper die Wiese bereits räumen müssen. Am Tag zuvor waren sie dazu aufgefordert worden.
In einem der Wohnwagen – auf dem Tisch standen schon die Teller zum Mittagessen – verhandelten Elona Müller sowie ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Polizei mit einem der Priester. „Wir bringen Gutes in die Stadt“, sagte er: „Wir wollen keinen Müll hinterlassen und nicht umsonst oder wild wohnen.“

Schon im Laufe des Vormittags suchten Mitarbeiter der Stadtverwaltung nach einer Alternative für die Camper. Sie fanden sie auf einem ehemaligen Industriegelände am Werderschen Damm. Die Befürchtungen, dass das Ausweichgelände bei Regen zu sumpfig sein könnte, wies die Sozialbeigeordnete zurück. „Da passiert nicht mehr als hier“, sagte sie. Viel mehr Alternativen habe die Stadt auch gar nicht. „Es musste ja ein recht großer Platz sein“, so Müller. Zudem wies sie darauf hin, dass Stadt über solchen Veranstaltungen Bescheid wissen will. Der Priester ließ sich auf das Angebot ein; noch am Nachmittag begann an der Esplanade der Umzug der großen Gruppe. „Ansonsten hätten wir per einstweiliger Verfügung die Räumung erzwungen“, sagte Elona Müller: „Aber so weit wollten wir es keineswegs kommen lassen.“

Am frühen Abend indes war das Lager nicht am vereinbarten Ort zu finden, sondern in einem Waldstück an der Nedlitzer Straße, nahe der Brücke des Friedens.

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