Tagesarchiv für 23. April 2010

aRTikel

Angemerkt: Schlecht vorbereitet

Freitag, den 23. April 2010
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RT über eine erstaunliche Aussage des „Hobbythek“-Mannes Jean Pütz

MAZ, 23.4.2010

Es wird ein Mädchen! Der Journalist und Moderator Jean Pütz hat es noch mal geschafft. Mit seinen 73 Jahren sieht er im Oktober zum dritten Mal Vaterfreuden entgegen. „In meinem Alter ist das erstaunlich“, sagt er, „ich war nicht darauf vorbereitet.“ Das ist eine erstaunliche Aussage für jemanden, der jahrzehntelang im WDR die „Hobbythek“ moderiert hat. Schließlich brachte Jean Pütz seinen Zuschauern in mühevoller Arbeit in den Jahren von 1974 bis 2004 alle möglichen Hobbys an den Mann. Und die Frau auch. Eine ganze Fernsehgeneration hat gemeinsam mit ihm 345 Folgen lang gebastelt und geschraubt. Er stellte Körperpflegeprodukte her, eigene Fruchtsirups, malte mit Wachs und beschäftigte sich mit unserer Darmflora. Sogar, wie man richtig Witze erzählt, hat der Jean in der „Hobbythek“ vorgemacht. Aber ausgerechnet bei diesem zugegebenermaßen pikanten Hobby – und seinen Folgen – hat Jean Pütz offenbar nicht aufgepasst. So sind sie, die Handwerker. Völlig überrascht und überwältigt von dem, was sie selbst fabriziert haben.

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RT im Kino

Sehsüchte 2010: Spiel der Identitäten

Freitag, den 23. April 2010
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Einmal in eine andere Rolle schlüpfen, eine andere Identität bekommen. Aber was ist eigentlich unsere Identität. Die “Sehsüchte 2010”, das internationale Studentenfilmfestival in Potsdam, über Menschen, die einen Traum haben und ihn auch leben. Manchmal auch durch andere.

Nach Klara
Schon wieder einer dieser Filme, die uns einen Fakt vorsetzen und dann einfach zu Ende sind.
In der Berliner Philharmonie begegnet Robert (Wolfram Schorlemmer) das erste Mal dem wesentlich älteren Nicos (Athanasios Karanikolas) aus New York. Robert ist fasziniert, und Nicos macht eindeutige Annäherungsversuche. Gemeinsam streifen sie durch die Nacht und landen schließlich im Bett.
Das ist an sich eine nette Geschichte, die auch recht authentisch dargestellt ist. Doch das Ende von “Nach Klara” von Stefan Butzmühlen macht ratlos. Robert haut ab, Nicos schläft in seinem Bett. Und nun? War’s das? Wir erfahren es nicht.
6/10

Kobieta Poszukiwana
Der Mann ist einsam, seine Frau tot. Deshlab beauftragt er eine Agentur, eine neue Partnerin für ihn zu finden.
Das klingt skurril. Doch leider ist die Doku von Michaela Marzak nicht mehr als eine Abfolge von Dialogen. Er erzählt, was er will und was nicht. Dann kommen Frauen zu Wort, die erzählen, was sie wollen und was nicht. Sie erzählen mitunter Wunderliches.
Doch irgendwie erwartet man mehr von diesem Film. Gute Idee einfallsos umgesetzt.
4/10

Make-Down
Ein Gesicht. Eine Frau. Wir sehen ihre Facetten aus dem Inneren, die an die Oberfläche dringen. Verwandlung und Maskerade.
Der vierminütige Animationsfilm “Make-Down” von Maurice Hübner ist in seiner Art sehr beeindruckend. Ein Gesicht, das sich verändert. Farben, Formen, Töne. Faszinierend.
8/10

Ich hätte gern was Süßes
Sie wollen tänzen. Wir sind bei einem Workshop dabei, der die Teilnehmerinnen in die Welt des Burlesque-Tanzes einführt. Er war in den 40er- und 50er-Jahren berühmt. Die Damen sprechen darüber, was sie auf der Bühne machen wollen, können und dürfen. Sie lachen, sind albern, aber auch ernsthaft bei der Sache.
Nun ja. In “Ich hätte gern was Süßes” beobachtet die Kamera, was beim Workshop passiert. Gackernde und schnatternde Damen. Am Ende ein Tanz. Kann man mögen, muss man aber nicht.
4/10

Leerfahrt
Die U-Bahn ist seine Bühne. Sein Vorbild ist der Schauspieler Peter Lorre. Und sein Ziel ist es, in allen seinen 114 Filmrollen in der U-Bahn aufzutreten. Der Clou: In diesen Rollen spielt er immer einen Fahrkartenkontrolleur. Das geht nicht immer gut.
Matis Burkhardt erzählt in “Leerfahrt” eine sehr ungewöhnliche Geschichte. Ein Schauspieler, der quasi zwanghaft in andere Rollen schlüpft. Und die U-bahn-Gesellschaft mit seinen gefakten Kontrollen wahnsinnig macht.
Die Umsetzung ist solide, aber nicht sehr fesselnd. Das Pech des Filmteams war es zudem, dass die U-Bahn-Szenen in Berlin nicht gedreht werden durften. Stattdessen spielen sie in Prag – inklusive deutlich sichtbarer tschechischer Beschriftungen. Da wirkt es doch ein bisschen seltsam, dass ihn trotzdem alle verstehen.
6/10

Puppenhaft
Edmund Wondorian (Helmut Rühl) ist Puppenbauer, er arbeitet und lebt in einer stillgelegten Schaufensteruppenfabrik. Eine Puppe ist ganz besonders. Mit ihr kann Edmund reden. Als aber das kleine Mädchen Loki (Nadine Warmuth) in seine Halle eindringt, droht sein Leben vollends aus den Fugen zu geraten.
Der für ein Studentenwerk recht aufwändig gedrehte Film von Andreas Dahn schafft es, die Zuschauer in den Bann zu ziehen. Eine angespannte, fast schon mystische Atmoshäre rund um das Geheimnis des Puppenmannes, ist sehr gut in Szene gesetzt worden. “Puppenhaft” handelt von unendlicher Liebe, von Identitäten, die es so nicht (mehr) gibt, aber auch von Anteilnahme und Mitgefühl.
8/10

Fast schwarz
Ein junger Mann spielt mit einer Puppe. Nein, er spielt nicht mit ihr, er streichelt sie, küsst sie. Und er weiß: Das alles hat er schon mal erlebt. Nur – da war es keine Puppe.
“Fast schwarz” von Gil Bartz ist nur drei Minuten lang. Aber die haben es in sich. Mit dem Kuurzfilm, den man fast schon als Spot bezeichnen kann, macht er auf nachdrückliche Weise auf das Thema Kindesmissbrauch aufmerksam.
8/10

Gesamt: 6/10

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