Tagesarchiv für 18. April 2010

RTZapper

60 Jahre ARD – Lange Nacht: Unterhaltung & Talk

Sonntag, den 18. April 2010
Tags: , , , , ,

SA 17.04.2010 | 23.50 Uhr | Das Erste

Irgendwie hat die ARD bei der Auswahl ihrer Höhepunkte aus 60 Jahren Fernsehschaffen nicht immer ein gutes Händchen. Und manchmal waren die redakteure auch einfach nur faul. Im Fall von “Verstehen Sie Spaß?” zeigte sie statt echter Highlights lieber eine der billigen Best-of-Sendungen, die irgendwann mal im Vorabendprogramm lief. Die wirklich herrlichen Promi-Aktionen entgingen uns. Nicht anders bei “Einer wird gewinnen”: Zu sehen gab es Ausschnitte einer alten Show von 1966, obwohl die späteren Sendungen in den 80ern besser waren. Und so weiter.
Aber die ARD begeht ihren 60. ja sowieso recht lieblos. Insofern passt das schon.

Und meine Unterhaltungshöhepunkte? Zu meinen frühen Erinnerungen zählen natürlich die großen Sonnabendabendshows. Da wäre bespielsweise “Die verflixte 7” mit Rudi Carrell und dem Satz: “Das wäre Ihr Preis gewesen!” Auch Blacky Fuchsbergers “Auf los geht’s los” war immer gute Unterhaltung – auch heute noch, wenn die Sendung wiederholt wird. Gleiches gilt für “Einer wird gewinnen”. Für damalige Verhältnisse Mitte der 80er war “Vier gegen Willi” fast schon subversiv. Die Show mit Mike Krüger brach so manches Tabu. So wurde mal die Wohnzimmereinrichtung von Leuten, die im Publikum saßen, zerdeppert. “Verstehen Sie Spaß” liebte ich auch, besonders in Zeiten von Paola und Kurt Felix. Auch als Harald schmidt die Show übernahm, war sie sehenswert. Mit Dieter Hallervorden ging’s bergab, mit Cherno Jobaytey erst recht. Genannt werden muss auch Michael Schanzes “Flitterabend”, das Spiel mit den Hochzeitspaaren. Jürgen von der Lippes “Geld oder Liebe” war auch sehr lange sehr angesagt. “Die Rudi Carrell Show” war zwar schleimig, wir sahen sie trotzdem (“Lass dich überraschen!”).
Shhows gab es aber nicht nur am Sonnabend. Zu meinen ganz frühen Erinnerungen zählen das Beruferaten “Was bin ich?” und der Nachfolger “Ja oder nein”. Ebenso “MAZ ab!” mit Harald Schmidt, Ende der 80er, ein Spiel so ziemlich ohne Regeln. Jedenfalls gab Harald Schmidt die Punkte relativ wahllos. Tränen gelacht haben wir bei “Donnerlippchen”, einer sehr abgefahrenen Show mit Jürgen von der Lippe, “Pleiten, Pech und Pannen”, bei Hape Kerkelings “Total normal”, Harald Schmidts “Gala” und “Schmidteinander” sowie bei “Sketchup” und “Voll daneben” mit Diether Krebs.
Aber auch die Dritten spielen bei der Unterhaltung einer große Rolle. Im damaligen N3 sorgte ab 1990 einmal im Monat sonnabends eine Show von der Hamburger Reeperbahn für Furore: die “Schmidt”-Mitternachtsshow. Kabarett, Varieté, Musik – und der Karrierestart von Lilo Wanders und Marlene Jaschke. Auf West 3 – und übernommen von N3 – habe ich sonntags Jürgend von der Lippes Show “Stimmt’s” gesehen. 1996 startete der WDR seine WG-Suche “Zimmer frei!”. Die Show läuft heute noch, auch wenn sie stark abgenutzt ist.
Im Talkbereich gehören die “NDR Talk Show” und “3 nach 9” schon zum Inventar, auch der MDR konnte mit dem “Riverboat” ein Erfolgsformat dazusetzen. Die eine oder andere Ausgabe von “Boulevard Bio” war ebenfalls sehr sehenswert.

Und heute? Reinhold Beckmann sorgt für meist weichgespülte Talks. Seine Kollegin Sandra Maischberger macht es spannender. Harald Schmidt hat seine (fast) wöchentliche Show, “Krömer – Die internationale Show” ist meist sehr komisch. Der Sonnabend dümpelt dagegen hin. “Musikantenstadl” und die “Feste der Volksmusik” laufen noch ganz gut, haben jedoch keine jungen Zuschauer. “Verstehen Sie Spaß?” soll mit Guido Cantz verjüngt werden. Am Vorabend wird gequizzt. Perlen muss man suchen: “Inas Nacht” zum Beispiel, erprobt im NDR fernsehen, im Ersten im tiefsten Nachtprogramm. Etwas anders ist auch “Die Thomas und Helga Show” im NDR fernsehen oder “Dittsche” im WDR.
Es wird Zeit für weitere Innovationen.

Hits: 91

RTZapper

Deutschland sucht den Superstar: Das große Finale 2010

Sonntag, den 18. April 2010
Tags: ,

SA 17.04.2010 | 23.30 Uhr | RTL

Fast wollte er schon die Hände in die Luft reißen: Menowin Fröhlich. Doch sein Konkurrent machte das Rennen: Mehrzad Marashi ist der Superstar 2010. Und für Menowin schien eine Welt zusammenzubrechen. Fassungslos stand er da auf der Bühne von “Deutschland suicht den Superstar”, sein Blick leer, und irgendwie sah es aus, als ob er gleich eine Schlägerei beginnen würde.

Die Vorzeichen sahen auch ganz anders aus. Menowin Fröhlich hatte das Publikum im Kölner RTL-Studio hinter sich, ebenso die Jury. Tatsächlich lieferte der 22-Jährige unter anderem mit Michael Jacksons “Billie Jean” eine gute Tanz- und Gesangsnummer ab. Auch Dieter Bohlens Siegertitel “Don’t Believe” brachte Fröhlich überzeugender rüber. Die Favoritenrolle von Marashi schien erledigt zu sein. Doch die RTL-Zuschauer daheim konnte Fröhlich offenbar nicht genug begeistern. Die “Bild”-Zeitung startete am Sonnabend zudem eine große Kampagne: Menowin fröhlich dürfe nicht Superstar werden, forderte das Blatt. Seine Eskapaden der vergangenen Wochen, seine Zeit im Knast und die aktuellen Ermittlungen konnte er mit seiner Leistung am Sonnabend nicht vergessen machen. Mehr als 56 Prozent entschieden sich für Mehrzad.

Menowin nahm das offenbar persönlich. Nie war der Zweitplatzierte so schockiert wie nun er. Minutenlang starrte er vor sich hin, konnte keinen ganzen Satz ins Mikrofon sagen, außer: “War ich wirklich so scheiße?” RTL-Promiklatschtante Frauke Ludowig war mit dieser Situation jedenfalls etwas überfordert.

Diese Frage muss er selbst beantworten. Die Wahl fand jedenfalls ein überraschendes Ende. Es hat vielleicht nicht der spannendste Kandidat gewonnen, dafür aber der, der die kontinuierlichste Leistung brachte. Irgendwie ein Langweiler, aber einer, der gut singt. Dass der Mann in den Charts gut vertreten sein wird, steht so gut wie fest. Was dann wird, wird sich zeigen. Im nächsten Jahr wird der neue Superstar gesucht, und wer weiß, ob Mehrzad Marashi dann noch ein Thema sein wird. Und selbst wenn nicht: Irgendwie dann doch egal.

Hits: 5858

RTZapper

Ich bin Boes

Sonntag, den 18. April 2010
Tags:

SA 17.04.2010 | 22.30 Uhr | RTL

Haha, das ist ja mal witzig. Eine Lehrerin spricht mit ihren Schülern über das Vorspiel. Schon mal’n Knaller. Sie setzt sich aufreizend vor einen ihrer Schüler. Und sagt das Wort: frigide. Lacher! Ein Schüler kaut Kaugummi. Die Lehrerin küsst den Jungen und bekommt so den Kaugummi. Wahnsinn, diese Lacher. Und dann: Stillarbeit, aber in Unterwäsche. Unfassbar, dieser Humor, man kommt aus dem … Staunen nicht mehr heraus.
“Ich bin Boes” bei RTL schafft nämlich ein sehr interessantes Kunststück. Die Comedyreihe mit Mirja Boes kommt komplett ohne Pointen aus. Haarsträubend unlustige Geschichten, hoffnungslos langweilige Geschichten und das auch noch grottenschlecht gespielt.

Wer schreibt denn da bitte die Drehbücher? War das vielleicht ein Wettbewerb, bei dem Frau Boes knallhart die miesesten Gas in ihre Show aufnahm? Selten wurde jedenfalls so konstant eine Pointe nach der anderen versemmelt. Aber Mirja Boes scheint sich für den Schund ja nicht zu schade zu sein. Andererseits: Marja Boes war noch nie besonders lustig, weshalb ihr der nicht vorhandene Witz in “Ich bin Boes” wahrscheinlich nie aufgefallen ist.

Hits: 96