Tagesarchiv für 15. April 2010

ORA aktuell

Lehnitz: Bombe 119 entschärft

Donnerstag, den 15. April 2010
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Es hat länger gedauert als geplant: Die Bombe am Lehnitzer Inselweg konnte am Donnerstag gegen 18.30 Uhr entschärft werden. Die Arbeiten verzögerten sich, als im Sperrkreis Personen gesichtet wurden.
Es ist die 119. Bombe, die in Oranienburg seit der Wende entschärft wurde.

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RTelenovela

Die richtigen Worte in der Trauer

Donnerstag, den 15. April 2010
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Der Sarg stand in der Mitte der kleinen Trauerhalle auf dem katholischen Friedhof. Wir trugen meine Großtante zu Grabe. Der Pfarrer hielt die Trauerrede.
Aber was möchte man eigentlich hören, wenn man da so sitzt oder steht und auf den Sarg sieht, in dem ein lieber Mensch liegt, der von uns gegangen ist?

Als meine Oma 1996 gestorben ist, habe ich mich nach der Trauerfeier sehr geärgert. Eine Trauerrednerin laberte viel allgemeines Zeug und falsches noch dazu. Das war mir alles zu unpersönlich. Und Blabla möchte ich in so einem Moment nicht hören.
Fast wäre es heute genauso gekommen. Der Pfarrer redete viel. Über den Glauben. Über den Tod. Über die Ewigkeit. Erst im letzten Drittel kam er konkret auf die Verstorbene zu sprechen. Und selbst das mussten wir uns erkämpfen. Wie ich später erfahren habe, gab es vor der Feier eine Diskussion mit dem Pfarrer darüber, was er denn auf der Beerdigung erzählen wolle. Er wollte nichts Konkretes sagen, stattdessen das, was wohl immer zu so einem Anlass erzählt wird. Er ließ sich dann aber doch überreden, und so ging er auch auf das Leben der Toten ein.

Aber wie könnte das besser gelöst werden? Wahrscheinlich nur, in dem jemand aus den Reihen der Familie vortritt und etwas sagt. Aber wer ist in diesem Moment standfest genug, um so was durchzuziehen?
Wenn ich mal sterbe – was hoffentlich noch weit weg liegt – ich möchte, dass jemand etwas sagt, der mich kannte. Dass Musik gespielt wird, die ich hörte. Es muss keine traurige Musik sein. Man kann sich doch auch mit einem Lächeln erinnern. Schick anziehen wäre natürlich schön – aber es muss kein Schwarz sein.

In Schwarz waren übrigens auch die vier Männer gekleidet, die den Sarg trugen. Offenbar waren das keine kirchlichen Helfer, sondern die vom Bestattungsinstitut. Sie waren mir schon vor der Feier aufgefallen, wie sie etwas abseits standen, die Hände in den Taschen und sie rauchten.
Nach der Feier hatten sie sich fix die schwarzen Kutten abgestreift und standen breitbeinig abseits der Trauergemeinde in Trainingshosen und anderem Gelumpe und rauchten erneut. Und es sah so aus, als würden sie sich wünschen, dass wir so schnell wie möglich vom Friedhof verschwinden – damit sie das Grab zuschütten können. Ein guter Eindruck und Respekt ist was anderes…

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RT im Kino

Friedensschlag – Das Jahr der Entscheidung

Donnerstag, den 15. April 2010
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“Okay, halt’ deine Fresse, Mann! Alter! Mann! Du laberst zu viel, Alter, Mann!”
“Laber doch nicht, Alter! Jetzt langweil’ mich nicht, Alter! Mann! Ich kann auch gehen, so ist es nicht!”
Na klar könnte der junge Mann mit der großen Klappe gehen. Nur leider wäre sein erster Weg wahrscheinlich der in den Knast. Und ob er da dann immer noch eine große Klappe hat?

“Friedensschlag – Das Jahr der Entscheidung” erzählt von einer Gruppe Jugendlicher, die gewalttätig waren und nun vor einer Herausforderung stehen: nämlich sich zu ändern. Sich so zum Guten zu verändern, dass ihnen der Knast erspart bleibt.
Hilfe bekommen sie von der Work and Box Company, Sozialarbeiter, die mit den Jugendlichen neue Wege einschlagen wollen.
Das klappt nicht immer. Der Weg ist extrem steinig. Und die Geduld der Sozialarbeiter anscheinend grenzenlos.
Eftal, Marco, Josef, Denis, und Juan geben sich als hoffnungslos, und genauso agieren und sprechen sie auch, blocken sie ab, schnauzen die Erwachsenen an.

Das stellt auch die Zuschauer dieser Doku durchaus vor eine Herausforderung. Denn die Jungs sind nicht wirklich Sympathieträger. Sie nerven, sie sind anstrengend, sie erzeugen Wut im Bauch. Und Bewunderung gegenüber den Sozialarbeitern, die sich einiges anhören müssen. Und sie erzeugen Stillstand, im Leben und im Film. Es scheint, als komme die Handlung nicht voran, die Jungs blockieren alles.

Die Doku von Gerardo Milsztein, der die Gruppe fast ein Jahr lang begleitete, lief auch recht erfolgreich im Panorama der Berlinale 2010. Den Soundtrack liefert die Band P:lot bei. Nun kommt der Film ins Kino und könnte es schwer haben: Geld zahlen für solche Rüpel?

5/10

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