Tagesarchiv für 7. April 2010

RTZapper

Barfuß

Mittwoch, den 7. April 2010
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DI 06.04.2010 | 20.15 Uhr | Sat.1

Barfuss? Zunächst möchte ich höflichst darauf hinweisen, dass “Barfuß” immer noch und auch in Zukunft mit einem “ß” geschrieben wird. Daran können weder der Buena-Vista-Filmverleih noch Sat.1 etwas ändern. Wäre doch schön, wenn auch die Filmemacher zur richtigen Anwendung der deutschen Rechtschreibung beitragen würden.

Dieser 2005 mit großen Trara angekündigte und überschwänglich mit “Knockin On Heavens Door” verglichene Film kann leider nicht das halten, was er zu versprechen scheint.
Die Geschichte ist eigentlich ganz herzig: Nick (Til Schweiger) verhindert in einer Nervenheilanstalt den Selbstmord von Leila (Johanna Wokalek). Fortan wird er sich nicht mehr los.

“Barfuß” setzt auf die inzwischen bekannte Schweiger-Mischung. Spannung, Witz, tolle Optik, mitreißender Soundtrack. Ob “Barfuß” besonders lustig sein will, bleibt unklar. Viel mehr aber setzt er auf den einen oder anderen rührenden Augenblick. Doch leider ist das eben in diesem Fall nichts Halbes und nichts Ganzes.
Das fast durchweg gute Schauspielerensemble (selbst Schweiger spielt annehmbar) kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film keine größeren Emotionen auslöst. Der Humor wirkt hier und da ein wenig plump. Die Musikauswahl wirkt manchmal ein wenig deplatziert und uninsperiert. Den Song “Hallelujah” haben Filmfans schon zu oft in Filmen und Serien gehört. Und das auch auch, als “Barfuß” 2005 im Kino lief.

Hits: 78

RT im Kino

Remember Me

Mittwoch, den 7. April 2010

Ein etwas untypisches Kinopublikum für ein Drama. Diverse Gruppen junger Mädchen strömen ins Kino. Vielleicht nicht unbedingt, weil sie sich für die Geschichte von “Remember Me” interessieren, sondern weil sie ihren “Twilight”-Star Robert Pattinson sehen wollen.
Ob ihnen diese mitunter schwere Kost gefällt, ist nicht immer sicher. Dabei ist “Remember Me” eine sehr sehenswerte, schwere Kost.

Allie (Emilie de Ravin) erlebt das Trauma: Ihre Mutter wird erschossen. Und die 11-Jährige ist hautnah dabei, muss mit ansehen, wie sie stirbt.
Tyler (Robert Pattinson) ergeht es ähnlich: Sein Bruder begeht Selbstmord, erhängt sich, und Tylor war derjenige, der ihn gefunden hat. Seitdem ist das Verhältnis zu seinem Vater (Pierce Brosnan) extrem spannungsgeladen. Tyler wirft ihm vor, sich nicht um ihn und seine Schwester zu kümmern.
Allie und Tyler lernen sich kennen – und lieben. Doch ihre Beziehung steht auf wackligen Beinen. Ihr Glück droht immer wieder, zerstört zu werden.

Erstaunlich kitschfrei erzählt Regisseur Allen Coulter die Geschichte einer Familie, die völlig zerrissen scheint. Von den Bemühungen, sie zu kitten. Davon, wie die Liebe scheinbar am anderen abprallt. Wie sie droht, sich zurückziehen. Wie ein Kind daran verzweifelt, vom Vater nicht beachtet zu werden.
Robert Pattinson als der 21-Jährige Sohn, der wütend auf seinen Vater ist, gleichzeitig voller Liebe für seine kleine Schwester und seine neue Freundin. Abseits des Mainstreams zeigt der Schauspieler, was er drauf hat. Pierce Brosnan als erfolgreicher Manager, dem der Job wichtiger zu sein scheint, als die Familie. Durchaus nuancenreich dargestellt.
Eine plötzliche Wendung gegen Ende gibt dem Film schließlich noch eine ganz besondere Note.
“Remember Me” ist eine echte Filmperle – viel mehr als der Versuch, vom “Twilight”-Boom zu profitieren.

8/10

Hits: 89

RTelenovela

Das Ende einer Generation

Mittwoch, den 7. April 2010
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93 Jahre sind ein stolzes Alter. Eine sehr lange Zeit mit viel Liebe, Freude, Glück, mit Trauer, Verlust, Angst und schrecklichen Erinnerungen. Mit guten Erinnerungen, Momenten des Lachens, des Weinens, der Erfüllung.
Am Ostermontag endete das 93-jährige Leben meiner Großtante.
Mit ihr starb die letzte Vertreterin ihrer Generation in unserem unmittelbaren Familienumkreis. Ein Urgestein ist von uns gegangen.

Bis zum vergangenen Sommer lebte sie im Nachbarhaus meiner Eltern, mit 92 dann zog sie in eine altersgerechte Wohngemeinschaft. Ihr Erinnerungsvermögen ließ mehr und mehr nach. Ob sie in ihrer letzten Heimstätte richtig glücklich war – ich weiß es nicht.

Sie hat viel erlebt. Kindheit in Schlesien, zum Ende des Zweiten Weltkrieges die Flucht hunderte Kilometer weit, unter widrigsten Umständen. Heute unvorstellbar.

Immer war sie die Tante von nebenan. Ich kannte es nie anders. Oft war ich als Kind drüben. Spieleabende mit ihr, meiner Oma und anderen älteren Damen. Domino war Ende der 80er sehr angesagt. Manchmal auch “Mensch, ärgere dich nicht”. Aber Domino war der Hit. Immer Ende November ging es los, den ganzen Winter durch. Davor war dafür keine Zeit. Sie und meine Oma mussten sich um diverse Gräber auf dem Friedhof kümmern. Im Oktober mussten die Grababdeckungen (Kissen) für die Gräberweihe und den Totensonntag fertig werden. Dazu mussten Kätzchen von Baumzweigen gepflückt werden. Ab und zu half ich dabei.
Auch holte ich oft die Zeitung und die Post aus dem Briefkasten, der damals noch am Anfang unserer Straße stand – und nicht, wie jetzt, direkt am Grundstück. Gern las ich dann auch aus der “Märkischen Volkstimme” vor. Immer muss ich dran denken, seit ich für die MAZ die Ausgaben von 1989 und 1990 für die Rückblickreihe durchblättere. Vieles von dem, was da so steht, habe ich einst vorgelesen.

Später wurde der Kontakt seltener. Zu Feiertagen und zu ihren Geburtstagen traf sich die Familie in ihrem Garten. Manchmal besuchte sie uns im Sommer auch auf der Terrasse.

Das ist nun vorbei. Sie wird ihre letzte Ruhe finden. Und die Familie wird sie auf diesen letzten Weg begleiten.
Mach’s gut! Und grüß schön!

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RTZapper

Gregorian: “Welthits”

Mittwoch, den 7. April 2010
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MO 05.04.2010 | 3.35 Uhr (Di.) | MDR-Fernsehen

Wenn fünf Männer in orangen Mäntel im Kreis umher laufen und singen, dann kann es nur die Gruppe Gregorian sein.
Choräle sind modern. Die Zisterziensermönche hatten damit einen Charterfolg. Wobei es sich dort allerdings um echte Chorgesänge handelt. Bei Gregorian haben wir es hingegen mit verpopten Chorälen zu tun. Und das ist ganz schön gruselig.

Da stehen also die Herren im Klostergarten, in dem natürlich kitschig schönes Wetter ist, und singen einen bekannten Popsong nach. Würden sie nur singen, wäre das vielleicht sogar schön, wenn nur der Synthesizermüll darunter nicht wäre, die die Musik einfach nur billig und belanglos klingen lässt.

Okay, der MDR füllt damit nur seine Lücke im tiefsten Nachtprogramm, aber Gregorian haben bereits zig CDs rausgebracht und sind damit sehr erfolgreich.
Keine Ahnung, warum.

Hits: 84