Tagesarchiv für 3. April 2010

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Der einsame Held

Samstag, den 3. April 2010
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Am kommenden Freitag jährt sich zum 65. Mal der Todestag des Hitler-Attentäters Georg Elser. Lange war er unbekannt.

MAZ – Die Märkische, 3.4.2010

Ein Einzelner gegen einen ganzen Staat. Die Tat war lange geplant. Schon ein Jahr vor dem Anschlag auf Adolf Hitler besuchte der Schreiner Johann Georg Elser am 8. November 1938 eine Veranstaltung im Münchener Bürgerbräukeller. Dort sprach Hitler zum Jahrestag des Putschversuches gegen ihn im Jahre 1923. Elser beobachtete ganz genau, was wann wie und wo passierte. Normalerweise verlief das Prozedere von Jahr zu Jahr gleich. Zum 8. November 1939 präparierte Elser eine tragende Säule des Saales mit einem Sprengkörper. Doch das Attentat scheiterte: Hitler verließ den Saal früher als sonst. Er musste einen bestimmten Zug erreichen und entkam so der Explosion.

Von 42 Attentaten auf Adolf Hitler haben ihn nur zwei ernsthaft gefährdet. Das von Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 und das von Georg Elser fünf Jahre zuvor. Doch insbesondere in der DDR war Elser nahezu unbekannt.
Georg Elser kam aus einfachen Verhältnissen. Geboren 1903 in Hermaringen (Baden-Württemberg) hatte er fünf Geschwister. Elsers Vater war Holzhändler. Nach der Lehre arbeitete er in verschiedenen Schreinereien. Schon früh kämpfte er gegen den Nationalsozialismus. In den Jahren 1928/29 war er Mitglied in einer KPD-Kampforganisation. Wenn Adolf Hitler im Radio gesprochen hat, verließ Elser den Raum, den Hitlergruß verweigerte er konsequent.

Einer, der Georg Elser bekannter machen möchte, ist Burkhard Gräf aus Hohenbruch (Oberhavel). Er ist Sprecher der Courage-Elser-Initiative Oranienburg. „Elser hat Zivilcourage bewiesen“, so Gräf. „Er war ein Held, der er selber gar nicht sein wollte, aber gleichzeitig das, was uns heute in der Gesellschaft fehlt.“ Gemeint ist die Mitverantwortung anderen Menschen gegenüber. „Schon die Weimarer Republik ist nicht wegen der Gesetze kaputtgegangen, sondern daran, weil es zu wenige Demokraten gab“, sagt Burkhard Gräf.
Dennoch taucht immer wieder die Frage auf, ob Elser tatsächlich zum Helden taugt. Insbesondere rechtsgerichtete Kreise werfen ihm vor, dass unschuldige Menschen bei dem Sprengstoffanschlag ums Leben gekommen seien. Die Nationalsozialisten sahen in Elser gar ein Werkzeug des britischen Geheimdienstes. „Es ist tatsächlich so, dass Elser ein Vorbild ist, seine damalige Methode jedoch nicht“, sagt Burkhard Gräf. „Elser hat in einer ganz anderen Zeit gelebt. Er wählte seine Mittel nicht freiwillig“, so der 58-jährige Hohenbrucher weiter. Die Möglichkeit, sich polizeiliche Hilfe zu holen, hatte Elser nicht. „1939 war der Staat selbst der Verbrecher“, so Gräf. Er verweist auf das Widerstandsrecht, das seit 1968 auch in der deutschen Verfassung stehe: Wenn der Staat sich über das Gesetz erhebe, dann habe das Volk das Recht, einzuschreiten. Auch in der Unabhängigkeitserklärung der USA gäbe es diesen Passus.
Jutta Limbach, die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes, bestätigt dies in ihrem 2006 veröffentlichten Buch über Elser: Er habe dem Recht zum Durchbruch verhelfen wollen, so schreibt sie. Und sie stellt klar, dass die Situation nicht mit den heutigen Begebenheiten vergleichbar seien.
Wäre der Anschlag auf Hitler 1939 geglückt, wäre es vielleicht nicht zu einer Ausweitung des gerade begonnenen Krieges und zum Massenmord in den Konzentrationslagern gekommen. Stattdessen wurde Elser festgenommen und in Berlin verhört. Ab 1940 saß er mehrere Jahre lang als „Sonderhäftling“ im KZ Sachsenhausen. Am 9. April 1945 wurde er im Konzentrationslager in Dachau erschossen.

Inzwischen gilt der 9. April als Gedenktag für Georg Elser – der Tag für Zivilcourage. „Davon gibt es heute viel zu wenig“, sagt Burkhard Gräf von der Oranienburger Initiative. Er kann das aber auch nachvollziehen: „Der Druck ist höher, die Menschen haben oft Angst um ihre Arbeit, wenn sie ihre eigene Meinung ausdrücken.“
Die Gruppe um Burkhard Gräf besteht aus einem festen Kern aus sieben Leuten und vielen weiteren Freunden. „Wir möchten informieren und aufklären“, sagt der Sprecher der Initiative, ein gelernter Betriebswirt. Zum 65. Todestag am kommenden Freitag veranstalten er und seine Mitstreiter in Oranienburg eine Gedenkveranstaltung. Zusätzlich wird am 17. April in der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg eine biografische Ausstellung über Georg Elser eröffnet. Im ehemaligen Zellenbau wird Elser als Mensch und im Widerstand gezeigt. Schautafeln und Dokumente erinnern an den „Sonderhäftling im KZ“.

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RT im Kino

Der Kautions-Cop

Samstag, den 3. April 2010

Milo Boyd (Gerard Butler) ist chronisch pleite – aber er hat einen neuen Job. Er ist Kopfgeldjäger. Sein aktueller Auftrag: Er muss seine Ex-Frau Nicole (Jennifer Aniston) zur Polizei bringen. Sie hat eine Vorladung vor Gericht missachtet, nun liegt gegen sie ein Haftbefehl vor.
Milo freut sich, doch sein Job ist nicht so einfach, wie er sich das vorher dachte. Nicole fahndet gerade in einem Mordfall, und das passt einigen Leuten gar nicht. Milo hat nun also mit seiner Ex zu kämpfen – und mit deren Verfolgern. Es beginnt, eine wilde Verfolgungsjagd.

Nur leider keine spannende. Das Urteil für den “Kautions-Cop” ist kurz und schmerzvoll: Der Film ist langweilig. Regisseur Andy Tennant ist es nicht gelungen, aus dem Stoff eine witzige Komödie zu machen. Die Gags sind fad, manchmal ganz schön dämlich, oft sehr flach und holzhammermäßig.
Die Hauptdarsteller Aniston und Butler spielen schnörkellos, man kann nicht mal sagen, dass sie das Beste draus machen. Sie spielen ihren Kram einfach runter. Insbesondere Milo ist ein extrem flacher Charakter, blöd machohaft und unsympathisch – und irgendwie hat man bei Butler immer das Gefühl, er spielt die gleichen Rollen. Bei Jennifer Aniston ist das leider nicht sehr viel anders.
Die Geschichte selbst könnte ebenfalls spannender sein, verliert sich jedoch immer wieder an Nebenkriegsschauplätzen.
“Der Kautions-Cop” lohnt sich nicht für einen Kinobesuch.

3/10

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