Tagesarchiv für 13. Februar 2010

RTZapper

Olympia live: Eröffnungsfeier

Samstag, den 13. Februar 2010
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FR 12.02.2010 | 3.00 Uhr (Sa.) | Das Erste

Was für ein Sound! Was für ein Schall! Was für eine Katastrophe! Warum klangen einige der Musikacts bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Vancouver so, als habe jemand vergessen, vorne auf der Bühne ein Mikrofon hinzustellen?
Oder lag es vielleicht an den ARD-Reportern, die vergessen haben, ihre Mikros abzustellen? Dann war es natürlich kein Wunder, dass der Ton klang wie in einer Mülltonne aufgenommen. Als ob die ARD für den Ton keine Übertragungsrechte hatte. In Zeiten von HD und Dolby Souround jedenfalls nicht gerade ein Genuss. Andererseits hat das ja bei derartigen Verantstaltungen noch nie so richtig funktioniert.

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RTelenovela

Rügen 2010 (3): Italienisches vom Balkan

Samstag, den 13. Februar 2010
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(2) -> 13.2.2010

Schnee. So viel Schnee. Binz versinkt im Schnee. Aber die Binzer geben nicht auf. Akribisch schaufeln sie die weißen Berge von A nach B. Schon am Vormittag waren die meisten Straßen frei, auch die Nebenstraßen. Die Leute schlagen die Wege frei, entfernen das Eis. Aber viel Platz ist nicht mehr. Die Hauptstraße ist inzwischen ein schmales Gässchen, die Berge dazwischen mitunter so hoch, dass das Geschäft dahinter gar nicht mehr zu sehen ist. Entlang der Bahnhofstraße gibt es Grundstücke, auf denen der Schnee so hoch liegt, dass er eine Ebene mit dem Zaun bildet.
Der Rasende Roland fährt nicht, seine Gleise sind tief unterm Schnee vergraben.
Die Strandpromade bietet nicht mehr als schmale Pfade, die über die Schneeverwehungen führen. Von dem Platz an der Seebrücke aus zur Promenade Richtung Kurplatz muss man über hohe Schneeberge klettern.
Der Strand ist eine Schnee- und Eiswüste. Die Ostsee ist ein Osteis, die Schollen türmen sich.
Gestreut ist hier kein Weg, allerdings sind die Leute schon froh, dass sie überhaupt irgendwo hinkommen. Alle gehen langsamer als sonst, trotz allem sind die Leute hier recht gelassen. Auch Schendelmen-Boxer Henry Maske, der mir mit seiner Frau in der Schillerstraße entgegen gelaufen kam.

Am Abend dann besuchten wir ein kroatisches Restaurant mit dem Namen “Balkan”. Aber irgendwas muss in dem Laden schieflaufen. Aus den Lautsprechern erklang Eros Ramazotti. Der ist Italiener und nicht vom Balkan. Danach folgte ein weiterer italienischer Song, und schließlich stellte sich raus, dass es sich um einen italienischen Radiosender handelte. Was ist da los? Zwingt die Mafia den Laden, italienische Musik zu spielen? Oder ist das ein versteckter Hilferuf der Restaurantleitung, und die Mafia stand gerade in die Küche? Oder wissen die Angestellten gar nicht, wo der Balkan liegt? Halten sie ihren Laden für einen Italiener? Und genau das ist des Rätsels Lösung: Sie steht auf den Servietten. Unter dem “Balkan”-Schriftzug steht “Italienische Spezialitäten und Steak House”.
Nun ja, muss man wohl nicht verstehen…

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aRTikel

Radikal enteignet

Samstag, den 13. Februar 2010
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Geschichte: Im Jahre 1972 rollte über die DDR eine Verstaatlichungswelle / Zwei Handwerker erzählen

MAZ, 13.2.2010

Die Stasi-Enthüllungen im Potsdamer Landtag machen Artur Weiß wütend. Die Staatssicherheit machte ihn einst zum Staatsfeind.

BELZIG
Private Unternehmen im Sozialismus. Das passte in der DDR nicht zusammen. Schmiedemeister Artur Weiß aus Belzig brachte dieser Gegenpol mehr als zwei Jahre ins Gefängnis. Ein weiterer Privatunternehmer, der Neuruppiner Tischler Erhard Becker, konnte nach einer Krankheit seine Firma nur durch einen Trick weiterführen.

Insbesondere 1972 wehte für Privatunternehmer in der DDR wieder ein scharfer Wind. Über klein- und mittelständische Betriebe rollte eine Zwangsverstaatlichungswelle. Größere Betriebe waren schon längst volkseigen. „Angeblich kam die entsprechende Forderung von der Moskauer Regierung“, sagt André Steiner, Professor am Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam. „Aber meine Belege bestätigen das nicht.“ Der Enteignungsprozess war der Versuch, Geld für den Staat zu mobilisieren. Und das offenbar mit allen Mitteln.

Bei Artur Weiß in Belzig (Potsdam-Mittelmark) standen eines Tages drei Herren vor der Tür. „Einer war von der SED-Kreisleitung, einer von der öffentlichen Versorgungswirtschaft und einer höchstwahrscheinlich von der Stasi“, erinnert sich der heute 78-Jährige. „Meine Firma sollte in einer Produktionsgenossenschaft aufgehen.“ Weiß hatte eine gut laufende Schmiede in Belzig, er beschäftigte zwei Gesellen und zwei Lehrlinge. Sein Umsatz betrug etwa 30000 DDR-Mark pro Monat. „Ich habe viel investiert“, so Weiß. „Arbeit und Mühe.“ Er weigerte sich, seine Firma abzugeben, um nur noch Arbeiter im eigenen Betrieb zu sein. „Ich wollte nicht als Knecht für den SED-Staat arbeiten“, sagt er.
Die Herren kamen noch mehrmals, und ihre Methoden wurden rigoroser. Sie denunzierten Weiß bei Geschäftspartnern, die bald absprangen. Sie durchwühlten seine Betriebsbücher. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung. Weiß bekam einen Nachzahlungsbescheid in Höhe von 75000 Mark. Er zahlte und ging dafür an seine finanzielle Substanz. Dabei habe ihm das Belziger Finanzamt immer versichert, alles richtig gemacht zu haben, sagt der Handwerksmeister. Das war aber nicht das Ende der Schikanen. Artur Weiß bekam noch einmal Post: Die Potsdamer Polizei schickte ihm eine Vorladung. „Ich dachte, ich bin in drei Stunden zurück“, erinnert er sich. Daraus wurden zweieinhalb Jahre. Tagelang erfuhr seine Frau nicht, wo ihr Mann abgeblieben war. Weiß kämpft mit den Tränen, wenn er sich daran erinnert.
„Die Schuld zu begleichen ist eine Sache, aber die Sühne ist noch offen.“ Das waren die Worte, die er während des Verhöres gesagt bekommen hatte. „In mir war nur noch bodenloser Hass“, sagt Artur Weiß. Von ihrem Vorwurf rückten sie aber nicht ab: Widerstand gegen die Staatsgewalt, Verbrechen am Volkseigentum, Volkshetze. Artur Weiß vermutet, dass ihm das einige recht laute Äußerungen in einer Kneipe eingebrockt haben.
Der Handwerksmeister landete in Untersuchungshaft. „Wie ein Stück Vieh wurde ich dort behandelt.“ Das Potsdamer Bezirksgericht verurteilte ihn, auch seinen Meistertitel war er los. Und nicht nur das: „An der Nachricht, dass ich verhaftet und vor Gericht gestellt werden soll, zerbrach fast meine Familie“, erzählt Weiß. Seine damals 20-jährige Tochter wandte sich schriftlich an den Staatsanwalt, griff ihn scharf an. Daraufhin wurde sie dorthin zitiert. „Dort wurde sie gefragt, ob sie auch dahin will, wo ihr Vater schon ist.“ Der 16-jährige Sohn drehte durch und versuchte mit einem Freund einen Grenzdurchbruch. Beide wurden gestellt und zu je einem Jahr Jugendhaft verurteilt.
Erst 1975 kam Artur Weiß frei. Doch seine eigene Firma war Geschichte. Und seine Familie nervlich völlig am Boden.

Der Staat ging bei den Enteignungen radikal vor, sagt der Potsdamer Geschichtsforscher André Steiner. Viel radikaler, als es anfangs vorgesehen war. Ausgenommen von den Aktionen waren nur Bäckereien, Fleischereien und sehr kleine Betriebe von Handwerksmeistern.

Einer von ihnen war Erhard Becker aus Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). „Anfang der 70er hat kaum noch jemand ein Gewerbe bekommen“, sagt der 78-Jährige. Auch er sollte an einer Produktionsgenossenschaft beteiligt werden. Dass er das ablehnte, hatte für ihn und seinen kleinen Betrieb jedoch keine Folgen. Dennoch verlor auch er zu dieser Zeit fast seine Tischlerei.
„Ich lag in dem Jahr mehrere Monate im Krankenhaus“, erzählt Becker. „Meine Frau meldete die Firma ab.“ Als er im Januar 1973 weiterarbeiten wollte, durfte er zunächst nicht. „Es hieß: Eine Wiederanmeldung ist nicht möglich“, erinnert sich der Rentner. Er ließ Beziehungen spielen. „Wir mussten tricksen“, sagt Becker und lächelt. Erst nachdem die Akte mit der Abmeldung über Umwege vernichtet worden war, konnte Becker seine Arbeit fortsetzen. Als Einmannbetrieb hatte er dann kaum noch Probleme.

Bis Artur Weiß in Belzig wieder selbst eine Firma gründete, vergingen nach der Zeit im Gefängnis mehr als 15 Jahre. Bis dahin arbeitete er als Schlosser in einem volkseigenen Betrieb (VEB). Erst nach der Wende machte er sich wieder selbstständig. „Ich konnte wieder frei atmen“, sagt er. Er wurde voll rehabilitiert. Weiß erfuhr, dass er sogar nach DDR-Recht nicht hätte verurteilt – und schon gar nicht so behandelt werden dürfen. „Das war eine echte Genugtuung für mich“, sagt er. Inzwischen kennt er auch seine Stasi-Akte.
Die Geschichte wühlt ihn immer noch auf, und die jüngsten Stasi-Enthüllungen im Potsdamer Landtag machen es nicht besser. „Ministerpräsident Platzeck hat die Staatssicherheit salonfähig gemacht“, so Weiß. Er betitelt sie heute noch als seine Peiniger und bezeichnet sich als Stasi-Opfer. Artur Weiß ist wütend über das rot-rote Bündnis, auch fast 40 Jahre nach seiner Zeit im Knast.

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RTelenovela

Rügen 2010 (2): Verweht

Samstag, den 13. Februar 2010
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(1) -> 3.1.2010

Ich gebe es zu: Ich war mir nicht sicher, ob das eine gute Idee war: eine Fahrt auf die Insel Rügen, an einem Tag, der wettertechnisch kritisch war.
Schon in Oranienburg musste ich mein Auto erst wieder vom zentimeterdicken Schnee befreien. Es hatte den ganzen Tag vor sich hingeflockt.

Abfahrt gegen 16.15 Uhr. Die Straßen in Oberhavel waren einigermaßen frei, die A11 ebenfalls. Wir redeten uns ein, dass es ja ganz gut läuft.
Bei Pfingstberg allerdings begann die Odyssee. Ein Auto war in die Leitplanke gedonnert, ein Lieferwagen lag abseits der Straße. Glatteis. Dennoch wurden wir überholt. Beim Bremsen allerdings kam auch dieses Auto ins Schlingern.
Mit 35 bis 50 km/h tuckerten wir nun die Autobahn enlang – bis zum Kreuz Uckermark. Auf der A20 ging es dann schon schneller.
Der Verkehrsfunk war auch nicht gerade aussagekräftig: Schneeverwehungen auf der A20 zwischen Neubrandenburg und Stralsund. Straßensperrung auf der B96 zwischen Samtens und Bergen auf Rügen. Noch aber war die A20 gut befahrbar. Und wir fuhren in Kolonne. Es war beruhigend, dass noch jemand vor uns war.
Rund um Jarmen sahen wir dann, was es bedeutet, wenn Schneeverwehungen auftreten. An der Autobahn türmten sich die Schneeberge, mitunter bis zu drei Meter hoch. Von dort wehte der Schnee auf die Straße. Wir hatten nur noch eine Spur, und auch die war schon nicht mehr dolle. Es wurde kritisch. Ich war schon regelrecht verkrampft. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob wir Binz erreichen würden.
Freude bei Greifswald: Kurz vor uns muss der Schneepflug durchgefahren sein, die A20 war wieder frei. Ebenso die B96 ab dem Dreieck Stralsund, da fuhren wir in Kolonne hinter dem Pflug hinterher – in Stralsund verließ er uns jedoch.

Rügen. Alle haben uns davor gewarnt. Auf Rügen gilt eine Unwetterwarnung. Die Straßenlage ist kritisch. Und sie ist tatsächlich kritisch.
Auf freier Strecke war die B96 stellenweise ein Schneegewühl. Gut, dass wir aber immer jemanden vor uns hatten. In Gegenrichtung war die Straße kaum noch befahrbar. So zog sich das bis zum B-196-Abzweig nach Binz.
Ich hatte die Fahrt fast abgehakt, als plötzlich die Straße nur noch einspurig wurde, der linke Fahrstreifen existierte nicht mehr – zugeweht. Und unsere Fahrspur lag auch schon im Tiefschnee. Mit Schwung gings durch. Vielleicht waren wir die letzten, die durchkamen.

Binz. Ein Wintertraum. Unglaublich, wie viel Schnee hier liegt. Die Nebenstraßen sind oft unpassierbar. Bis zum Unterboden fräsen sich die Autos durch. Auf dem Hotelparkplatz fuhren wir uns schließlich doch noch fest – und unser Spaten kam doch noch zum Einsatz. Gut, dass wir ihn mithatten.

Ich habe so viel Schnee noch nie gesehen. Die Schneeberge türmen sich mehr als hüfthoch. Die Strandpromenade ist zugeweht. Die Straßen selbst zu Fuß nur mit Mühe passierbar. Wer meint, in Oranienburg sei es schon dramatisch, sollte sich Binz ansehen.
Die Binzer Bucht, die Ostsee, ist zugefroren. Das Meeresrauschen ist nicht da. den ganzen Tag hat es geschneit und geweht, erzählte uns ein Ehepaar, das mit uns auf der Seebrücke war.
Morgen werden wir uns diesen Wintertraum genauer ansehen. Ob wir Binz überhaupt verlassen, werden wir mal sehen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie der Räumdienst hier funktioniert. Und wo sie den unfassbar vielen Schnee hinschieben…
Heute Nacht werde ich mich auf jeden Fall zunächst mal von der Autofahrt meines Lebens erholen…

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