Tagesarchiv für 30. Dezember 2009

aRTikel

Mit viel Kitsch und Rückenwind

Mittwoch, den 30. Dezember 2009
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Rückblick: 53-mal „Willi“: Die MAZ-Jugendredaktion mit ihrer eigenen Jahresbilanz 2009

MAZ Oranienburg, 30.12.2009

Der Stellenwert des Internets steigt weiter. Für Politik interessieren sich immer weniger. Rückschau auf das Jahr.

Januar:
Besonders im Norden des Kreises Oberhavel haben die Jugendlichen das Gefühl, zu weit weg vom pulsierenden Leben zu sein. Immer mehr von ihnen zieht es nach Berlin. So auch Philipp Löchert aus Löwenberg. „In Berlin spielt sich das Leben ab“, sagt er.
Tausende Jugendliche deutschlandweit schwänzen jeden Tag die Schule. Ins Gespräch kommen Bußgelder und sogar Fußfesseln. Die Lösung könnten Laptops und iPods sein. Als Erfolgsprämie für regelmäßige Schulgänger. Doch in Oberhavel stößt das Konzept auf Skepsis.

Februar:
Mit Faul- oder Trägheit hat das nichts zu tun: die Krankheit vom ewigen Aufschieben. Hausaufgaben werden erst in letzter Minute erledigt oder Univorträge erarbeitet. Wer kennt das nicht? „Willi“ fragt bei einem Psychologen nach und erfährt: Schuld sind falsche Prioriäten und schlechte Organisation. Ach was.
„Willi“ testete einen Tag lang, wie es ist, in Oranienburg Rollstuhlfahrer zu sein. Einfachste Dinge werden zu einer Herausforderung. Einige Geschäfte in der Bernauer Straße sind unerreichbar, die Schlossbrücke ganz schön steil. Uff!

März:
Das Internet bestimmt mehr und mehr unsere Welt. Auch in Sachen flirten. Onlinedatingseiten oder das StudiVZ sind der neue Treffpunkt für einsame Singles. Allerdings: „Es wird auch viel gelogen im Netz“, so ein Oranienburger.
Die Schülerzeitungen in Oberhavel leiden unter Nachwuchsmangel. Der „Iwahn“ am Louise-Henriette-Gymnasium in Oranienburg ist schon sehr lange nicht mehr erschienen.
„Willi“ klärt über die Europäische Union auf. Nur wenige junge Leute aus Oberhavel wissen über die EU Bescheid. Für den Beitrag über „Erbsen zählende Gurkenvermesser“ bekommt die „Willi“-Redaktion einen Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung.

April:
Der Neustrelitzer Fleischermeister Hans-Christian Grubenheimer plant am Vehlefanzer Mühlensee eine Technoparty. Genau zu dem Zeitpunkt, als auch Bäckermeister Klarl-Dietmar Plentz sein Sommercamp dort verantaltet. War aber nur ein Aprilscherz, und Plentz ist nur kurz drauf reingefallen: Grubenheimer hat er trotzdem vorsichtshalber mal gegoogelt, erzählt er später.
Das Pro-Christ-Festival, das auch in Oranienburg stattfindet, entpuppt sich einmal mehr als eine große mediale PR-Show für Gott.
Die Granseer Strittmatter-Gymnasiasten sorgen sich um ihren Politikunterricht. In der Sekundarstufe II soll er kaum noch stattfinden.

Mai:
Nach dem Amoklauf von Winnenden gerät auch wieder das „Counter Strike“- Computerspiel in die Schlagzeilen. „Willi“ probierte es aus. Alles abknallen – darum geht es in dem Strategiespiel. Aber so lange es nur ein Spiel bleibt…

Juni:
Davina Skwierawski und Ole Stelzer von der Musikschule Hennigsdorf treten mit ihren Krobotrostrommeln beim Bundesfinale „Jugend musiziert“ auf. Sie erringen das Prädikat „Mit sehr gutem Erfolg teilgenommen“.
Vor den Europawahlen sind die Jugendlichen in Oberhavel politikmüde. Experten warnen davor, schon 16-Jährige wählen zu lassen. „Erstaunlich viele Jugendliche haben zwar Vorurteile gegenüber Politikern, kennen sich aber gar nicht aus“, sagt Patrick Weißler von den Oberhavel-Jusos.
Im Kino startet der Film „Rückenwind“ mit dem Oranienburger Eric Golub.

Juli:
Sommerzeit – Festivalzeit. Joana aus Liebenwalde beispielsweise reist zum „Hurricane“ nach Scheeßel (Niedersachsen). Mehrere Tage lang dauert das Spektakel. Und in der Nacht im Zelt geht nichts ohne Ohrstecker.

August:
Das Jazzkomplott feiert seinen zehnten Geburtstag. Das dritte Album erscheint und trägt den Titel „Kantich schon“. Hannes Rössler verkündet, im Herbst die Band zu verlassen. Er geht nach Frankreich und wird vorerst nur sporadisch beim Komplott dabei sein.
Der Seelenstrip im Internet geht weiter. StudiVZ führt den Buschfunk ein. Das funktioniert so ähnlich wie Twitter: In kurzen Nachrichten können die Nutzer mitteilen, was sie machen oder wie es ihnen geht. Schatzi wird gegrüßt und der letzte Sex als geil bezeichnet. Darauf hat die Welt gewartet.

September:
Die Musikschule Hennigsdorf verliert Maxi Ulrich und Martin Girard. Beide spielten unter anderem im Afrika-Musical „Yomo“ mit. Nun ziehen sie weg und geben im Stadtklubhaus ihr Abschiedskonzert. Sie setzen noch mal Maßstäbe.
Die Stars werden immer blöder: Ein Radiosender kündigt einen Auftritt der Backstreet Boys am Berliner „Alexa“ an. Sie kommen auch, geben aber nur Autogramme. Für einen Song hat es nicht gereicht.
U-18-Wahl in Oberhavel: Die SPD gewinnt mit 20,4 Prozent knapp vor der CDU mit 19,3 Prozent. Doch bei der Bundestagswahl kam bekanntlich alles ganz anders.

Oktober:
In Oranienburg endet die Landesgartenschau. Die Jugendlichen sind zwar dafür, das Laga-Gelände umzäunt zu lassen. Einen hohen Eintritt wollen sie jedoch nicht zahlen.
In den Kinos startet „Gangs“. In einer Nebenrolle: Christian Blümel aus Zernikow.
Die Atzen kommen nach Marwitz. In der Beat-Fabrik präsentieren Manny Marc und Frauenarzt ihren Sommerhit. „Hey, das geht ab, wir feiern die ganze Nacht!“
Die CD ist so gut wie out. Auch in Oberhavel ziehen sich Jugendliche die Musik lieber auf den MP3-Player.
Oranienburg, Hohen Neuendorf und Hennigsdorf sind im Rennen um einen Auftritt von Emilia Torrini. Der ist von einem Radiosender gesponsert. Doch der „Jungle Drum“ kommt am Ende nicht nach Oberhavel.

November:
Das StudiVZ wird zum HackerVZ. Ein 20-Jähriger klaut persönliche Daten von der Seite und wird erwischt. In der Untersuchungshaft erhängt er sich. „Meine Daten sind seit dem Vorfall eingeschränkt“, sagt danach eine Oranienburgerin.
Die Strittmatter-Gymnasiastinnen in Gransee sammeln Geld für die Abikasse. Mit dem Fotografen Uwe Halling erstellen sie einen Adventskalender für die Granseer MAZ-Ausgabe. Bis Heiligabend immer eine bildliche Dosis Kitsch.

Dezember:
„Willi“ feiert 20 Jahre World Wide Web. Heute wird gechattet und gegoogelt – vor 20 Jahren noch undenkbar.

Hits: 1402

RTelenovela

Schweiz, ich komme!

Mittwoch, den 30. Dezember 2009
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Am zweiten Weihnachtsfeiertag zeigte das ZDF am Nachmittag einen Reisenfilm. Dort fuhr Horst Lichter mit dem Bernina-Express.
Die Strecke, die der Zug fährt, gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Es geht über die schweizer Alpen in eine Höhe bis zu 2253 Metern. Schneebedeckte Pisten, Berge, Brücken, Kurven, Tunnel. Los geht es in Chur.

Und ich werde mit diesem Zug fahren. Ende Februar 2010 geht es los. Und nachdem ich den Film gesehen habe, bin ich überzeugt: Es wird der reine Wahnsinn. Ich werde ein dicksten Winter erleben und die sicherlich schönste Zugfahrt meines Lebens. Für mich, den Eisenbahnfan, ein Traum.

Start unserer Reise wird in Chur in Graubünden sein – 5000 Jahre Siedlungsgeschichte. Unsere Fahrt auf der Albulastrecke beginnt ab Thusis und führt nach St. Möritz. dann noch ein Besuch des pittoresken Poschavio mit stattlichen Patrizierhäusern, weiter mit Bus und Bahn nach Savognin zum längsten überdachten Zauberteppich der Schweiz.

Das wird ein Spaß. In nicht mal mehr zwei Monaten geht es los.

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RTZapper

Werbung: Always

Mittwoch, den 30. Dezember 2009
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DI 29.12.2009 | 0.32 Uhr (Mi.) | ProSieben

Sehr schön: Während sich die Frauen ihre Binde anlegen, können sie exclusiv einen neuen Song von Sarah Connor trällern.
Das ist doch mal eine perfekte Paarung: Sarah Connor und die Firma Always. Auf den Binden-Packungen steht ein Code. Wer den hat, kann sich kostenlos auf der Always-Interseite den aktuellen Song “Standing On Top Of The World” runterladen. Ein Werbespot bei ProSieben pries diese wunderbare Verbindung am späten Dienstagabend an.

So ein Image wünscht sich doch jeder Popstar: Mit Binden, Tampons und Blut in Verbindung gebracht zu werden. Aber Sarah Connor bringt ihre Lieder vielleicht auf andere Weise nicht mehr unters Volk. Blöde Sache, das. Wer keine Binden braucht, wird also von Frau Connor in Zukunft nicht mehr belästigt. Schön wär’s jedenfalls.

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RT im Kino

Soul Kitchen

Mittwoch, den 30. Dezember 2009
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Die Gäste der Hamburger Kneipe namens “Soul Kitchen” sind entsetzt: Ihre Leibgerichte mit den fettigen Soßen sind von der Speisekarte verschwunden. Entrüstet verlassen sie den Laden.
Das ist nicht mal die einzige Sorge von Zinos (Adam Bousdoukos). Er braucht Geld, sein Lokal wirft zu wenig davon ab. Und seine Freundin hat sich nach China abgesetzt. Und genau dort wäre er jetzt auch gern.
Nachdem er sein Restaurant dann doch recht erfolgreich zum Szenelokal umgewandelt hat, übergibt er das Geschäft an seinen Bruder Illias (Moritz Bleibtreu). Doch der hat das alles irgendwie nicht im Griff.

Fatih Akin hat sich dem Soul verschrieben. Und der Komödie. Und seiner Heimatstadt Hamburg. “Soul Kitchen” ist eine einzige Liebeserklärung. Das fängt schon beim Hauptdarsteller an, der tatsächlich eine eigene Taverne betreibt.
Zinos muss sich um sein Lokal kümmern, um seine Gesundheit, um seine Liebe. Das macht Spaß, anzusehen. Zurücklehnen, zusehen, mitgrooven. Das ist die Devise von Akins Film. Dass gegen Ende einige der Begebenheiten allzusehr konstruiert wirken, sei ihm dann auch verziehen.
Und mit letzten Grüßen: Monica Bleibtreu in einer kurzen, aber prägnanten Rolle.

8/10

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RTelenovela

Selbstmorde

Mittwoch, den 30. Dezember 2009
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Zwei Meldungen an diesem Dienstag waren es, die mich beschäftigt haben. Und beide haben – direkt oder indirekt – mit Selbstmord zu tun.

In Treskow hat sich Dietmar Lenz am Montag erhängt. Lenz war viele Jahre Chef der Stadtwerke in Neuruppin. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Selbstmord aus.
Warum er das getan hat, weiß momentan noch niemand, allerdings hat er einen Abschiedsbrief hinterlassen. Lenz war 13 Jahre lang Stadtwerke-Chef, wurde dann wegen Untreue-Vorwürfen entlassen. Mehr als 100 Straftaten legte ihm die Neuruppiner Staatsanwaltschaft zur Last. Im Frühjahr 2009 legte er ein Geständnis ab, Lenz bekam zwei Jahre auf Bewährung. Doch in diversen anderen Fällen hätte ihm wohl noch einiges bevor gestanden.
Und auch in dem halben Jahr, in dem ich in Neuruppin gearbeitet habe, war Lenz immer wieder im Gespräch. Umso mehr hat mich die Meldung dann doch getroffen.

Einen Selbstmord scheint auch die Berliner S-Bahn zu begehen. Die Sache mit der Wartung der Waggons dauert wohl noch geringfügig länger. Die Rückkehr zum Normalfahrplan kommt 2010. Irgendwann in 2010, wohlgemerkt. Kann also auch im Dezember sein. Aber keine Sorge, die Bahn will Einzelheiten dazu schon Ende Januar mitteilen. Da sind sie ja wirklich ganz fix. Und einen richtigen Normalverkehr bei der S-Bahn wird es erst in – bitte festhalten – drei bis vier Jahren geben.
Eine der Begründungen: Wegen der häufigeren Wartungen reicht der Bestand nicht mehr. Dabei hat die Bahn bisher zu selten seine Waggons warten lassen. So kann ein Unternehmen auch kaputt gespart werden. Wenn die Sache den Bach runtergeht, haben wir es jedenfalls auch hier mit einem handfesten Selbstmord zu tun.

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