Tagesarchiv für 12. Dezember 2009

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Wendejahr 1989: Für mehr Demokratie

Samstag, den 12. Dezember 2009
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November 1989 II -> 27.11.2009

Rückblick: Verschwundene Stasi-Akten und ein Geschenk – das war der Dezember 1989

MAZ Oranienburg, 11.12.2009

OBERHAVEL
Was passierte im Wendejahr rund um Oranienburg? Wir blättern zurück. Diesmal der Dezember 1989.

Die Mauer ist gefallen, der Weg gen Westen frei. Aber wie soll es in der DDR weitergehen? Am 3. Dezember 1989 demonstrieren die Menschen entlang der F 96 (der heutigen B 96) für mehr Demokratie. Tausende aus dem Kreis Oranienburg bilden am nebligen ersten Advent um 12 Uhr für 15 Minuten eine Menschenkette. Sie sind wütend über die Korruption und den Amtsmissbrauch der SED.

Auch die Hennigsdorfer Stahl- und Walzwerker demonstrieren. Sie wollen den betrieblichen SED-Parteiapparat und die Kampfgruppen loswerden. Die Gewerkschaft soll ab jetzt die Betriebszeitung herausgeben – und nicht die Partei. Die Forderungen werden erhört.

Merkwürdiges tut sich unterdessen in Oranienburg. Vor dem Lager der Staatsreserve warten Lkw mit Kennzeichen anderer Bezirke. Was die da wohl wollen? Am 7. Dezember klärt die MV ihre Leser auf: Geliefert wurden zwölf Tonnen Marmelade und achtzehn Tonnen Apfelmus. Falls schlechte Zeiten kommen. Gerüchte, dass die Lkw etwas mit der dubiosen Ko-Ko-Gesellschaft von Alexander Schalck-Golodkowski zu tun haben, bestätigen sich nicht.

Aber es gibt weitere Merkwürdigkeiten: Im Oranienburger Stasi-Sitz in der Greifswalder Straße werden die Räume versiegelt. Vorher konnte die Behörde aber noch Akten vernichten oder nach Potsdam schaffen. Das Neue Forum protestiert.

Und die Merkwürdigkeiten nehmen kein Ende: Am 13. Dezember berichtet die MV über das Haus in der Weserstraße 14. Seit kurzem gibt es ein privates Namensschild – und öfter fröhliche Partys. MV-Redakteure und Ordnungsamt fahren hin: Das Haus wirkt verlassen, die Verandafenster sind eingeworfen. Im Grundbuch steht ein Mann aus Berlin. Und: Das Haus ist nicht für Wohnzwecke freigegeben – sondern für „eine Art“ Gästehaus. Was immer das heißen mag.

Seit drei Jahren frieren jeden Winter die Mieter des Blocks neun in der Veltener Straße des Friedens. Die Heizung ist pro Woche maximal drei Tage warm. Das Wasser höchstens lauwarm.

Gute Nachrichten gibt es aber auch. Der Krämer Forst ist Mitte Dezember 1989 wieder für alle zugänglich. Das Interesse der Volkspolizei, dort einige Übungsplätze offenzuhalten, stößt auf heftigen Widerstand.

Und dann ist Weihnachten: Die Einwohner von Stolpe-Süd bekommen ein besonderes Geschenk. Der Rias berichtet aus dem Ort. Das hören auch Mitarbeiter einer Berliner Garten- und Landschaftsbaufirma. Geschäftsführer Michael Beuthe meldet sich in Stolpe-Süd: Er stiftet einen Zweitonner-Daimler-Benz-Lkw.

Der Kreis Oranienburg erlebt 1989 ein Weihnachtsfest in Freiheit. Und klar ist: 1990 wird viel Neues bringen.

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RTelenovela

Armes Würstchen

Samstag, den 12. Dezember 2009
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Die Bifi war eines der Produkte, nach der man sich in der DDR die Finger geleckt hat. In der Breiten Straße in Oranienburg, da wo jetzt die Parkplatzfreifläche war, stand der Intershop. Und wenn es meine D-Mark-Finanzen zuließen, kaufte ich dort eine Kinderschokolade, eine Büchse Coca-Cola, Die Weiße – und eine Bifi.
Schon allein dieser Geruch.
Inzwischen gibt es diverse anderen Produkte von Bifi. Bifi Roll ist auch ganz okay. Auch die mit Peperoni.

Jetzt aber gibt es auch Wiener Würstchen von Bifi. Aber irgendetwas muss da schief gelaufen sein.
Wer die Packung mal in die Hand nimmt, wird den Fehler gleich bemerken: Das Würstchen nimmt nur ein gutes Dreiviertel der Verpackung ein. Der Rest ist Luft.
Was soll der Unsinn? Will man dem Verbraucher ein größeres Produkt vorgaukeln? Das geht nur nicht auf, wenn man das Ding befühlen und somit den Nepp bemerken kann.

Mal abgesehen davon, dass ich ein nicht gerade billiges Wiener Würstchen von Bifi wohl eher sowieso nicht kaufen würde – allein von dieser Betrug kann nur zu einem Boykott führen. Ich fange damit schon mal an.

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