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Er hat die Mutter überredet

Jubiläum: Gerhard und Barbara Ziminzke aus Alt Ruppin feiern heute ihre diamantene Hochzeit

MAZ Neuruppin, 22.10.2009

Heute hat bei Gerhard und Barbara Ziminzke der Alltag Pause. Sie feiern ihren 60. Hochzeitstag. Gestritten haben sie nie. Jedenfalls nie lange.

ALT RUPPIN
Nebenan, in der Küche, kochen die Kartoffeln. Das Mittagessen muss bald fertig werden. Auch der Kuchen. Und zum Friseur muss sie auch noch. Barbara Ziminzke lächelt: „Mein Gott, so viel Trubel.“ Vor 60 Jahren hat sie ihren Gerhard geheiratet. Heute feiern die beiden ihre diamantene Hochzeit.
Die 80-Jährige blickt auf das sechs Jahrzehnte alte Foto. Damals trug sie ein langes, weißes Hochzeitskleid. Am 22. Oktober 1949 heirateten Barbara und Gerhard Ziminzke im Standesamt beim Rat der Stadt in Alt Ruppin, danach in der Kirche in der Ortsmitte. „Und das, obwohl meine Mutter erst dagegen war“, sagt sie und lächelt ihren Gerhard an. „Er war nämlich evangelisch und ich katholisch. Aber Gerhard konnte meine Mutter überreden, er hat das schön hinbekommen.“

Barbara wurde 1929 in Bulgarien geboren, Gerhard 1924 in der Altmark. „Kennengelernt haben wir uns 1948“, sagt sie. „Nein, das war schon zwei Jahre vorher“, berichtigt sie ihr Mann und lächelt. Auf jeden Fall beim Tanzen. „Zu der Zeit war ja in Alt Ruppin weiter nichts, nur am Wochenende“, erinnert sich Barbara Ziminzke. Es war jedoch nicht das erste Mal, dass sie sich gesehen hatten. Die beiden wohnten gar nicht so weit voneinander entfernt, rund um den Roofwinkel, wo das Diamantenpaar noch heute lebt.
Von da an trafen sie sich öfter zum Tanzen. „Das ging eine Weile hin und her“, sagt sie. Bis er ihr 1948 einen Heiratsantrag machte. Zu Weihnachten feierten sie ihre Verlobung, ein dreiviertel Jahr danach die Hochzeit. „Wir waren eine recht große Gesellschaft“, sagt Gerhard Ziminzke mit Blick auf das Foto aus dieser Zeit. Bald begannen sie, ihr Haus am Roofwinkel zu bauen, 1950 zogen sie dort ein.
„Ich arbeitete dann in der Landwirtschaft mit“, sagt Barbara Ziminzke, die während des Zweiten Weltkrieges den Beruf der Näherin gelernt hatte. „Einfach war das nicht, wir haben uns manchmal ganz schön gequält.“ Ihr Mann nickt. Er war vorher Schmied, wie sein Vater.
Die beiden bekamen 1951 einen Sohn, zwei Jahre später eine Tochter. Bisher haben Ziminzkes jedoch nur eine Enkeltochter. „Es wäre schon schön, wenn es noch mehr wären“, sagt Barbara mit leuchtenden Augen.
Sie lässt den Blick schweifen. An der Wand hängen lauter Geweihe und Wildköpfe. Alles Trophäen und Erinnerungen: Gerhard Ziminzke war jahrzehntelang Jagdleiter in Alt Ruppin. „Ein Zwölfender-Hirsch war das Größte, was ich mal geschossen habe“, sagt der 85-Jährige.
Viel Freizeit blieb nicht. „Wir haben das ganze Leben nur gearbeitet“, sagt Barbara. Sie verreisten nur selten. „Einmal waren wir in Baku und einmal in Thüringen.“ Gerhard sagt: „Ich hab’ genug gesehen.“ Nach der Wende reiste Barbara Ziminzke zweimal nach Italien – mit der Tochter. Gerhard wollte nicht mit. Dennoch gab es nie Streit. Keinen großen jedenfalls. Sie lächelt ihren Mann an: „Wenn ich mal bockig sein wollte, hat er mich eine Stunde später rumgekriegt.“

Barbara Ziminzke kommt auch heute noch kaum zur Ruhe. Der Garten, die Tiere, der Einkauf, die Hausarbeit. Sie ist noch sehr rüstig, kümmert sich liebevoll um ihren Gerhard. Der sieht am liebsten Fußball im Fernsehen. Heute aber macht der Alltag Pause. Der Bürgermeister kommt zum Gratulieren.

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