Tagesarchiv für 26. September 2009

aRTikel

Wendejahr 1989: Frauentagsfeier in Gefahr

Samstag, den 26. September 2009
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August 1989 -> 14.8.2009

Rückblick: Ärger um einen Borgsdorfer Festsaal und flüchtende Schüler im September 1989

MAZ Oranienburg, 26.9.2009

Was stand im Wendejahr in der Märkischen Volksstimme (MV)? Und was nicht? Wir blättern zurück. Diesmal der September 1989.

OBERHAVEL
1. September 1989, Schulanfang im Kreis Oranienburg. Das Motto des Jahres 1989/90: „Meine Liebe, meine Tat meiner Heimat DDR“. So steht es im Gruppenbuch der 5b der Oranienburger Pablo-Neruda-Oberschule. Es ist dasselbe Motto wie im Schuljahr davor. Nicht im Buch steht – und auch die MV berichtet nicht darüber –, dass immer mehr Schüler in den Klassen fehlen. Sie und ihre Eltern flüchteten in den Westen. Die Fluchtwelle geht im Spätsommer auch am Kreis Oranienburg nicht vorbei. Im Filmpalast der Kreisstadt läuft zu dieser Zeit übrigens der Streifen „Die Flüchtenden“. Das passt.

In Schmachtenhagen wird Anfang September das neunte Polytechnische Zentrum des Kreises eröffnet. „Es zählt zu den schönsten“, schreibt die MV. 31 Lehrfacharbeiter der Landwirtschaft feiern die neue Schule.

Am 15. September 1989 veröffentlicht die MV einen erbosten Brief der Frauenkommission des VEB Plastimat Oranienburg. Schon Ende März 1989 wurde der Saal in der Borgsdorfer Gaststätte „Weißer Hirsch“ für die Frauentagsfeier 1990 bestellt. Doch nun, ein halbes Jahr nach der Bestellung, erfuhren die Arbeiterinnen: Der Saal schließt Anfang 1990 wegen lang andauernder Renovierungsarbeiten, und keiner habe Bescheid gesagt. Wo sollen die 110 Frauen denn nun feiern? Dabei sind es doch nur noch gute fünf Monate bis dahin.

Gearbeitet wird aber weiterhin, auch ehrenamtlich. Trotz Dauerregens beteiligen sich mehr als 200 Menschen am Arbeitseinsatz für die Solidarität, zu dem die MV im Vormonat aufrief. Auf der Havelinsel („Pferdeinsel“) in Oranienburg glätten die Helfer die Wege, verlegen Kabel und bauen einen Abenteuerspielplatz.

Erste Vorboten der Wende in Glienicke: Am 19. September treffen sich 25 Menschen im Gemeinderaum der Evangelischen Kirche. Sie wollen nun wöchentlich über die Lage in der DDR beraten. Das Ziel: mehr Mitspracherecht für den Normalbürger.

In der Kreisstadt beginnen gleichzeitig die Pleinair-Tage. Sieben Freiluftmaler aus der Region treffen sich unter der Leitung des Grafikers Uwe Beckmann, um mit dem Pinsel die Stadtlandschaften festzuhalten. Später ist geplant, die Werke in der Bibliothek auszustellen.

Die Kremmener feiern Mitte September das Richtfest für den neuen Jugendklub am Sportplatz. Die Stadt gab bereits die finanziellen Mittel, am Jahresende ist die Eröffnung geplant.

Ganz so rosig ist es um die neue Dropebrücke in der Oranienburger Saarlandstraße nicht bestellt. Es gibt Probleme mit dem Bauablauf, wird am 27. September in der MV eingeräumt. Es sei Torf im Boden gefunden worden. Die eigentlich am 40. Republikgeburtstag, dem 7. Oktober, geplante Eröffnung muss verschoben werden.

Unterdessen starten in Oranienburg die Festtage zu eben jenem Feiertag: 40 Jahre DDR. Ausstellungseröffnungen, Konzerte, Modenschauen. Der Ball der Volkskunst und ein Jugendtanz im Gesellschaftshaus. Für jeden ist etwas dabei. Der Sozialismus zeigt sich von seiner aktivsten Seite. Zum letzten Mal. Schon eine Woche davor begann – auch letztmals – das Parteilehrjahr. „Für unsere gute Sache, den Sozialismus, streiten und kämpfen“, heißt es in der MV Mitte des Monats.

Ende des September 1989 sind es noch sechs Wochen bis zum Mauerfall, und im Filmtheater Hohen Neuendorf läuft „Schrei nach Freiheit“.

RTelenovela

Die dreifache Qual der Wahl

Samstag, den 26. September 2009
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Sonntach is Wahltach! Und das gleich dreifach. Also der Wachtach, nicht der Sonntach. Ich darf morgen fünf Kreuze machen: Erst- und Zweitstimme für den Bundestag, den Brandenburger Landtag sowie eine Stimme für den Oranienburger Bürgermeister.

Die Bürgermeisterwahl fällt mir am einfachsten. Die Wahl ist eindeutig. Der Hansi tut Oranienburg gut. Und der andere… nun ja, macht halt auch mit bei der Wahl.
Der Rest ist schwieriger. Bis vor kurzem war ich fest davon überzeugt, dass ich Platzecks SPD wählen werde. Doch dann war der Ministerpräsident auf Wahlkampftour in Neuruppin. Ich habe mir seinen Auftritt angesehen. Erst kratzte er sich bei den Leuten dort ein, weil die Kyritz-Ruppiner-Heide nicht zum Bombodrom wird. Dann noch ein bisschen Blabla zur Wende und Kopfstreicheln. Aber zu den lokalen Neuruppiner Themen und Problemen (und da gibt es diverse) kein Wort vom MP. Das war der Moment, bei dem ich wusste: Meine Zweitstimme bekommt er nicht.

Bei der Bundestagswahl bin ich auch noch unentschieden. Die SPD hat nach all den Ereignissen wie Ypsilanti, Beck und Co. ihre Sympathien verspielt. Merkel mag ich, aber Personal wie Ronald Pofalla geht gar nicht. Die Grünen haben in ihrem Wahlspot vieles Richtige gesagt, auch die FDP. Guido hat es auch irgendwie mal verdient, endlich Außenminister zu werden. Eine Frau und ein Schwuler an der Spitze des Landes – das hätte doch was.

Aber was ist sinnvoll während der Wirtschaftskrise? Eine Große Koalition mit komfortablen Mehrheiten im Bundestag? Oder Schwarz-Gelb mit knappen Mehrheiten und viele Blockierern?
Ich muss mich bis zum Wahlgang entscheiden. Und ich werde mich entscheiden.

Hennigsdorf bietet übrigens einen ganz besonderen Wahlservice. Den Kreisverkehr an der Veltener/Marwitzer Straße nämlich. In dem Rondell sind, ebenfalls im Kreis, sämtliche Wahlplakate aufgestellt. Fährt man ein paarmal drumherum, kann man sich wunderbar informieren.
Aber Hennigsdorf vor der Wahl sowieso noch ein spannendes Thema dazugewonnen: Eine Landtagskandidatin wurde von einer der lokalen Zeitungen als Stasi-IM geoutet. Nein, eigentlich wurde sie nicht geoutet. Das Wissen darüber ist nicht neu, wie auch der Kommentator zugibt. Aber zwei Tage vor der Wahl musste das auf den Tisch – ganz zufällig natürlich. Ganz zufällig ein paar Tage vor der Wahl hat die Presse die Akte auf den Tisch bekommen. Nicht um zu zerstören, sondern um zu informieren.
Für mich hat die Sache einen extrem faden Beigeschmack. Die Stasivergangenheit muss aufgeklärt werden. Aber seriös und nicht durch hinterlistige Kampagnen im Wahlkampf.

RTelenovela

Abschied, der Zweite

Samstag, den 26. September 2009
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Die zweite Abschiedsparty in einem Monat. Und wieder verlässt jemand aus meinem Bekannten- und Freundeskreis die Heimat. Einer ging nach Frankreich, die andere nach Baden-Württemberg. Einer ging freiwillig, die andere eigentlich nicht. Hier in der Gegend und in Berlin hatte sich für sie nichts ergeben.
Eine dritte lebt seit ein paar Wochen in Niedersachsen.
So ist so eine Party natürlich immer eine schöne Sache, aber Wehmut ist eben auch dabei.

Ich finde es ja immer sehr mutig, wegzugehen von zu Hause. Von seiner Heimat. Von den Leuten, die man mag und liebt. Das ganze Umfeld. Und überhaupt.
Ich habe mich das nie getraut. Ein Auslandsjahr wäre nie was für mich gewesen. Aber vielleicht muss es ja mal so sein. Wer weiß, was 2011 auf mich wartet…