Tagesarchiv für 14. September 2009

RTZapper

Das TV-Duell: Merkel – Steinmeier

Montag, den 14. September 2009
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SO 13.09.2009 | 20.30 Uhr | ZDF

Wenn vier Moderatoren versuchen, 90 Minuten lang auf fünf Sendern gleichzeitig zwei Politiker zu Wahlaussagen zu überreden, dann ist “TV-Duell”-Zeit.

Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Sie will Kanzlerin bleiben. Er will Kanzler werden. Sie sitzt bei den Umfragen obenauf. Er liegt weit hinten.
Sie wird das Ding wuppen. Er wird wenig Spannendes zu sagen haben. So jedenfalls die Theorie.
Leider haben die beiden keine Lust auf zwei TV-Duelle, weshalb sich für einen Abend auch Öffentlich-rechtliche und Privatsender zusammenschalten müssen. Und sich auch gleich vier Journalisten um die beiden Kanzlerkandidaten kümmern müssen. Was für eine Verschwendung.

Dieser Peter Limbourg zum Beispiel. Bei Sat.1 sieht ihn das ganze Jahr über nur ein Bruchteil des deutschen Publikums. Beim TV-Duell ist auch sein großer Tag. Groß ist das übrigens auch das richtige Stichwort. Zumindest sein Anzug war ihm – genau, zu groß. Klamottentechnisch Platz 4 für Herrn Limbourg.

Aber zurück zur Politik. Das Duell war dann doch interessanter als gedacht. Was aber auch an den Fragen der Fernsehleute lag, die die beiden Politiker hin und wieder aus der Reserve lockte.
Merkel erredete sich ihren Wortanteil, in dem sie einfach erhobenen Hauptes weitersprach, wenn jemand mal was dazwischenfragen wollte. Steinmeier zeigte sich dagegen von einer erstaunlichen gefassten, ruhigen, ja, fast schon kompetenten Seite.
Es zeigte sich zumindest ansatzweise, dass die Parteien stellenweise unterschiedliche Positionen haben und dass sie beide keine große Koalition mehr wollen.
Die Umfragen sehen den SPD-Mann als knappen Sieger. Jetzt wird es spannend, ob es ihm am 27. September auch Prozentpunkte bringt.

Interessant war es somit auf jeden Fall, dieses TV-Duell. Aber vielleicht gibt es ja doch mal eine andere Lösung. Denn vier Fragesteller wirken albern.
Entweder wieder ein zweites Duell. Oder eine Elefantenrunde mit Regierung und Opposition bei ARD und ZDF plus das Duell bei den Privaten.

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RTZapper

Das TV-Duell: Der Countdown

Montag, den 14. September 2009
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SO 13.09.2009 | 20.15 Uhr | RTL

Jetzt castet RTL auch schon am Sonntagabend! Superstars, Supertalente und nun auch noch Superkanzler.
Das ist ja nichts Neues: Die meisten Menschen finden Politik öde. Und den aktuellen Wahlkampf sowieso. Also musste sich RTL etwas einfallen lassen, um die langweilige Debatte zwischen Merkel und Steinmeier zu einer sexy Show zu machen.
Vor dem großen “TV-Duell” am Sonntagabend stellte RTL die beiden Kandidaten schon mal in Einspielern vor: Die schönsten Versprecher von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Und so weiter. Dazu noch Statements von Vera Int-Veen (die Frau, die vor gefühlten 30 Jahren mal eine tägliche Talkshow hatte) und anderen wichtigen G-Promis. Nicht zu vergessen Klatschtante Frauke Ludowig, die aufregende Interviews führen durfte.
Hoffentlich sind die RTL-Zuschauer mit dem Beginn des “TV-Duells” nicht von der Bordsteinkante des Boulevards gefallen, auf dem sich der Duell-Countdown bewegte.

Andererseits ist es natürlich clever und gar nicht sooo falsch von RTL, das Duell anders anzugehen, als es zeitgleich ARD, ZDF und Sat.1 machten. Denn vielleicht blieb ja wirklich der eine andere nicht ganz so politisch Interessierte bei RTL hängen. und wer weiß, vielleicht haben wir dann ja doch einen Wähler mehr.

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RTZapper

Newstime: Schlag den Raab – Hans-Martin

Montag, den 14. September 2009
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SO 13.09.2009 | 18.00 Uhr | ProSieben

Der Hans-Martin. Irgendwie scheint es, als könne ihn keiner leiden. Aber dieser Hans-Martin hat es binnen Stunden zum Hassobjekt von Fernsehzuschauern und Internetnutzern geschafft. Und in die “Newstime”, der nachrichtensendung von ProSieben.

Wenn Stefan Raab an einem Sonnabendabend viereinhalb Stunden in 15 Spielen gegen einen Kandidaten antritt, ist das durchaus ein Fernsehereignis. Ob das aber auch ein Thema für die Nachrichten ist, darüber lässt sich streiten.
Für ProSieben ist der Fall klar, lässt Christiane Gerboth einen entsprechenden Beitrag ansagen und tut so, als habe der Sender eine Nachrichtenkompetenz.

Aber zurück zu Hans-Martin. Im Internet wird der junge Mann, der bei Raab eine halbe Mio eingestrichen hat, bereits “Hass-Martin” genannt. Zumindest ist es in der Geschichte der Show noch nie passiert, dass sich das Publikum fast geschlossen hinter Stefan Raab gestellt hat.
Mal abgesehen davon, dass ich übrigens fast immer auf Raabs Seite stehe.

Ein Wunder ist das aber nicht: Ein Typ, der sich in Selbstgesprächen ständig selbst anfeuerte, dafür aber mit niemandem anderen sprach. Ein Typ, der sich ausschüttete vor Lachen, als Raab eine falsche Antwort gab. Ein Typ, der gönnerhaft beim Diskuswurf fragte, ob er nochmal werfen solle, weil Raab weit hinten lag. Bis zum letzten Wurf. Hans-Martin konnte es nicht fassen, als Raab plötzlich einen super Wurf zeigte und gewann.

Im Internet muss sich Hans-Martin nun mit Spott und Häme überschütten lassen. Es ist interessant zu beobachten, mit welchem feinen Gespür ein Publikum reagiert, wenn man im Fernsehen nicht den lieben und braven Kandidaten spielt. Aber wie der junge Mann schon selbst sagte: Er will weder ein Freund von Raab und dem Publikum sein, sondern das Geld gewinnen.
Das kann man arrogant finden. Sehr clever war es von dem Gewinner letztlich nicht. Denn jetzt hat er den Salat: einen miesen Ruf, den er so schnell nicht los wird.

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RTelenovela

Nach dem S-Bahn-Überfall: Das Aus für die Zivilcourage?

Montag, den 14. September 2009
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Ein 50-Jähriger hat am Sonnabend in München seine Zivilcourage mit dem Leben bezahlt. Drei Jugendliche hatten vorher in der S-Bahn eine Vierergruppe jüngerer Jungen und Mädchen angegriffen. Der Mann griff ein und verließ später die Bahn. Auf dem Bahnhof schlugen ihn die Männer – gerade mal 17 und 18 Jahre alt – auf ihn ein. Und das so sehr, dass er Stunden später an seinen Verletzungen starb.

Was für ein Wahnsinn. So weit kann es also kommen, wenn man dann mal tatsächlich mutig ist, einen Streit schlichtet, aber somit den Hass der Pöbler auf sich zieht.
Es ist doch jetzt schon so, dass man in der Bahn sitzt und immer hofft, dass nichts passiert. Und wenn es doch mal eine Pöbelei gibt, sitzen wir alle betroffen daneben und schauen zur Seite. Nur selten kann sich jemand überwinden, um einzugreifen.
Jetzt, nach dem Münchner Überfall, haben wir alle noch mehr Angst. Im Hinterkopf ist jetzt noch stärker das Angstgefühl, dass uns selbst etwas passieren könnte, wenn uns die Zivilcourage übermannt.
Ein falscher Ansatz. Aber ich kann es irgendwie niemandem verdenken, der so denkt. Eigentlich hilft in solchen Fällen nur eines: Gemeinsam eingreifen, andere Leute ansprechen und einspannen. Schwierig bleibt es trotzdem.
Und so hoffen wir eben weiter, dass wir nie in eine solche Situation kommen wie am Sonnabendnachmittag in München.

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