Tagesarchiv für 20. August 2009

RTelenovela

Vor 20 Jahren (1): Wiedersehen in der Tagesschau

Donnerstag, den 20. August 2009
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Sonntag, 20. August 1989.
Ein warmer Tag. Mit unseren Nachbarn verbrachte ich den Nachmittag am Stolzenhagener See. Damals fuhren wir allerdings noch nicht zum Sandstrand, sondern blieben vorn im Ort auf der Badewiese. 1989 konnte man dort auch noch parken.

Am Abend dann gemütliches Fernsehen mit meinen Eltern. Es beginnt die Spätausgabe der “Tagesschau”. Berichtet wird über die Flüchtlinge, die aus der DDR über Ungarn in den Westen flüchten. Es werden immer mehr Menschen. In dem Bericht erzählt ein Mann von seinen Erlebnissen auf der Flucht über die ungarisch-österreichische Grenze. Es ist ein großer Mann, die Kamera schwenkt hoch zu seinem Gesicht – und dann der Schock. Dieser mann ist ein Bekannter meines Vaters. Auch dessen Frau und die Kinder sind zu sehen.
Somit betraf uns die Fluchtwelle erstmals auch persönlich.
Die Familie lebte dann lange in Nürnberg, inzwischen jedoch wohnt sie wieder in Oranienburg.

RTZapper

Markus Lanz: Horst-Schlämmer-Special

Donnerstag, den 20. August 2009
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MI 19.08.2009 | 22.15 Uhr | ZDF

Horst Schlämmer auf allen Kanälen, in allen Zeitungen. Überall treibt der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatt und neue Kanzlerkandidat sein Unwesen. Darf über seine Partei erzählen, aber vor allem auch: über seinen Film.
Schon lange hat kein deutscher Film mehr so eine mediale Aufmerksamkeit bekommen. So verkommt das Sommerloch zur Werbesause. So spendierte das ZDF der Figur von Hape Kerkeling eine ganze Stunde von “Markus Lanz”. dafür wurde die Sendung sogar um 75 Minuten vorgzeogen, das Programm über den Haufen geworfen. Nur: Mit Journalismus hatte diese Sendung nichts, aber auch gar nichts zu tun. Aber kann man den von Markus Lanz überhaupt erwarten?

Kerkeling gab den Schlämmer, Alexandra Kamp spielte nicht nur im Film, sondern auch beim ZDF seine Wahlkampfmanagerin, Simon Gosejohann den Fotografen – der allerdings während der gesamten Sendung ein (!) einziges (!!) Wort verlor. Dazu noch (echte) Wahlkampfexperten, die Schlämmer (echte) Tipps für die Politik und das richtige Auftreten gaben. Am Ende durfte Kerkeling als Schlämmer nochmal seine Kinowerbebotschaft in die Kamera sagen.
Eigentlich wäre eine Dauereinblendung “Werbesendung” angebracht gewesen. Denn nichts anderes als das war es. Ärgerlich!

RTelenovela

Kanzler-U-Bahn ohne Kanzler(in)

Donnerstag, den 20. August 2009
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Zwei Wochen nach der Eröffnung folgte meine persönliche Premiere: meine Fahrt mit der neuen U55 in Berlin.
Okay, die Premiere dauert nur drei Minuten. So lange fährt man mit der U-Bahn vom Berliner Hauptbahnhof über die Station Bundestag zum Brandenburger Tor. Alle zehn Minuten pendelt der Zug zwischen den drei Bahnhöfen.

Im Jahr 2006, zur Fußball-WM in Deutschland, sollte die U55 eigentlich schon in Betrieb gehen, zeitgleich mit dem Hauptbahnhof und dem Tiergartentunnel, der zu diesem Zeitpunkt schon fertig war. Neben der Röhre für die Autos führt auch eine für den Fern- und Regionalverkehr durch sowie eine für die U-Bahn. Probleme gab es dafür am Brandenburger Tor, wo Wasser in den tiefen Graben lief.
Erst jetzt, 2009, also konnte die U55 eröffnet werden. Die trägt den Namen Kanzler-U-Bahn, weil Kanzler Helmut Kohl das Projekt angeschoben hat. Kanzlerin Merkel ist heute selten bis nie in der U55 anzutreffen.
Ein weiterer Spitzname ist die “Stummelbahn”. Es sieht tatsächlich niedlich aus, wenn an den Fahrplänen tatsächlich nur diese drei Stationen eingezeichnet sind.

Kurz, aber spannend: Schon allein weil die drei Bahnhöfe sehr schön gestaltet sind. Am Hauptbahnhof hängen Schautafeln mit alten Berliner Bahnhöfen. Der U-Bahnhof Bundestag beeindruckt durch seine Großzügigkeit. Am Brandenburger Tor kann man die Geschichte der Berliner Mitte nachlesen. Das Tor vom Bau über die Nazizeit, Mauerbau und -fall.
Auffällig ist auch, dass die Waggons der U55 (noch?) komplett werbe- und kratzerfrei sowie ohne Graffiti-Verzierungen herumfahren. So sauber sieht man Berlins U-Bahn wohl nur dort.

Ich gehöre übrigens auch nicht zu den Leuten, die die U55 für überflüssig halten. Reisende aus dem Süden Berlins, die mit der S1 oder S2 unterwegs sind und zum Hauptbahnhof wollen, müssen nun nicht mehr über Friedrichstraße, sondern können schon am Brandenburger Tor umsteigen und dann quer unter das Regierungsviertel durchrauschen. Minuspunkt: Wenn ich das richtig gesehen habe, gibt es keinen direkten Zugang von der U- zur S-Bahn. Vielleicht habe ich den aber auch nicht übersehen.
Auch mit dem RE5 von Oranienburg kommend gibt es am Hauptbahnhof nun noch schneller die Möglichkeit zum Brandenburger Tor zu kommen – wenn man nicht durch durchs Regierungsviertel laufen will.
Dann ist die U55 natürlich eine gute Tourilinie.
Außerdem, aber bis dahin dauert es noch bis zu 10 Jahre: Irgendwann wird die U55 zur U5, wenn der Abschnitt zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor fertig wird. Und ich finde, dass an der Stelle, im Bereich Unter den Linden so eine Bahnverbindung fehlt.
Ich bin gespannt.

RTZapper

Iron Calli

Donnerstag, den 20. August 2009
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DI 18.08.2009 | 22.15 Uhr | VOX

Ach, der Calli. Dick isser ja, der Rainer Callmund. Betont er selbst ja auch immer wieder. Und dass das alles vom Mampfi-Mampfi kommt. Dass er immer ordentlich reingehauen hat. Das plaudert er bei jeder Gelegenheit aus, auch wenn wir gar nicht danach gefragt haben.
Jetzt will er abspecken. 30 Kilo sollen runter. Von 160 sollen 130 Kilogramm übrig bleiben. Und das Fernsehvolk darf dabei sein. Die Dokureihe “Iron Calli” auf VOX zeigt wie aus dem Dicken ein etwas leichterer Dicker wird.

Einerseits macht er sich mit dem öffentlichen Leiden Druck. Nimmt er nicht ab, haben wir das alles gesehen und Calli hat sich blamiert. Nimmt er ab, dann kann er seinen Erfolg feiern. Andererseits: Calli im Waschzuber. Keuchend auf dem Fahrrad. Selbst Calli sagt, ihm seien die Szenen unangenehm. Was soll dann erst der Zuschauer sagen?
Wenn Calli sich tatsächlich so im Fernsehen zeigen will, ist das ein schmaler Grad zwischen Aufklärung und Lächerlichkeit. Hoffentlich entgleitet dem Calli das alles mal nicht.

RTZapper

Werbung: Darmkrebs-Vorsorge

Donnerstag, den 20. August 2009
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DI 18.08.2009 | 20.00 Uhr | Ostseewelle

Eine locker-flockige Musik. Dann sagt eine Stimme: “Sie fühlen sich gut? Sie könnten Darmkrebs haben.”
Oha! Na Mensch! Das ist doch mal der richtige Radiospot für Hypochonder! Sie fühlen sich wirklich gut? Echt? Dabei könnten Sie doch todkrank sein!
Mal abgesehen davon, dass der kurze Spot zwar eine nicht ganz unwichtige Botschaft hat – nämlich die Darmkrebsvorsorge – plump ist er trotzdem. Er könnte auch für alles stehen.
Sie fühlen sich gut? Sie könnten Schweinegrippe haben.
Sie fühlen sich gut? Sie könnten bald mit Ihrem Auto einen Platten haben.
Sie fühlen sich gut? Sie könnten einen IQ von null haben.
Sie fühlen sich gut? Sie könnten Ihren Rentenanspruch verlieren.
Aber das sind dann wahrscheinlich die nächsten Radiokampagnen. Lassen wir uns also überraschen.

RTelenovela

Rügen 2009 (7): Rendezvous mit Roland

Donnerstag, den 20. August 2009
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(6) -> 17.8.2009

Dienstag. Der letzte Tag. Am Abend steht schon wieder die Rückfahrt von Rügen auf dem Programm. Die Zeit verging wie immer viel zu schnell.

Den Vormittag in Binz beginne ich meistens mit einem Kakao und der Lektüre der Ostsee-Zeitung auf dem Kurplatz – mit Blick zur Ostsee. Das nennt man dann wohl: die Seele baumeln lassen.
Allerdings fallen mir zur Ostsee-Zeitung zwei Dinge ein: Das Blatt wirbt u.a. mit dem Spruch “Täglich mit neuem Inhalt”. Das ist für eine Tageszeitung eine ziemlich überraschende Aussage. Auch kundzutun, dass sie die Nummer 1 auf Rügen sei, wundert mich – wo doch die Ostsee-Zeitung auf Rügen gar keine Konkurrenz hat.

Mit dem “Rasenden Roland”, der historischen Schmalspurbahn bin ich schon seit 2003 nicht mehr gefahren. Es wurde mal wieder Zeit.
Von Binz nach Putbus. Wie sieht es eigentlich mit der Umwelt aus, wenn der Zug durch die Gegend dampft? Roland pustet jedenfalls ganz schön was in die Luft. Es muss kein Vergnügen sein, an der Strecke zu wohnen. Bei Seelvitz qualmt Roland zweimal pro Stunden die Garten und die hängende Wäsche voll. Auch müssen die Leute dort sicherlich ihre Fenster öfter putzen als anderswo.
In Putbus war dann ein wenig Zeit. Das Mittagessen kam glücklicherweise auch pünktlich, auch wenn das Fischfilet noch nicht ganz durch war. Na ja, man kann nicht alles haben.
Tourikinder sind schon eine ganz besondere Spezies. Wenn sie es mal eilig haben, pullern sie schon mal überall hin. Oder schlicht da, wo sie gerade stehen. Am Bahnsteigrand ließ ein Junge sein kleines Stück raushängen und strullte. Als der Zug losfahren sollte, packte er es, noch während es weiterstullte, wieder ein. Musste ja schnell gehen.
Von Putbus nach Göhren. Ab Binz wird es richtig kuschlig in den alten Waggons. Zwei Frauen mit vier kleinen Kindern stiegen zu und machten es sich auf dem Boden bequem. Eines der Mädchen wollte sich hinlegen, was die Mama aber rüde vereitelte. Mit Schrippenverbot und Strafstehen. Wenn’s hilft.
Zwischen Sellin und Baabe ist das Gleis offenbar in schlimmen Zustand. Es rumpelt gewaltig. Ebenso zwischen Baabe und der Waldbiegung in Richtung Göhren.
Von Göhren nach Binz. Es war so voll im Zug, dass sich die Menschen auch draußen auf den Plattformen drängelten. Obwohl es sicherer wäre, ist das Sitzen verboten. Aber wenn man die vielen Kinder an den wackeligen Geländern sieht, wird einem schwummerig. Aber so lange es die in den Abteilen sitzenden dazugehörigen Eltern nicht interessiert…
Der schönste Streckenabschnitt der ganzen Tour liegt übrigens zwischen Sellin-West und Binz. Da rollt Roland durch ein Waldgebiet, die Granitz. Berge, Bäume, eine Idylle. Und der Rauch der Lok wird in die Baumkronen gepustet. Scheint die Sonne drauf, sind im Rauch die Strahlen zu sehen, was ein surreales Bild abgibt.
In Binz treffen sich die Züge, Hunderte Touris stehen auf den Bahnsteigen. Kein Wunder, bei einem “So-lala-Wetter” ist eine Tour mit dem Rasenden Rolland tatsächlich eine feine Sache.

Und dann hieß es Abschied nehmen von Binz. Für das richtige Inselgefühl ging die Rückfahrt über Glewitz, wo die Fähre über den Bodden fährt.
Auf dem Weg dorthin fährt man eine der schönsten Alleen entlang, die ich je gesehen habe. Kurz vor Garz stehen die Bäume rechts und links der Straße. Die Baumkronen sind über der Straße zusammengewachsen. Es ist, als ob man durch einen Heckentunnel fährt. Beeindruckend!

Die Sonne ging unter, es dämmerte über dem Bodden. Mit der Fähre ging es aufs Festland, und als ich beim Losfahren wieder das Radio einschaltete, lief ein Song namens “Bye bye”. Das passte.