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Klein, aber fein

Porträt: Mira Haschke (23) und Jan Stange (19) leben seit einem Jahr als Studenten in Neuruppin

MAZ Neuruppin, 22.7.2009

Die Neuruppinerin kehrte fürs Studium in die Heimat zurück. Der Rostocker zog dafür extra von der Ostsee nach Brandenburg.

NEURUPPIN
Die reinste Idylle. Von ihrem Campus in der Neuruppiner Trenckmannstraße sind es nur wenige Schritte zum Ruppiner See. Mira Haschke und Jan Stange sitzen auf der Holztreppe am Ufer und blicken raus aufs Wasser. „Ich finde es sehr schön hier“, sagt Mira Haschke. „Der See, die Promenade und das Bollwerk sind immer die ersten Dinge, die ich zeige, wenn ich Besuch bekomme.“ Jan Stange lächelt und ergänzt: „Meine Eltern wollen mich am liebsten jedes Wochenende besuchen kommen.“

Mira und Jan studieren am Campus Neuruppin. Sie kam dafür in ihre Heimatstadt zurück, er zog extra aus Rostock nach Brandenburg. Der 19-Jährige aus der Ostseestadt beschäftigt sich mit Mittelstandsmanagement. Dazu gehören das Rechnungswesen und die Betriebswirtschaftslehre. Eigentlich wollte der blonde Mecklenburger nach Potsdam. „Erst später habe ich dann erfahren, dass mein Studiengang nach Neuruppin ausgesiedelt wurde“, erzählt Jan Stange. „Aber ich wollte das unbedingt machen, also war klar, dass ich herkomme.“ Nicht jeder in seinem Freundeskreis konnte diese Entscheidung verstehen. Jan grinst und sagt: „Viele fassten sich an den Kopf, hatten Vorurteile. Dabei ist Neuruppin ein kleines, niedliches Städtchen. Ich liebe es, so viel Wasser vor der Haustür zu haben.“ Jan wohnt im Neubaugebiet, sein zweites Zuhause ist jedoch der Sportclub Kempo Neuruppin, ein Kampfsportverein. „Ich bin fünfmal pro Woche dort, mache Kickboxen und Ju Jutsu“, erzählt der ehemalige Rettungsschwimmer. Dennoch wird er nach dem dreijährigen Studium wohl nicht in Neuruppin bleiben. „Das steht so gut wie fest“, sagt Jan. Ganz festlegen will er sich aber doch nicht – vielleicht bekommt er ja auch ein gutes Jobangebot in seiner jetzigen Studienheimat. „Ich möchte auf jeden Fall was mit Wirtschaft machen“, sagt er.

Für Mira Haschke ist Neuruppin schon immer ihr Zuhause gewesen. 2005 verließ die heute 23-Jährige mit dem Abi das Schinkelgymnasium und begann in Potsdam eine Lehre als Kosmetikerin. „Das erfüllte mich aber nicht“, sagt sie. „Ich wollte ins Gesundheitsmanagement.“ Mira bewarb sich erfolgreich am Neuruppiner Campus. Sie fühlt sich wohl in ihrer Heimatstadt. „Ich war noch nie ein richtiges Stadtkind“, sagt sie. „Und ich war froh, wieder näher bei meiner Familie zu sein.“ Viel Freizeit bleibt ihr neben dem Studium kaum. „Von neun bis 14 Uhr sitzen wir in den Seminaren“, erzählt Mira. „Und zu Hause sitzen wir dann auch noch mal ein paar Stunden über den Büchern.“ Wenn sie dann aber doch mal Zeit hat, spaziert Mira mit ihrem Hund die Seepromenade entlang oder geht abends in die „Unikum“-Kneipe in der Altstadt. „Manchmal ins Kino, öfter mal nach Potsdam oder Berlin.“

Abhängig ist das auch vom Geldbeutel, denn das Studium von Mira und Jan an der Privatuni kostet bis zu 500 Euro im Monat. Das Geld müssen die beiden aufbringen: Mira hat ein Teilstipendium und bekommt Geld von den Eltern. Bei Jan ist das anders: „Ich habe einen Studienkredit aufgenommen. Mir war von Anfang an klar, dass es nicht billig wird. Aber für mich lohnt es sich ganz sicher.“

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