Monatsarchiv für Juni 2009

ORA aktuell

Bürgermeisterwahl: CDU verzichtet

Montag, den 29. Juni 2009
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Die CDU stellt keinen eigenen Kandidaten für die Oranienburger Bürgermeisterwahl am 27. September 2009 auf. Stattdessen wollen sich die Christdemokraten auf die Landtagswahl mit dem Kandidaten Michael ney konzentrieren.
Die SPD schickt Amtsinhaber Hans-Joachim Laesicke ins Rennen, die Linke den parteilosen Frank Eichelmann.

RTZapper

Michael Jackson live: Dangerous Tour

Sonntag, den 28. Juni 2009
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FR 26.06.2009 | 22.00 Uhr | Das Erste

Ausgerechnet die gute, alte, meist ganz schön behäbige ARD hat am Tag nach dem Tod von Michael Jackson das einzig Richtige getan: erinnert. Und wenn wir mal kurz alle Skandale und Schönheits-OP-Meldungen weglassen, dann bleiben seine grandiosen Konzerte übrig. Die ARD zeigte zur Erinnerung an Jacko das Bukarest-Konzert der Dangerous-Tour.

Es war das Ende eines durchaus denkwürdigen Tages. Als gegen 0.30 Uhr deutscher Zeit der Tod von Michael Jackson bekanntgegeben wurde, änderten viele Radiosender spontan ihr Programm. Nun gut, die Privaten meist nicht, da läuft nachts sowieso nur das Programm aus dem PC.
Bayern 3 machte aus der “ARD-Popnacht” ein Jackson-Special. Unzählige Songs des “King Of Pops”, dazu Hörer, die erzählen, was ihnen diese Meldung bedeutet.
Auch das Morgenprogramm von Bayern 3 stand ganz im Zeichen der Todesnachricht.

Ganz untypisch zeigte sich auch das “Sat.1-Frühstücksfernsehen”. Jacko war das beherrschende Thema. Die sonst übertriebene Fröhlichkeit der Moderatoren wich ernsten Worten, Interviews und Berichten.
Allerspätestens da war klar – dieser Tag sollte besonders sein. Immerhin schaffte es Jackson an die 1. Stelle der “Tagesschau”-Meldungen – selbst in der 20-Uhr-Ausgabe.

Den ganzen Tag über Berichte, wie die Welt trauert, Spekulationen, wie das passieren konnte – überall im Radio, Fernsehen, Internet.
Und am Abend dann Michael Jackson pur. Das, was den Künstler ausmachte in seiner Reinform. Ein 105 Minuten langer Abschied zu einer vernünftigen Sendezeit.
Danke, ARD!

RTelenovela

Unser Service für Sie: Legen Sie selbst Hand an!

Sonntag, den 28. Juni 2009
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Die Fahrt auf der Autobahn A8 war noch nie ein besonderes Vergnügen. Die Strecke zwischen München und Stuttgart ist jedoch der Horror.
Lange verläuft die Strecke nur zweispurig in jede Richtung, einen Standstreifen gibt es auch noch nicht – wie sie eben in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erbaut wurde. Doch man arbeitet dran. Ewige Kilometer ist die A8 eine Baustelle mit verengten Spuren und Tempo 80. Ätzend.

Mein Plan war, dass ich erstmal aus München rausfahre, um dann auf der ersten Raststätte meinen Kram aus dem Kofferraum zu holen: also Kassetten und etwas zu trinken. Außerdem wollte ich mir was zu Essen kaufen. Doch blöderweise kam erstmal keine Raststätte. Bis Augsburg.
Auf dem Schild wurde die Raststätte in 3000 Metern angekündigt. Wenige hundert Meter später kündigte ein weiteres Schild eine weitere Raststätte an. Ich ignorierte es – und so düste ich am Rastplatz vorbei. Durch die Großbaustelle musste man sich mit dem Auto schon früher auf eine andere Spur einfädeln. So war für mich die Rast unerreichbar. Von wegen 3000 Meter…

Ich fuhr weiter nach Scheppach in Schwaben. Bei McDonald’s war die Hölle los. Am beeindruckensten war jedoch das Schild an der Wand in den Klokabinen: “Ein besonderer Service unseres Hauses: Desinfizieren Sie Ihre WC-Brille selbst.”
Schön. Da verzichtet McDonald’s wohl auf eine umfassende Reinigung der Klos und verkauft es als Service, dass man die Klobrillen nun selbst reinigen darf.

Bei Stuttgart wurde es dann richtig kritisch. Frontal die tiefstehende Sonne. Dazu ein Wolkenbruch. Und die Sonne spiegelte sich auf der Fahrbahn. Ich sah nichts mehr. Eine gefährliche Situation, denn der Verkehr war relativ dicht. Mehr als Tempo 50 war nicht drin, und fast hätte es kurz vor mir trotzdem gescheppert.

Mit dem Wetter zu kämpfen hatte wir aber auch heute, am Sonnabend. Eigentlich wollten wir in der Pfalz bei Bad Dürkheim ein bisschen wandern. Gerade als wir die Stadt erreichten, war es mit dem schönen Wetter dahin, es begann zu regnen – und hörte auch nicht mehr auf.
Während wir in einer kleinen Gaststätte an der B37 saßen, goss unaufhörlich.
Schnell gaben wir unser Wandervorhaben auf, denn es wurde nicht besser. In der Ferne blitzte es. Als wir Neustadt an der Weinstraße erreichten, war das Gewitter genau über uns. Blitz und Donner gleichzeitig. Es blitzte und krachte, als wir an einer Ampel standen.
Und, wie sollte es anders sein, als wir den Rhein hinter Speyer erreichten, hörte der Regen auf. Auch in Neulußheim hatte es zu diesem Zeitpunkt nicht geregnet – allerdings zogen auch hier dicke Wolken auf.
Es ist Siebenschläfer. Wenn das das Wetter der nächsten sechs Wochen wird – dann gute Nacht. Die Aussichten besagen zum Glück etwas anderes.

RTelenovela

Volojahre (28): Bayernpolitik kann auch langweilig sein

Freitag, den 26. Juni 2009
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(27) -> 25.6.2009

Zwei Dramen spielen sich momentan (1.20 Uhr) in unserer Hotellounge ab.
Das Erste: Der Tod von Michael Jackson macht uns gerade sehr betroffen. Die Meldung kam vor wenigen Minuten über die Ticker rein.
Das Zweite: Vor dem Bartresen spielt sich gerade ein Beziehungsdrama ab. Ein junges Paar steht sich gegenüber und streitet. Mal lauter, mal leiser. Zwischendurch klammert sie sich an und weint ein bisschen. Mal sehen, was daraus wird.

Heute erlebten wir die pure bayerische Politik – und vor allem, dass sie manchmal furchtbar langweilig sein kann.
Im Maximilianeum ist der Landtag des Freistaates untergebracht. Wir hatten nicht nur die Gelegenheit zu sehen, wie ein Landtagskorrespondent arbeitet, sondern konnten uns eine Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses ansehen. Leider haben wir den gerade unspannenden Teil erwischt. Ein Bericht über den Wettbewerb der Eisenbahnfirmen in Bayern wurde vorgestellt. In einer Stunde (!) erfuhren wir: Alles supi! Glücklicherweise hakten danach die Abgeordneten nach und merkten an, dass lange nicht alles so gut läuft wie dargestellt. Übervolle Züge, zu wenige Fahrradmitnahmewaggons usw.
Der Vorsitzende dieses Ausschusses ist Erwin Huber. Den kennen wir noch als nicht gerade erfolgreichen CSU-Vorsitzenden. In einem Hintegrundgespräch erzählte er uns später, wie er in den vergangenen Jahrzehnten die Pressearbeit mit Journalisten empfand. Den Inhalt kann ich hier leider nicht wiedergeben, da aus besagten Hintergrundgesprächen nicht zitiert werden darf. Aber ich kann sagen, dass es sehr erhellend war, auch was die Krisenzeit rund um seinen Rücktritt angeht.

Inzwischen ist es 1.37 Uhr, in der Lounge ist noch erstaunlich viel Betrieb. Leider haben sie hier keine Michael-Jackson-CD. Wäre ein passender Anlass gewesen.
Und das junge Paar steht immer noch am Tresen. Diesmal klammert er. Ob sich das wohl wieder einrenkt?

RTZapper

Michael Jackson ist tot

Freitag, den 26. Juni 2009
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Der King Of Pop ist gestorben. Michael Jackson wurde nur 50 Jahre.
Die Meldung traf uns vor wenigen Minuten, gegen 0.45 Uhr, wie ein Keulenschlag. Schließlich war Jackson in den 80ern und 90ern einer der stilprägendsten Musiker der Welt. Es wird wahrscheinlich kaum jemanden geben, der keinen Michael-Jackson-Hit kennt.
Von “Thriller” bis “Heal The World”, alles großartige Hits (und Videoclips) für die Ewigkeit.
Auch wenn er am Ende eher durch Skandale und seine Krankheiten Schlagzeilen machte: Michael Jackson war ein Genie.

RTelenovela

Volojahre (27): Johnny und der böse Zeitungsleser

Donnerstag, den 25. Juni 2009
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(26) -> 19.6.2009

Mittwochabend. Inzwischen ist es 23.44 Uhr, wir sitzen in der Lounge unseres H(M)otels, und Kollege R. hat noch eine wichtige Botschaft für die Leser dieser Seite. Bitteschön, Kollege R.:

“Der größte, gewaltigste, bewegenste Moment der Musikgeschichte fand in einer verranzten, stinkigen Umkleidekabine statt: Johnny Cash singt gemeinsam mit Bob Dylan “I Still Miss Someone”. Mit dieser Botschaft habe ich soeben Roberts Leben verändert, und auch Eures: Reset Button

Dankeschön, Kollege R.
Musik hören wir allerdings nur, wenn ich meinen Laptop bei unseren abendlichen Treffen in der Lounge dabei habe. Das Musikrepertoire des gestrigen Abends: Münchner Freiheit (die müssen in München einfach sein), die Flippers (nach dieser Sendung ein Dauerohrwurm), Beautiful South, Black Föös und Truck Stop (die ja in unserem Hotel wohn(t)en).

In unseren Seminaren an der Akademie geht es nicht immer so locker zu. Da wollen und sollen wir ja auch etwas lernen. Und wir lernen auch etwas. Gute Theaterkritiken zu schreiben (meine kam recht gut weg, bis auf ein paar Floskeln) zum Beispiel. Oder gute Überschriften, Zwischentitel und Bildunterschriften zu kreieren. Ich denke, da können wir tatsächlich etwas für unseren Arbeitsalltag mitnehmen.
Allerdings haben wir es mit unseren Dozenten nicht immer ganz einfach.
So wurde Kollege R. (siehe oben) gestern angeraunzt. Er hatte noch die Süddeutsche Zeitung offen vor sich zu liegen. Der Dozent sprach ihn an, ob er es nicht unfair gegenüber seinen Kollegen fände, wenn er jetzt hier lesen würde. In Wirklichkeit war es seinen Kollegen (also uns) völlig egal, ob er Zeitung liest, an den Tagen davor habe ich zwischendurch auch mal den Münchner Merkur und die Abendzeitung durchgeblättert. Eigentlich störte es nur den Dozenten selbst, und es wäre schön gewesen, wenn er das auch so gesagt und nicht uns ins Spiel gebracht hätte. Genau das ist nämlich unfair. Die Stimmung war jedenfalls dahin, und der Dozent unten durch. Er selbst kaute übrigens Kaugummi, während er uns seine Ansichten erzählte. Finde ich auch irgendwie unfair…

Morgen, am Donnerstag, sind wir im Maximilaneum, im bayerischen Landtag. Wir sind bei einem Ausschuss dabei, der über den Münchner Nahverkehr tagt und treffen danach unter anderen Erwin Huber, den total glorreichen Ex-CSU-Chef. Mal sehen, ob uns ein paar harte Fragen einfallen. So was wie: Warum er als Vorsitzender seiner Partei so erfolgreich war. Oder so.

aRTikel

Das Grauen beim Kuchenessen

Donnerstag, den 25. Juni 2009
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Jelineks „Rechnitz“ an den Münchner Kammerspielen

Übungstext für die Akademie der Bayerischen Presse, 24.6.2009

Wenn man 180 Leute erschossen hat, dann ist der Rest kein Problem mehr. Und das Vergraben der Leichen klappt dann auch schon. Während die Protagonisten auf der Bühne das Unheimliche aussprechen, verspeisen sie ganz gemütlich ein Hühnerbeinchen nach dem nächsten.

Es geht um Mord. Um heimtückischen Mord an 200 Menschen. Umgekommen kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in Rechnitz, an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Die Autorin Elfriede Jelinek brachte das Grauen auf die Bühne. Weniger in Bildern, mehr in Worten. Ein paar Bilder mehr wären allerdings an einigen Stellen ganz hilfreich gewesen.
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ unter der Regie von Jossi Wieler wurde am Dienstagabend an den Münchner Kammerspielen aufgeführt.

Das Unfassbare spielte sich in der Nacht zum 25. März 1945 auf Schloss Rechnitz ab. SS-Offiziere, Gestapoführer und einheimische Nazis feierten ein „Gefolgschaftsfest“. Sie tranken, tanzten – und mordeten. Während dieser Party wurden fast 200 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. Vorher mussten sie sich nackt ausziehen und brutalste Gewalt über sich ergehen lassen. Unter den Partygästen verteilte der NSDAP-Ortsgruppenleiter dazu an ausgewählte Gäste Waffen – unter ihnen auch Graf und Gräfin Batthyány, die Besitzer des Schlosses. Die „Gastgeber der Hölle“.
Bis heute ist unklar, wo sich die Massengräber von Rechnitz befinden, der kleine Ort mit 3000 Einwohnern ist auch 2009 noch gezeichnet von dem Schrecken, geredet wird ungern über dieses schwarze Kapitel.

Elfriede Jelinek nahm das nicht hin, verarbeitete das Grauen stattdessen in einem Theaterstück. Die Tat selbst lässt sich offenbar auf der Bühne nicht darstellen. Stattdessen stehen den Zuschauern fünf Boten gegenüber, Berichterstatter, Zeugen des Verbrechens. Nach und nach erzählen sie, was geschehen ist, kommentieren, ordnen ein. Nebenher amüsieren sie sich, rekeln sich auf dem Boden, mampfen Kuchen. Eine Verhöhnung der Opfer.
Geschichtsaufarbeitung über Berichte von Zeitzeugen, die jedoch mehr als Zeitzeugen sind, vielleicht sogar Täter.
Doch das Konzept, das sich Jelinek für die Darstellung dieser Geschichtsepisode ausgedacht hat, geht nicht auf. Zu statisch bleibt das Erzählte. Zu eintönig auch Jossi Wielers Inszenierung. Das Grauen überträgt sich nur sehr selten. Nur dann, wenn die Einflüsse von außen auch auf die Bühne und in den Zuschauerraum dringen. Als Schüsse von allen Seiten zu hören sind, kommt ein Gruselschauer auf: Wenn sich die Boten unter Kopfhörern verschanzen, weil sie vom Beschuss nichts hören wollen. Ansonsten aber wird der Zuschauer über weite Strecken auf eine Geduldsprobe gestellt. Lange braucht er, um zu erfahren, worum es überhaupt geht in dem Stück. Ohne Vorwissen ist das Geschehen kaum zu begreifen.
An den Schauspielern liegt es nicht. Im Gegenteil: Katja Bürkle, André Jung, Hans Kremer, Steven Scharf und Hildegard Schmahl beeindrucken durch ihre Natürlichkeit. Sie sprechen 110 Minuten lang, als ob sie spontan daherplaudern. Manchmal kommt gar beschauliche Klassenfahrtatmosphäre auf, als wenn sich abends alle noch einmal treffen und dann jeder etwas erzählt.
Doch die Texte, so ganz ohne Anschauung, führen leider nur selten dazu, dass der Zuschauer gepackt wird, emotional getroffen ist.
Mit ihrem Stück scheint Elfriede Jelinek vor allem ein gehobenes Publikum erreichen zu wollen, denn den Otto-Normalbürger wird sie damit überfordern, ja, vielleicht sogar langweilen. Womit sie das Potenzial dieser unheimlichen Geschichte nicht ausgeschöpft hat. Szenen, wie die speisende Gruppe, die über Morde plaudert, können ein dramaturgischer Kniff sein – ein ganzes, langes Stück trägt diese Idee jedoch nicht.