Tagesarchiv für 25. Juni 2009

RTelenovela

Volojahre (27): Johnny und der böse Zeitungsleser

Donnerstag, den 25. Juni 2009
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(26) -> 19.6.2009

Mittwochabend. Inzwischen ist es 23.44 Uhr, wir sitzen in der Lounge unseres H(M)otels, und Kollege R. hat noch eine wichtige Botschaft für die Leser dieser Seite. Bitteschön, Kollege R.:

“Der größte, gewaltigste, bewegenste Moment der Musikgeschichte fand in einer verranzten, stinkigen Umkleidekabine statt: Johnny Cash singt gemeinsam mit Bob Dylan “I Still Miss Someone”. Mit dieser Botschaft habe ich soeben Roberts Leben verändert, und auch Eures: Reset Button

Dankeschön, Kollege R.
Musik hören wir allerdings nur, wenn ich meinen Laptop bei unseren abendlichen Treffen in der Lounge dabei habe. Das Musikrepertoire des gestrigen Abends: Münchner Freiheit (die müssen in München einfach sein), die Flippers (nach dieser Sendung ein Dauerohrwurm), Beautiful South, Black Föös und Truck Stop (die ja in unserem Hotel wohn(t)en).

In unseren Seminaren an der Akademie geht es nicht immer so locker zu. Da wollen und sollen wir ja auch etwas lernen. Und wir lernen auch etwas. Gute Theaterkritiken zu schreiben (meine kam recht gut weg, bis auf ein paar Floskeln) zum Beispiel. Oder gute Überschriften, Zwischentitel und Bildunterschriften zu kreieren. Ich denke, da können wir tatsächlich etwas für unseren Arbeitsalltag mitnehmen.
Allerdings haben wir es mit unseren Dozenten nicht immer ganz einfach.
So wurde Kollege R. (siehe oben) gestern angeraunzt. Er hatte noch die Süddeutsche Zeitung offen vor sich zu liegen. Der Dozent sprach ihn an, ob er es nicht unfair gegenüber seinen Kollegen fände, wenn er jetzt hier lesen würde. In Wirklichkeit war es seinen Kollegen (also uns) völlig egal, ob er Zeitung liest, an den Tagen davor habe ich zwischendurch auch mal den Münchner Merkur und die Abendzeitung durchgeblättert. Eigentlich störte es nur den Dozenten selbst, und es wäre schön gewesen, wenn er das auch so gesagt und nicht uns ins Spiel gebracht hätte. Genau das ist nämlich unfair. Die Stimmung war jedenfalls dahin, und der Dozent unten durch. Er selbst kaute übrigens Kaugummi, während er uns seine Ansichten erzählte. Finde ich auch irgendwie unfair…

Morgen, am Donnerstag, sind wir im Maximilaneum, im bayerischen Landtag. Wir sind bei einem Ausschuss dabei, der über den Münchner Nahverkehr tagt und treffen danach unter anderen Erwin Huber, den total glorreichen Ex-CSU-Chef. Mal sehen, ob uns ein paar harte Fragen einfallen. So was wie: Warum er als Vorsitzender seiner Partei so erfolgreich war. Oder so.

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aRTikel

Das Grauen beim Kuchenessen

Donnerstag, den 25. Juni 2009
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Jelineks „Rechnitz“ an den Münchner Kammerspielen

Übungstext für die Akademie der Bayerischen Presse, 24.6.2009

Wenn man 180 Leute erschossen hat, dann ist der Rest kein Problem mehr. Und das Vergraben der Leichen klappt dann auch schon. Während die Protagonisten auf der Bühne das Unheimliche aussprechen, verspeisen sie ganz gemütlich ein Hühnerbeinchen nach dem nächsten.

Es geht um Mord. Um heimtückischen Mord an 200 Menschen. Umgekommen kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in Rechnitz, an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Die Autorin Elfriede Jelinek brachte das Grauen auf die Bühne. Weniger in Bildern, mehr in Worten. Ein paar Bilder mehr wären allerdings an einigen Stellen ganz hilfreich gewesen.
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ unter der Regie von Jossi Wieler wurde am Dienstagabend an den Münchner Kammerspielen aufgeführt.

Das Unfassbare spielte sich in der Nacht zum 25. März 1945 auf Schloss Rechnitz ab. SS-Offiziere, Gestapoführer und einheimische Nazis feierten ein „Gefolgschaftsfest“. Sie tranken, tanzten – und mordeten. Während dieser Party wurden fast 200 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. Vorher mussten sie sich nackt ausziehen und brutalste Gewalt über sich ergehen lassen. Unter den Partygästen verteilte der NSDAP-Ortsgruppenleiter dazu an ausgewählte Gäste Waffen – unter ihnen auch Graf und Gräfin Batthyány, die Besitzer des Schlosses. Die „Gastgeber der Hölle“.
Bis heute ist unklar, wo sich die Massengräber von Rechnitz befinden, der kleine Ort mit 3000 Einwohnern ist auch 2009 noch gezeichnet von dem Schrecken, geredet wird ungern über dieses schwarze Kapitel.

Elfriede Jelinek nahm das nicht hin, verarbeitete das Grauen stattdessen in einem Theaterstück. Die Tat selbst lässt sich offenbar auf der Bühne nicht darstellen. Stattdessen stehen den Zuschauern fünf Boten gegenüber, Berichterstatter, Zeugen des Verbrechens. Nach und nach erzählen sie, was geschehen ist, kommentieren, ordnen ein. Nebenher amüsieren sie sich, rekeln sich auf dem Boden, mampfen Kuchen. Eine Verhöhnung der Opfer.
Geschichtsaufarbeitung über Berichte von Zeitzeugen, die jedoch mehr als Zeitzeugen sind, vielleicht sogar Täter.
Doch das Konzept, das sich Jelinek für die Darstellung dieser Geschichtsepisode ausgedacht hat, geht nicht auf. Zu statisch bleibt das Erzählte. Zu eintönig auch Jossi Wielers Inszenierung. Das Grauen überträgt sich nur sehr selten. Nur dann, wenn die Einflüsse von außen auch auf die Bühne und in den Zuschauerraum dringen. Als Schüsse von allen Seiten zu hören sind, kommt ein Gruselschauer auf: Wenn sich die Boten unter Kopfhörern verschanzen, weil sie vom Beschuss nichts hören wollen. Ansonsten aber wird der Zuschauer über weite Strecken auf eine Geduldsprobe gestellt. Lange braucht er, um zu erfahren, worum es überhaupt geht in dem Stück. Ohne Vorwissen ist das Geschehen kaum zu begreifen.
An den Schauspielern liegt es nicht. Im Gegenteil: Katja Bürkle, André Jung, Hans Kremer, Steven Scharf und Hildegard Schmahl beeindrucken durch ihre Natürlichkeit. Sie sprechen 110 Minuten lang, als ob sie spontan daherplaudern. Manchmal kommt gar beschauliche Klassenfahrtatmosphäre auf, als wenn sich abends alle noch einmal treffen und dann jeder etwas erzählt.
Doch die Texte, so ganz ohne Anschauung, führen leider nur selten dazu, dass der Zuschauer gepackt wird, emotional getroffen ist.
Mit ihrem Stück scheint Elfriede Jelinek vor allem ein gehobenes Publikum erreichen zu wollen, denn den Otto-Normalbürger wird sie damit überfordern, ja, vielleicht sogar langweilen. Womit sie das Potenzial dieser unheimlichen Geschichte nicht ausgeschöpft hat. Szenen, wie die speisende Gruppe, die über Morde plaudert, können ein dramaturgischer Kniff sein – ein ganzes, langes Stück trägt diese Idee jedoch nicht.

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RT im Kino

Alle anderen

Donnerstag, den 25. Juni 2009

Chris liebt Gitti. Er liebt sie sogar sehr. Nur sagen kann er ihr das nicht. Außer vielleicht beim Sex, kurz vor dem Höhepunkt.
Das Paar verbringt den ersten gemeinsamen Urlaub. Auf Sardinien bewohnen sie das Haus von Chris’ Eltern. Doch die beiden machen es sich nicht einfach.
Chris (Lars Eidinger) ist Architekt, doch die Auftragslage nicht so rosig aus. Gitti (Birgit Minichmayr) versucht, ihn trotzdem zu unterstützen. Wenn er doch aber mehr über seine Arbeit erzählen würde. Chris ist wortkarg, verschließt sich ihr gegenüber.
Als ein Hans (Hans-Jochen Wagner), ein ehemaliger Studienfreund von Chris, auftaucht, sprudelt es plötzlich aus Gittis Freund heraus. Und überhaupt ist Chris plötzlich ganz anders: abweisend, sich nicht auf ihre Seite stellend.
Aber auch Chris ist genervt. Er sucht nach Normalität, die ihm Gitti nicht liefern will. Liefern kann. Er hat das Gefühl, eingeengt zu sein.
Die Beziehung der beiden scheint vor dem Aus zu stehen.

Einen Applaus für diesen Film!
Maren Ade seziert in “Alle anderen” die Szenen einer offenbar noch jungen Beziehung. Auf den Punkt genau beobachtet sie auch kleinste Nuancen im Zusammenspiel von Chris und Gitti. Sie zeigt das Scheitern, die Trauer, die Wut, aber auch die Freude, die Liebe, die Geilheit.
Unter Magenschmerzen verfolgt der Zuschauer, wie die beiden agieren. Wie sie klammert. Wie er sich entfernt. Und die Sehnsucht, die trotzdem da ist.

In diesem Film wird sehr viel gesprochen, meistens spielen nur Eidinger und Minichmayr. Aber der Zuschauer hängt an ihren Lippen, ist gespannt (und völlig ahnungslos), wie es weitergeht.
Die beiden Hauptdarsteller rauben einem den Atem, sie spielen, als hätten sie die Kamera komplett vergessen. Die Dialoge wirken extrem natürlich, wie in einem heimlichen gefilmten Homevideo. Eine fantastische Leistung. Die Thesterherkunft ist unverkennbar.

“Alle anderen” wirkt noch lange nach, Diskussionen sind im Anschluss garantiert. Über Männer, Frauen und Beziehungen.

10/10

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RTZapper

Achtung Kontrolle! Einsatz für die Ordnungshüter

Donnerstag, den 25. Juni 2009
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DI 23.06.2009 | 19.05 Uhr | kabeleins

Heutzutage ist man nirgends mehr vor dem Fernsehen sicher. Die kommen auch zu uns in die Wohnung, wenn wir es gar nicht wollen. Oder gar nicht von wissen.
Jeden Abend begleitet ein Kamerateam von kabeleins Ordnungshüter im Einsatz. Mal sind es Verkehrspolizisten, mal Leute vom Ordnungsamt. Am Dienstag waren Geldeintreiber an der Reihe.

Und das ist doch besonders nett: Da steht also nicht nur der Mann mit dem Kuckuck vor der Tür, sondern auch noch die Leute vom Fernsehen. Als ob die Leute nicht schon genug Probleme haben.
Und wenn niemand zu Hause ist? Dann kommt der Schlüsseldienst, bricht die Wohnungstür auf und schon sind Gerichtsvollzieher und Kamerateam drin. Ob denn auch gefilmt werden darf, das fragt niemand. Schubladen werden geöffnet, die Playstation beschlagnahmt, Bilder angesehen. Und das alles mit einem Millionenpublikum. Toll ist es ganz sicher nicht, auf diese Weise die eigene Wohnung im kabeleins-Programm zu sehen…

Allerdings weiß ja sowieso niemand, wie real diese Dokureihen tatsächlich sind, ob die gezeigten Fälle nicht komplett gefaked sind.

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