Tagesarchiv für 12. Juni 2009

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Wendejahr 1989: Wie zu Hause auf dem Roten Platz

Freitag, den 12. Juni 2009
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Geschichte: Am 12. Juni 1989 reiste Michail Gorbatschow nach Bonn und wurde mit großem Jubel empfangen

MAZ, 12.6.2009

BONN
Das Bild vom Bonner Marktplatz ging um die Welt: der kleine Heinrich Christian mit seiner Lederhose auf dem Arm von Michail Gorbatschow, liebevoll umsorgt von dessen Ehefrau Raissa. Heute ist das Foto im Bonner „Haus der Geschichte“ zu sehen. Der Jubel in der damaligen Bundeshauptstadt kannte am 13. Juni 1989 keine Grenzen. Tausende Menschen wollten das Ehepaar Gorbatschow sehen. Sprechchöre riefen „Gorbi, Gorbi!“ Er fühle sich wie zu Hause auf dem Roten Platz, sagte der Chef der Kommunistischen Partei danach. Bisher war so eine Atmosphäre eher von den Besuchen Kennedys und de Gaulles bekannt.

Der Besuch von Michail Gorbatschow in der Bundesrepublik vom 12. bis 15. Juni 1989 stellte eine Wende in den deutsch-sowjetischen Beziehungen dar. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und sein Gast aus der Sowjetunion die Absicht, die „Zusammenarbeit in allen Bereichen auf der Grundlage des Vertrauens konsequent weiter auszubauen“. Beide bekannten sich zum Selbstbestimmungsrecht der Völker. Die Anknüpfung an europäische Traditionen könne die Teilung Europas überwinden. Gorbatschow räumte den Partnern im Warschauer Pakt volle Selbstbestimmung bei der Entwicklung eigener Reformen und Gesetzen ein.
Gorbatschow weiter: „Die Völker haben genug von Konfrontation und Kaltem Krieg. Wir sind aus der Periode des Kalten Krieges heraus.“

Kein Thema während der Gespräche war die deutsche Wiedervereinigung, jedenfalls nicht offiziell. Dass die Mauer in Berlin aber nicht mehr allzu lange stehen dürfe, wurde aber durchaus von Bonner Seite angesprochen. Gorbatschow argumentierte, dass sie weg könne, wenn die Bedingungen, die es für ihren Bau gegeben habe, entfielen. So hatte es Erich Honecker auch schon im Januar 1989 verkündet. Zum Umgang mit der DDR sagte Gorbatschow: „Machen Sie mit der DDR, was Sie zustande bringen. Es wird sich was bewegen.“

Die Meinungen über den Staatsbesuch waren gespalten. Von einem historischen Ereignis zu reden, sei keine Floskel, kommentierte die Hessische/Niedersächsische Allgemeine. „Das Ergebnis ist positiv’.“ Die Stuttgarter Zeitung dagegen störte sich am Bonner Jubel und bezeichnete ihn als paradox. Jahrzehntelang habe man sich vor dem Russen gefürchtet, nun würde den Reportern vor Rührung die Stimme wegbrechen.

Helmut Kohl kündigte am Rande der Gespräche den Gegenbesuch an. Als er tatsächlich im Sommer 1990 zu Gorbatschow reiste, lag der Mauerfall schon Monate zurück, und das Gesprächsthema der beiden war die deutsche Wiedervereinigung.

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Germany’s Next Showstars

Freitag, den 12. Juni 2009
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DO 11.06.2009 | 20.15 Uhr | ProSieben

ProSieben sucht “DJ Bobos Next Vorgruppe”. Da das aber entschieden zu poplig klingt, bekam die langweilige Castingsendung den Titel “Germany’s Next Showstar”.
Nun gut, DJ Bobo hatte es nicht einfach in letzter Zeit. Beim Eurovision Song Contest war er vor zwei Jahren peinlicherweise schon im Halbfinale gescheitert, und auch sonst ist er nicht mehr sehr oft in den Medien vertreten. Damit sich überhaupt noch jemand für ihn interessiert, setzt er sich nun in ein Studio, um sich vor Fernsehpublikum seine eigene Vorband für die nächste Tournee zu suchen.
Ganz schön öde. Und irreführend, denn Deutschlands nächsten Showstar wird in dieser Sendung ganz bestimmt nicht gefunden.

Völlig unklar ist auch, wonach der DJ eigentlich sucht: Bands, die wirklich Klasse hatten, lehnten er und seine nicht wirklich stimmberechtigten (und ganz schön ahnungslosen) Beisitzer Verona Pooth und Elton ab. Sie würden nicht ins Konzept passen. Vielleicht waren sie aber einfach nur zu gut für den DJ-Bobo-Gesangs-und-Tanzabend. So stellten sich auch die Jungs von der A-cappella-Band Yeomen der Jury. Doch auch sie scheiterten.

Eigentlich kann jeder Teilnehmer glücklich sein, wenn er rausfliegt. So bleibt ihm oder ihnen wenigstens das DJ-Bobo-Vorprogramm-Dasein erspart. Und uns im Übrigen hoffentlich bald diese völlig überflüssige Sendung.

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