Tagesarchiv für 1. April 2009

RTZapper

WipeOut – Heul nicht, lauf!

Mittwoch, den 1. April 2009
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DI 31.03.2009 | 20.15 Uhr | ProSieben

Leute, die einen üblen Parcours bewältigen müssen, dabei ständig in eine Dreckbrühe fallen. Zwei Kommentatoren, die ihre Gags wie in schlecht synchronisierten Infomercials darbieten. Das ist “WipeOut – Heul nicht, lauf!” bei ProSieben.
Und ich muss gestehen: Ich mag die Show. Ich finde sie lustig, ich muss drüber lachen, wenn die Leute in den Dreck fallen oder mit seltsamen Bewegungen von den Mauern, Bällen oder Pfälen plumpsen.
Als ich noch ein Kind war, lief im ARD-Nachmittagsprogramm die Show “Zu Lande, zu Wasser und in der Luft”, in der Leute mit merkwüdigen Fahrzeugen eine Schanze runterrasten und ins Wasser rauschten. Schlappgelacht habe ich mich damals.
Die Show nun auf ProSieben ist ähnlich, und erinnert auch ein wenig an “Takeshi’s Castle”.
Klar, das Niveau ist platt, und Schadenfreude ist auch unfein, aber ich kann nicht anders, als es lustig zu finden. Auch die Witzkommentare von Matthias Opdenhövel und Werner Hansch. Find’ ich kultig!

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aRTikel

Techno in der Vehlefanzer Idylle

Mittwoch, den 1. April 2009
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Ein Mecklenburger Fleischermeister will in Oberhavel Jugendarbeit betreiben

MAZ Oranienburg, 1.4.2009

Hans-Christian Grubenheimer plant ein Jugendcamp am Vehlefanzer Mühlensee.

RT/Max Zimmermann

OBERHAVEL
Dunkle Wolken ziehen über das Wasser. Nieselregen fällt auf den schlammigen Boden, der den Füßen nur wenig Halt bietet. Das Gelände um den Vehlefanzer Mühlensee sieht zurzeit so aus, als würde es noch tief im Winterschlaf feststecken.
Im Juli und August hat die Idylle jedoch ein Ende. Gleich zwei Großveranstaltungen sind im Sommer in Vehlefanz geplant. Neben dem alljährlich stattfindenden Sommerlager der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde wird es einen zweiten Jugendtreffpunkt geben. Die Rede ist vom einem “Jugendcamp zur Selbstfindung”. Stattfinden soll es vom 31. Juli bis 9. August 2009.
Veranstalter ist Hans-Christian Grubenheimer. Er betreibt im mecklenburgischen Neustrelitz die Kette “Fleischer-Hans” und ist in der Region nördlich von Fürstenberg für seine umfassende Jugendarbeit bekannt. “Eingeladen sind junge Leute im Alter von zwölf bis 20 Jahren”, so Grubenheimer. Im Camp können die Jugendlichen Musik machen und Instrumente erlernen. Im Ortskern von Vehlefanz soll es jeden Abend Konzerte geben.
Die Jugendlichen werden an den verschiedenen Tagen aber auch lernen, wie sie in der Natur zurechtkommen, und wie sie Tiere, die sie am Mühlensee einfangen, weiterverwerten können.
Dass sich das Jugendcamp am ersten Wochenende mit dem unter anderen von Karl-Dietmar Plentz organisierten Sommerlager überschneidet, ist für Grubenheimer kein Problem: “In den ersten drei Tagen beschallen wir den Mühlensee mit einer großen Technoparty”, kündigt er an. Sie beginnt am Freitag, 31. Juli, gegen 20 Uhr und endet am Sonntag danach um 18 Uhr. “Die Kinder des nebenan stattfindenden Kirchenlagers sind dazu natürlich herzlich eingeladen.”“
Die Sommeraktion ist für Hans-Christian Grubenheimer der Beginn seiner Wirtschafts- und Jugendaktivitäten in Oberhavel. Bisher betreibt er die Kette “Fleischer-Hans”“nur im Landkreis Mecklenburg-Strelitz. Im Juli will er in Oberkrämer das erste Geschäft eröffnen. “Aus rechtlichen und organisatorischen Gründen möchte ich meine Investitionspläne aber noch geheim halten”, erklärt Grubenheimer.
Nur eins steht für den 45-Jährigen langfristig fest: Er möchte die Jugendarbeit rund um Oranienburg nachhaltig prägen. Sein erstes Projekt ist dabei jedoch nicht das Sommerlager am Mühlensee. In wenigen Wochen, am 18. April, wird Grubenheimer mit einer Aktion beim Oranienburger Autofrühling die angehenden Abiturienten in Oberhavel unterstützen. “Ich stelle einen meiner Fleischkühltransporter zur Verfügung”, kündigt er an. Er soll auf der Bernauer Straße über eine Distanz von 450 Metern gezogen werden. Der Clou ist aber der Inhalt des Lkw: “Er ist vollgepackt mit Fleischwaren, die beim Abiball des Gewinnerjahrgangs verzehrt werden können”, sagt der “Fleischer-Hans”-Chef. “Es hätte auch ein Trabant sein können, aber die Idee habe ich verworfen, das fand ich zu lumpig.”“
Langfristig will Grubenheimer in Oberhavel mehrere Jugendzentren eröffnen. In Vehlefanz, Teerofen, und Siedlung II, einem Ortsteil von Zehdenick, hat er sich bereits Grundstücke angesehen. Probleme gebe es jedoch vor allem in Teerofen, weil dort für den Bau des Zentrums ein vier Hektar großes Waldstück gefällt werden muss.

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Anmerkung, 2.4.09:
Dies ist ein Aprilscherz!!

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RTZapper

ProChrist 2009 – Zweifeln und Staunen: Ersehnt – Kann man Gott beweisen?

Mittwoch, den 1. April 2009
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DI 31.03.2009 | 19.30 Uhr | ERF eins

Einmal im Jahr zeigt die Freikirche, wie man am besten großes Fernsehen mit astreiner Kirchen-PR vermengt. Mit den Veranstaltungen in der Reihe “ProChrist” sollen neue Mitglieder geworben werden. Oder mit den Worten der Freikirchler: sich für Gott öffnen.
Achtmal wird “ProChrist” in diesem Jahr aus Chemnitz übertragen. Neben der Live-Ausstrahlung auf dem Religionssender ERF eins sind etwa 1000 Gemeinden in Europa dabei, darunter auch Oranienburg und Falkensee. Dort wird das Event auf große Leinwände übertragen.
Das Konzept bei den Freikirchen-Events ist immer gleich: Erst die große Show mit Gesang. Dann die langsame Hinführung zum Thema mit einem Betroffeneninterview. Am Ende die Predigt. Die lange Predigt.
Das Thema am Dienstag hieß: “Ersehnt – Kann man Gott beweisen?”
Die Show beginnt wie der Eurovision Song Contest: eine riesige Halle, lange Kamerafahrten über die Menge, eine Megabühne mit einem Orchester und einem Chor, die mindestens 200 Leute umfassen. Klotzen statt kleckern.
Moderator Jürgen Werth erklärt leicht onkelhaft worum es geht: Gibt es den wissenschaftlichen Beweis, dass es Gott gibt? Aber erst mal beten: “Herr, viele wissen gar nicht, ob es dich gibt.”
Später kam der Mikrobiologe Siegfried Scherer zu Wort. Mit 15 ist er aus der Kirche ausgetreten, dann aber, bei biologischen Experimenten in der Schule, überkam ihm die Ehrfurcht vor den Dingen, die er rausfand. Er hat gesehen, wie wunderbar die Natur ist, und das kann doch nicht zufällig sein.
Nun ja, ich denke das auch oft. Komme aber zu einem anderes Ergebnis als Scherer. Und was ist nun mit dem Beweis? In der Wissenschaft müssse sich das Ergebnis eines Experimentes immer wiederholen. Das sei bei Gott aber nicht möglich. Andererseits könne man auch nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt. Die Auferstehung von Jesus könne auch nicht bewiesen werden, so Scherer, man könne es glauben oder nicht.
Ein bisschen schwammig, das Ganze. Überzeugend jedenfalls nicht. Weiter findet Scherer, dass Gott auch nicht in den Biologie-Unterricht gehöre, da müsse die Evolutionstheorie unterrichtet werden. Gott gehöre in den Religionsunterricht. Zum Schluss sagte Scherer noch, er sei durch die Forschung dem Glauben näher gekommen. Was irgendwie überraschend ist, wenn er als Forscher genau die Frage nicht beantworten kann, um die es den ganzen Abend gehen sollte.
Und dann, nach 25 Minuten, kam er: Ulrich Parzany, der Prediger der Freikirche. Ganz ohne Ankündigung.
Die Show war passé, nun erzählte nur noch Parzany. Während der 50-minütigen Rede gab es genau einen Umschnitt der Kamera und einen kurzen Einspieler. Also nur noch er: Parzany. Keine Ablenkungen, bitte.
Parzany ist ein brillanter Redner, er weiß genau, wie er Mimik, Gestik und seine Stimme einsetzen muss, um eine Wirkung zu erzielen. Er plaudert, er lächelt, dann wird er wieder ernst, spricht lauter, nervöser, wird sogar wütend, macht wilde Armbewegungen, wenn er etwas bekräftigen will. So packt er seine Schäfchen. Auch durch Wörter wie cool und Body statt Körper. Zeitgemäß eben, sehen ja auch Jugendliche zu.
Parzany legt gleich los. Der Beweis, dass es Gott nicht gibt? Das ziehe nicht mehr, das verdumme nur die Menschen.
Er erzählt die Geschichte von einer Mutter im 19. Jahrhundert. Ihr Kind lag totkrank mit Diphterie im Bett, hochansteckend. Die Mutter durfte nicht zu ihr, doch das Kind rief nach ihr, herzzerreißend. Die Mutter konnte nicht anders, nahm das Kind in den Arm, steckte sich an. Beide starben. Parzanys großer Augenblick. Beide. Starben. – Pause. Schweigen. Ein erschütterndes Bild der Liebe, so der Prediger. Der Beweis dafür, was Gott bewegen könne. Wieso das so ist, sagt er nicht. Wieso da nun gerade Gott seine Hand im Spiel hatte.
Parzany spricht von der Pest der Gottesvergessenheit und wird laut und energisch. Wer sich abwende, stecke sich an. Parzanys Haltung und Stimme sind drohend, machen Angst.
Und der Beweis? Wie gesagt, es gibt ihn nicht. Zumal folgender Vergleich hinkt: Ein Mann könne sich bei seiner Frau (ein eventueller Mann anstelle der Frau wird hier natürlich nicht in Betracht gezogen, aber das ist ein Thema für sich) auch nie sicher sein, ob sie es ehrlich meine, wenn sie sagt: Ich liebe dich. Bei der Liebe zu Gott sei das auch so. Wobei natürlich ein realer Partner mit einem (zumindest nicht bewiesenen) Gott schlecht zu vergleichen ist.
Die Predigt endet, wie immer, mit der direkten Ansprache, der Werbung. Jetzt komm! Er, der Herr, wolle anfangen, mit dir zu sprechen, so Parzany. Wenn man das wolle, solle man aufstehen, nach vorne gehen. Wo immer man sei – in Chemnitz vor Ort oder in den 1000 Gemeinden. Klaviermusik setzt ein, es wird gesungen. Tatsächlich füllt sich die Fläche vor der Bühne. Als einer der Willigen sich mitten auf das auf den Boden gemalte Kreuz stellt, schiebt ihn Parzany zur Seite. Sah wahrscheinlich blöd aus im Fernsehen.
Das war dann das Ende der Show. Nach großem Entertainment verengte sich der Fokus radikal auf den einen Redner mit seiner Botschaft. Clever ausgeführt, sicherlich oft die gewollte Wirkung nicht verfehlend. Auch wenn die Argumente letztlich doch erstaunlich schwammig waren. Andererseits ist offenbar genau das die Botschaft: einfach dran glauben.
Die Freikirche weiß, wie Leute umgarnt und angeworben werden können.
Der Spuk geht noch bis zum Sonntag.

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