Tagesarchiv für 28. März 2009

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Schlafende Kühe und Fummeleien an den Uhren

Samstag, den 28. März 2009
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Sommerzeit: Kommende Nacht wird uns eine Stunde geklaut / Die MAZ hörte sich um und fragte nach den Auswirkungen im Havelland

MAZ Falkensee, 28.3.2009

HAVELLAND
Der morgige Sonntag hat nur 23 Stunden. Das bedeutet: eine Stunde weniger Wochenende. Wie ärgerlich! Andererseits bleibt es dann am Abend länger hell. Heute Nacht werden die Uhren um 2 Uhr um eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt.
Aber welche Auswirkungen hat es, wenn uns die Zeit gestohlen wird? Wer stellt die Bahnhofsuhren um? Wird der Mittagsschlaf in den Kindergärten verschoben? Werden die Kühe früher gemolken? Muss der Uhrmacher in seinem Geschäft eine Sonderschicht einlegen? Die MAZ hörte sich im Havelland um.

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Noch sind die Kühe in den Ställen der Agro-Glien-GmbH in Paaren im Glien recht gelassen. Jeden Tag ab 4 Uhr und 15.30 Uhr werden die 220 Tiere gemolken. Ab Sonntag, nach der Zeitumstellung, eine Stunde früher. „Wenn wir dann am Morgen anfangen, sind die Kühe sehr müde und schlafen teilweise noch“, erzählt Jan Tempel, Chef der Agro-Glien-GmbH. Im Herbst, wenn die Uhren wieder zurück gestellt werden, ist das Problem nicht so gravierend. Dann kämpfen die Tiere eher mit zwickenden Eutern.

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Kommende Nacht um 2 Uhr wird es auch bei der Bahn spannend. Bundesweit müssen 120 000 Bahnhofsuhren umgestellt werden, so Pressesprecher Burkhard Ahlert. „Das passiert per Funk.“ Das Signal kommt von der physikalisch-technischen Bundesanstalt in Braunschweig. „Es ist Routine, gängige Praxis und völlig eingespielt“, so Ahlert. Regionalzüge seien vom Beginn der Sommerzeit nicht betroffen, dafür aber deutschlandweit etwa 40 Nachtzüge. „Deren Fahrpläne enthalten jedoch einen so großen Spielraum, dass sie sich am Ende kaum verspäten.“

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In der Nauener Havellandklinik ist die Rechnung einfach: „Die Crew, die in dieser Nacht Dienst hat, ist auch bei der nächsten Umstellung im Oktober dran“, erklärt Silke Monte von der Klinik. Im Spandauer Krankenhaus „Havelhöhe“ ist das Problem, „dass die Mitarbeiter auch wirklich daran denken, eine Stunde früher zur Arbeit zu kommen“, so ein Sprecher des Hauses. Die Ausgabe der Medikamente erfolge problemlos: „Wenn dreimal täglich Medikamente verabreicht werden, ist ohnehin immer eine Stunde plusminus einkalkuliert.

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Montagmorgen. Die Uhr zeigt 7 Uhr, aber zurückgerechnet ist es eigentlich erst 6 Uhr. Die Müdigkeit greift um sich in den ersten Tagen nach der Zeitumstellung. Kindererzieherin Ramona Eckstädt bemerkt dies besonders deutlich bei ihren kleinen Schützlingen in der Falkenseer Kita „Falkennest“. „Die Kinder sind am Morgen müder“, sagt sie. „Wir merken das auch am Mittag, sie sind schon eine Stunde früher als sonst total fertig.“ Das wirkt sich jedoch nicht auf die reguläre Mittagsschlafzeit aus. „Durch Liedersingen und andere Motivationen halten wir sie wach“, erzählt Ramona Eckstädt. Während der etwa einstündigen Mittagsruhe schlafen die Kinder in den ersten Tagen der Sommerzeit besonders gut. „Das pegelt sich nach zwei bis drei Wochen wieder ein“, sagt die Erzieherin.

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In den Büros des Landratsamtes sehen die Mitarbeiter der fehlenen Stunde relativ gelassen entgegen. „Die Uhren in den Computern und Servern stellen sich automatisch um“, so Kreissprecher Erik Nagel. „Allerdings funktioniert die automatische Umstellung der Schließanlage in seltenen Fällen nicht richtig und muss per Hand eingestellt werden.“ In der Stadt Falkensee richtet sich der Blick am Sonntag auf die Rathausuhr, dem einzigen städtischen Zeitanzeiger. „Vor zwei Jahren ist sie auf den Funkbetrieb umgestellt worden“, sagt Falkensees Pressesprecherin Manuela Dörnenburg.

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Im Schmuck- und Uhrenhaus Kunze in Elstal ist der Beginn der Sommerzeit vor allem Fummelarbeit. „Etwa 80 Uhren müssen bei uns umgestellt werden“, sagt Firmeninhaber Matthias Kunze und ergänzt: „Zur Freude unserer Azubis.“ Bis zu drei Tage kann es dauern, bis die Zeitumstellung in dem Geschäft komplett vollzogen ist. „Das macht sehr viel Arbeit.“ In der ersten Woche kommen vermehrt Kunden, die Hilfe brauchen: „Hier in Elstal sind es immer 20 bis 30 Leute, denen wir dabei helfen, ihre Uhren umzustellen“, erzählt Matthias Kunze. Die Sommerzeit hält der Uhrmacher für vollkommen unnötig. „Da kommt nicht viel bei raus“, sagt er. Nur dass viele Menschen eine Menge Arbeit deswegen hätten. Und er fügt hinzu: „Außerdem stimmen sieben Monate lang die Sonnenuhren gar nicht mehr.“

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RT im Kino

Deutschland 09

Samstag, den 28. März 2009

13 deutsche Filmemacher wollen den Kinogängern zeigen, wie sie die Lage der Nation sehen. Herausgekommen ist die Kurzfilmsammlung “Deutschland 09”.
Jeder Regisseur interpretiert seine Wahrnehmung und eigene filmische Sicht auf das heutige Deutschland. Mal abstrakt, mal konkret.
Das Ergebnis ist aber leider sehr durchwachsen – und leider viel zu oft kurz vor der Unerträglichkeit. Alles in allem jedenfalls enttäuschend.
In “Ramses” stellt Romuald Karmakar einen iranischen Barbesitzer mit seiner Animierbar vor und lässt ihn von, sagen wir mal, interessanten Ausschweifungen berichten. Sehr wunderlich.
Geradezu ärgerlich ist der Beitrag von Nicolette Krebitz, von der nach dem unsäglichen Streifen “Jeans” (2003) aber auch nichts zu erwarten war. Hier bietet sie intellektuelles Geschwurbel von Susan Sonntag und Ulrike Meinhof, hergeträumt von einer Jugendlichen, die ihr Dasein hinterfragt. Herrgott…
Enttäuschend auch der Beitrag von Wolfgang Becker, der in seinen Film das ganze politische Elend Deutschlands in eine Krankenhaussatire reinpacken wollte.
Die allermeisten Filme lassen den Zuschauer ratlos da, das abgehobene Gerede ist ermüdend – der ganze Film ist mit zweieinhalb Stunden sowieso viel zu lang. Die abstrakte Ebene, auf der sich die Filmemacher begeben, sorgen im Kino leider meist nur für Kopfschütteln und Belustigung.
Es liegt der Eindruck nahe, dass die Regisseure den Film nicht für die Zuschauer gemacht haben, meist haben wir es leider mit der reinsten Selbstbefriedigung zu tun. “Deutschland 09” auf der Alexander-Kluge-Ebene.
Der einzige echte Höhepunkt ist “Schieflage” über den Betreiber einer Suppenküche für Kinder, die von einem Filmteam besucht wird.
Ganz nett anzusehen sind auch “Fraktur” über einen Mann, der sich über die Abschaffung der Fraktur-Schrift über den FAZ-Kommentar aufregt. Allerdings ist hier die Botschaft unklar. Auch “Feierlich reist” mit Benno Fürmann ist kurzweilig, wenn auch an der Stelle das Anliegen eher im Dunkeln bleibt.
151 Minuten dauert das Ganze. Das heißt: doppelte Überlänge an der Kinokasse. In Berlin 9,20 Euro. Rekordpreis. Und das für gerade mal eine schlappe halbe Stunde gutem Film.
Ansonsten ist “Deutschland 09” erschreckend abgehoben und weit weg vom Zuschauer, von den Deutschen.

3/10

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