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Wendejahr 1989: Selbstkritische Töne in Neuholland

Januar 1989 -> 30.1.2009

Rückblick: Der Februar 1989 in der „MV“

MAZ Oranienburg, 12.2.2009

OBERHAVEL
Vor 20 Jahren überschlugen sich die Ereignisse in der DDR. In der „Märkischen Volksstimme“, Vorgänger der heutigen MAZ, spiegelte sich die politische Realität ziemlich einseitig wider. Einmal im Monat blättern wir im Archiv. Diesmal der Februar 1989.

„Demokratie, das ist auch in unserem Kreis der sozialistische Alltag.“ So einfach schien das politische Leben im Februar 1989 im damaligen Kreis Oranienburg gewesen zu sein: Die Welt war in Ordnung, Überschüsse und große Erfolge überall. Zumindest offiziell. Von Mangelwirtschaft erfuhren die MV-Leser nichts.
Im Rechenschaftsbericht des Rates des Kreises, den die Märkische Volksstimme am 10. Februar 1989 veröffentlichte, herrschte Sonnenschein: Die Nettoproduktion stieg in der Industrie seit 1984 auf 176 Prozent. Die Arbeitsproduktivität erreichte 172 Prozent. Seit 1984 entstanden im Kreis in den folgenden fünf Jahren 4153 neue Wohnungen, davon 782 neue Eigenheime. Das war die Realität, die offizielle, die sozialistische. Doch nicht zwingend die der Menschen, die täglich ihre Arbeit verrichteten.
Scheinbar passend dazu: Im Oranienburger Filmpalast lief im Februar 1989 „Kampf der Titanen“. Fast ein Motto für das Jahr.
Auf der Jahreshauptversammlung der LPG-Tierproduktion in Neuholland gab es selbstkritische Töne: Peter Nitz, damaliger Vorsitzender der LPG Neuholland/Freienhagen, wird am 18. Februar 1989 in der MV zitiert: Die Kosten und der Produktionsaufwand seien zu hoch.
Ein ewiges Thema: der Müll im Oranienburger Wohngebiet „Zentrum“. Jette mahnt an: „Frühjahrsputz tut dringend not!“ Unterdessen startet die MV eine Serie über 70 Jahre KPD.
Im Blickpunkt der Welt: ein schweres Erdbeben in Armenien. Jeder, der spendet, wird in der MV abgedruckt. Wochenlang und jeder kleine Betrag: Die BSG Turbine Kremmen spendet 200 Mark, die „Lehrlinge L/1“ acht Mark.

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