Tagesarchiv für 29. Dezember 2008

aRTikel

Ein waschechter Radiomann

Montag, den 29. Dezember 2008
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Porträt: Dietmar Ringel muss für seine Morgenmoderationen um 3 Uhr morgens in Schwante aufbrechen

MAZ Havelkultur, 29.12.2008

Rundfunkmoderator Dietmar Ringel ist berufsbedingter Frühaufsteher. Der Mann aus Schwante arbeitet beim Inforadio in der Hauptstadt.

SCHWANTE
Freitagmorgen, 7.58 Uhr. Im Inforadio des RBB läuft ein Kulturbeitrag. Dietmar Ringel blickt konzentriert auf seinen Monitor, auf dem bereits seine nächste Moderation steht: die Ankündigung der 8-Uhr-Nachrichten.
Seit fast zwei Stunden ist Dietmar Ringel inzwischen auf Sendung, steht vor dem großen Pult im Studio des Inforadios in der Berliner Masurenallee. Vor sich mehrere Bildschirme: Agenturmeldungen, Wetter- und Verkehrsinfos, der Text für seine nächste Moderation sowie die Übersicht der Programmelemente, die er selbst anklickt und auf Sendung schickt – ein Selbstfahrerstudio. Auf dem Tisch liegen außerdem ein paar Zeitungen sowie Unterlagen mit Hintergrundinformationen.
Im gläsernen Studio nebenan werden gerade die Nachrichten verlesen, Ringel hat gut fünf Minuten Pause.
Um kurz nach 3 in der Nacht bricht er von Schwante aus auf. Seit September 2005 lebt er gemeinsam mit seiner Frau in dem Ortsteil von Oberkrämer. „Wir sind dort sehr zufrieden“, sagt der 50-Jährige, der vorher in Berlin-Köpenick lebte. Eine gute dreiviertel Stunde braucht er, um im „Haus des Rundfunks“ in Charlottenburg anzukommen. Dann beginnt die Planung der Morgensendung. Die Meldungen der verschiedenen Nachrichtenagenturen studieren, ein Blick in die Zeitungen werfen, Interviews und Moderationen vorbereiten. Und das von Montag bis Freitag, jede vierte Woche.
8.05 Uhr, das kleine Lämpchen auf Dietmar Ringels Pult blinkt gelb. Das ist das Zeichen, dass er gleich auf Sendung gehen wird. Als er den zehntausenden Hörern in Berlin und Brandenburg einen „Guten Morgen“ wünscht und einen Beitrag über die gerade stattfindende Herbsttagung der Innenminister ankündigt, leuchtet es rot. Dann ist der Zutritt zum Studio tabu. Seit 1998 arbeitet Dietmar Ringel beim Inforadio. „Angefangen hat alles 1984 beim Jugendradio DT 64“, erzählt er. Er war für die Außenpolitik zuständig, im Wendejahr 1990 sogar der Intendant, der Chef der Welle. „Ich hatte viel Verantwortung“, erinnert er sich. „Aber es war auch die Zeit, wo uns niemand politisch reingeredet hat.“ Nach der Abwicklung von DT 64 arbeitete er sechs Jahre beim Berliner Rundfunk. Dort lernte er das Nachrichtenmachen, wie er selbst sagt. Zu seinem 40. Geburtstag gab er den Job freiwillig auf, wechselte zu den Nachrichtensendern MDR Info und Inforadio. Inzwischen arbeitet er nur noch in Berlin.
Ein guter Radiomann sei nicht von der Stimme abhängig, sagt Dietmar Ringel. „Es muss eine Persönlichkeit vorhanden sein. Er muss die Dinge für den Hörer übersetzen, in Interviews nachhaken.“ Neben den Live-Moderationen ist der Schwantener auch für die Reportage-Reihe „Echtzeit“ unterwegs. „Das mache ich sehr gerne“, sagt Dietmar Ringel. Im Rahmen der Sendung berichtete er auch schon aus dem Kremmener Scheunenviertel. Dadurch und durch die MAZ („Ich lese immer die MAZ und bin damit bestens im Bilde.“) hatte er mitbekommen, dass sich in Kremmen etwas tut und mit Andreas Dalibor, dem Leiter der „Tiefsten Provinz“, gesprochen. Inzwischen moderiert Ringel in der Theaterscheune drei- bis viermal im Jahr die Talkshow „Mitreden!“, zu der auch schon Prominente wie Axel Prahl und Heinz-Florian Oertel nach Kremmen kamen.
Im Studio nebenan beginnen die 9-Uhr-Nachrichten. Dietmar Ringel hat Feierabend. Nach einer kurzen Sitzung, die beim Inforadio mangels Stühle „Stehung“ heißt, und der Manöverkritik an der dreistündigen Sendung, macht sich der Schwantener auf den Weg nach Hause. „Dann lese ich erst mal die Zeitung und gehe ins Bett.“ Ausschlafen, bis 13.30 Uhr. In der Woche ruft er danach in der Planungsredaktion an, dann kommt es schon öfter vor, dass er am Nachmittag wieder ins Rundfunkhaus muss, um die Sendung vom nächsten Morgen vorzubereiten. „Das schlaucht“, sagt er. „Man kommt auch nicht zur Ruhe.“
Dietmar Ringel ist ein echter Radiomann. Einen Job bei einer Zeitung oder im Fernsehen traut er sich nicht zu. „Das müsste ich lernen“, sagt er. Aber eigentlich besteht dazu momentan gar kein Anlass.

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RT im Kino

Tintenherz

Montag, den 29. Dezember 2008

Meggie Folchart (Eliza Bennett) hatte bisher ein relativ normales Leben. Mit ihrem Vater Mo (Brendan Fraser) geht die oft in Buchläden, in denen die beiden rumstöbern. Wobei ihr Vater eher nach alten Büchern sucht, aber nie fündig wird. Als sie eines Tages in einem alten Alpendorf auf einen seltsamen Typen treffen, der sie vor einem gewissen Capricorn (Andy Serkis) warnt, schnappt sich Mo seine Tochter und flüchtet mit ihr zu Tante Elinor (Helen Mirren). Dort verliebt sich Meggie sofort in den großen Raum mit der Bibliothek voller alter Bücher.
Dort überschlagen sich die Ereignisse. Elinors Haus wird überfallen. Bald ist klar: Es sind Figuren aus den Büchern. Liest Mo daraus vor, werden sie real.
Ich kannte das Buch “Tintenherz” von Cornelia Funke nicht. Wie auch immer dieser Film dem Roman gerecht wird – er ist misslungen, und das in vielerlei Hinsicht.
Die Geschichte erscheint nicht stimmig. Meggie nimmt die wundersamen Wendungen der Geschichte einfach so hin. Elinor schimpft mit dem Mädchen, als sie sie in der Bibliothek entdeckt, scheint aber nicht sonderlich bestürzt, als das Zimmer zerstört wird.
Der Film kann leider insbesondere am Anfang null Atmosphäre verbreiten. Alles passiert holterdipolter, die Story wird dem Zuschauer quasi vor den Latz geknallt, ohne große Liebe zu ausgefeilten Szenen. Überhaupt wirkt der Film mit seinen Szenen und Darstellern wie ein ziemlich preiswertes B-Movie, obwohl er sicherlich nicht preiswert war.
Problematisch ist auch Hauptdarsteller Brendan Fraser, der immer dreinglotzt, als ob ihn das ganze Drama nicht sonderlich interessiert. Mehr als zwei Gesichtszüge hat er offenbar nicht drauf. Er wirkt wie ein Langweiler. Auch das Finale von “Tintenherz” ist irgendwie blöd und ziemlich einfallslos (ohne hier nun zu spiolern).
Alles in allem ein ziemlich langweiliger Schinken. Und das ist sehr schade, denn die Geschichte von zwei Menschen, die durch lautes Lesen die Buchfiguren “erwecken” können, ist eigentlich sehr faszinierend. An der Umsetzung hapert es aber gewaltig.

3/10

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