Tagesarchiv für 25. Dezember 2008

RTZapper

Ben Becker: Die Bibel

Donnerstag, den 25. Dezember 2008
Tags: ,

MI 24.12.2008 | 0.15 Uhr (Do.) | RTL

RTL hat sich in der Heiligen Nacht mal etwas getraut: Jenseits von Chartshows, Pannenclips und Promitrash versteckte der Sender in der Nacht eine kulturelle Perle.
Schauspieler Ben Becker las aus der Bibel vor, dazu spielte das Filmorchester Babelsberg und die Zero Tolerance Band.
Klassische Texte mit klassischer Musik. Das bekommt man bei RTL (abgesehen von den mitunter seltsamen dctp-Fensterprogrammen) nicht alle Tage. Oder besser: einmal in zehn Jahren. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, so etwas kulturell Wertvolles auf dem Privatsender gesehen zu haben. Eine Bibellesung erwartet man ja sonst eher von arte oder 3sat.
Kein Wunder, dass die zweistündige Sendung komplett werbefrei war. Wer hätte bei einer Bibellesung auch werben sollen? Stöhnhotlines? Nacktscanner per SMS? Wäre mal eine Abwechslung gewesen – und hätte den normalen RTL-Zuschauer auch wieder in die richtige Bahn geworfen. Nur 310000 Leute haben sich das denkwürdige Spektakel angesehen (die Clipshow davor etwa 1,5 Millionen), viele von ihnen haben sich zwischendurch sicher noch mal vergewissern müssen, dass sie tatsächlich RTL sehen.
Na ja, war bestimmt nur ein Ausrutscher, der so bald nicht wieder vorkommen wird. Fehlt nur noch, dass sich RTL für die Ausstrahlung von Hochkultur entschuldigt.

Hits: 111

RTZapper

Oh, du Fröhliche! Die lustigsten Schlamassel der Welt

Donnerstag, den 25. Dezember 2008
Tags: ,

MI 24.12.2008 | 19.05 Uhr | RTL

Ein Bild für die Götter: 9live-Gewinnspiel-Verführer Thomas Schürmann steht als Geschenkpaket verkleidet im RTL-Studio herum. Neben ihm steht Ross Antony als erschreckend hässlicher Engel verkleidet und ist kurz davor, an Schürmanns Kiste herumzuspielen.
Was für ein Gruselkabinett, in das die beiden Heiligabend in “Oh, du Fröhliche!” geschickt wurden, als sie Zuschauerclips ansagen mussten. Und wie bescheuert muss sich insbesondere Markus Schürmann vorgekommen sein, geradezu verarscht?
Dabei kann man RTL aus Zuschauersicht nur gratulieren: So schlimm, so grauenvoll wurde selten ein Moderator für seine miesen TV-Taten bestraft. Schürmann hat es nicht anders verdient: Bei 9live verarscht er die Zuschauer nach Strich und Faden, tut so, als würde er unterhaltsames Fernsehen machen, zockt aber nur ab. Jetzt, bei RTL, schickte man ihn also in ein krankes Kostüm und verdonnerte ihn dazu, sich vor Publikum lächerlich zu machen.
Jawoll, richtig so! Eine gerechte Bestrafung! Solche Sendungen sollte es öfter geben, in denen die miesen Gewinnspielverkäufer vorgeführt werden.
RTL und Co.: Bitte engagriert sie weiterhin für eure beklopptesten Jobs, damit wir mal über sie lachen können – und nicht sie über uns, wie sonst. Ein paar Namen hätten wir da noch auf der Liste!

Hits: 123

RT im Kino

Buddenbrooks

Donnerstag, den 25. Dezember 2008

Der Siegeszug von Thomas Manns Roman “Buddenbrooks” begann 1903. Den Nobelpreis für Literatur erhielt Mann 1929 – vor allem für diesen Erstlingsroman. Noch heute wird er an vielen Theaterhäusern gespielt, mehrere Verfilmungen wurden ebenfalls schon gedreht.
2008 kommt nun die nächste Verfilmung ins Kino. Heinrich Breloer, der als Mann-Kenner gilt und mit “Die Manns – Ein Jahrhundertroman” bereits einen Mehrteiler ablieferte, hat sich an das Epos herangewagt und dafür ein großes Schauspielerensemble zusammentrommeln können.
Heraus kam eine zweieinhalbstündige Familiengeschichte, die sich über rund 40 Jahre erstreckt und weitgehend spannend und faszinierend ist.
Lübeck, Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Familie Buddenbrook hat im Getreidehandel jahrelang gutes Geld verdient und ist gesellschaftlich anerkannt. Konsul Jean (Armin Mueller-Stahl) ist der Firmenchef, seine Frau, Konsulin Bethsy (Iris Berben) ist immer an seiner Seite, ebenso die schon erwachsenen Kinder Thomas (Mark Waschke), Christian (August Diehl) und Antonia (Jessica Schwarz).
Familie und Firma sind untrennbar miteinander verbunden. So sind auch die Lebenswege der Buddenbrook-Erben vorbestimmt. Dennoch kommt es anders. Als Jean stirbt, beginnt der Stern der Familie langsam zu sinken.
Mal abgesehen von einem etwas zu ausgewalzten Ende ist das Epos nie langweilig. Der an vielen Stellen bildgewaltige Film kann einige wirklich beeindruckende Momente aufweisen.
Schade ist jedoch, dass einige Figuren stark überzeichnet sind. Dass die Gestik und Mimik bei einigen Schauspielern völlig verunglückt sind. Wobei nicht klar ist, ob es schauspielerisches Unvermögen oder ein Regiefehler ist.
Aber alles in allem ist die Neuverfilmung der “Buddenbrooks” eine gelungene Sache, die einen Spagat schafft zwischen dem Altertümlichen, Historischen und der modernen heutigen Filmkunst.

8/10

Hits: 154