Tagesarchiv für 15. November 2008

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (37): Frohnauer sind anstrengend!

Samstag, den 15. November 2008
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(36) -> 22.10.2008

In Gesundbrunnen steigt ein junges Paar in die S-Bahn nach Oranienburg. Während sie sich unterhalten – besonders er spricht so, dass es nicht zu überhören ist – befummeln sie sich gegenseitig. Er fasst ihr unterm Shirt auf den Bauch oder sie umarmt ihn. Oder beides gleichzeitig.
Und irgendwie ist er mit seinen Klamotten überhaupt nicht zufrieden. Im Gegenteil, er mosert. Sein Pullover sei viel zu kurz. Irgendwelche Nähte auf seiner Hose würden ihm überhaupt nicht gefallen. Seine Schuhe seien ihm auch zu eng, irgendwas scheuert an seinen Zehen. Seine Mütze gefiele ihm auch nicht. Nur bei Letzterem stimmte ihm seine Freundin zu. Man kann zusammenfassen: Modisch läuft es bei dem jungen Mann alles andere als gut. Findet er. So dramatisch schlimm sah es nun wirklich nicht aus. Nur sein T-Shirt fand er übrigens annehmbar, aber das war gerade nicht zu sehen.

Seine Freundin scheint jeden Tag mit der S1 nach Berlin zu fahren. Jeden Morgen ärgere sie sich über die Frohnauer, die zusteigen. Sie seien am nervigsten. Voll ätzend. Sie würden sich nur Müll erzählen. Das sei dann der Moment, wo man zwar das Buch aufgeschlagen habe, aber nicht mehr lesen würde, weil man unwillkürlich zuhören müsse.
Das kam mir bekannt vor: Vor mir lag der “stern” auf dem Schoß. Doch gelesen habe ich in dem Moment auch nicht mehr. Ich hörte ja auch zu – zu überhören war das Gespräch jedenfalls nicht.
In Wittenau würde sich das Problem erledigen, weil dann die meisten Frohnauer wieder aussteigen würden.
Aus meiner eigenen Erfahrung (als ich noch zur HU gefahren bin) weiß ich, dass tatsächlich in Frohnau mitunter seltsame Schüler einsteigen und bis Wittenau sehr anstregend sind.

Als das junge Paar in Hohen Neuendorf die S-Bahn verließ, machte die Frau bis bis zu diesem Zeitpunkt direkt neben ihnen saß, den Eindruck, als würde jetzt ihre Entspannungszeit beginnen. Und dass sie nun endlich wirklich lesen kann…

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RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Philipp Poisel in Berlin

Samstag, den 15. November 2008
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FR 14.11.2008 | Berlin, Tempodrom

Ich war mir nicht ganz sicher, ob das Konzert von Philipp Poisel ein Highlight sein würde. Ich kannte gerade mal ein Lied, seine Single, von ihm. “Wo fängt dein Himmel an?” hieß sie und hat mir gefallen. Eine Freundin brachte mich darauf. Ich kaufte mir das Album und musste mich nicht lange bitten lassen, mir doch auch eine Karte für das Berliner Konzert zu kaufen. Inzwischen hörte ich mir die CD ein paarmal an und hatte auch schon einen Favoriten: “Als gäbs kein Morgen mehr”, ein Song, der langsam beginnt und dann zu einer regelrecht fröhlichen Tanznummer wird.
Heute also das Konzert, in der kleinen Arena des Tempodroms. Ein sehr angenehmer Raum für solche Veranstaltungen. Klein, intim, man ist nah dran an den Akteuren. Und es ist nicht eng, obwohl das Konzert ausverkauft war. Viele sitzen auf den Rängen, nicht alle stellen sich in die Arena vor die Bühne.
Ein kleines, aber extrem feines Konzert. Meine Begleiter waren zwar nicht der Meinung, aber ich fand, dass der Poiselphilipp weniger nuschelte als auf der CD und noch mehr nach seinem künstlerischen Ziehvater Herbert Grönemeyer klang. Überhaupt macht die Musik live einen sehr besseren Eindruck als auf dem Album. Poisel und seine Band haben sehr gute Livequalitäten.
Durch die Nähe zur Bühne hat man auch die Möglichkeit, alles genauer zu beobachten. Poisels Band besteht nämlich aus durchaus interessanten Typen. Ein Schlagzeuger, der dreinguckt, als ob er gleich ein Attentat plant, dann aber doch mal ein Lächeln durchscheinen lässt. ein Bassist, der der Bruder von Simon Gosejohann sein könnte, und ein Gitarrist, der irgendwie abwesend zu sein scheint. Das alles findet man anfangs noch sehr wunderlich, ja, fast sogar angsteinflößend, am Ende aber ist es nur noch spannend anzusehen. Poisel, den ich bisher nur von dem eher unvorteilhaft fotografierten CD-Coverbild kannte, sieht live auch anders aus. Würde mir der ansatzweise im Gesicht speckige, nicht sehr große Typ auf der Straße begegnen – ich würde ihm den Musiker so nicht zutrauen.
Am Ende, als der Poiselphilipp und die Band “Als gäbs kein Morgen mehr” spielte, kochte der kleine Saal, die Menschen waren schwer begeistert, und alles war schick.
So endete nach 105 Minuten ein Konzerthöhepunkt 2008, nach deren Ende plötzlich Herbert Grönemeyer autogrammgebend vor mir stand.

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