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Lebhafter Ost-West-Disput

Talkshow: Die Aufforderung „Mitreden!“ nahmen die Kremmener gestern in der Theaterscheune wörtlich

MAZ Oranienburg, 3.11.2008

In der bisher lebhaftesten Ausgabe der Talkshow „Mitreden!“ in Kremmen diskutierten Gäste und Publikum über die Annäherung nach der deutschen Einheit.

KREMMEN
Als Zugezogene aus dem Bonner Raum habe sie es in Hohen Neuendorf nicht immer einfach gehabt, sagte Erotikbuchautorin Astrid Martini in der Kremmener Theaterscheune.
Der Doping im Sport sei eine gesamtdeutsche Angelegenheit und keine, die ausschließlich mit der DDR zu tun habe, so Sportreporterlegende Heinz-Florian Oertel.
Hoch her ging es gestern Mittag in der fünften Ausgabe von „Mitreden!“, der Talkshow in der ausverkauften „Tiefsten Provinz“. In einer sehr lebhaften, mitunter hochbrisanten Diskussion tauschten sich die Gäste von Inforadio-Moderator Dietmar Ringel über die Annäherung von Ost und West aus, an der sich auch das Publikum bald rege beteiligte. Es ging um Kriegsverbrecher, die in der Bundesrepublik und der DDR weiterhin wichtige Rollen in der Öffentlichkeit spielten, sowie um die Anerkennung der Lebensläufe von den Menschen, die in der DDR groß wurden. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) erzählte aus der Zeit, als er 1990 die Nationale Volksarmee und die Bundeswehr zusammenführte.
Speedwayfahrer Marcin Sekula vom MC Wolfslake meinte, er verstehe die ganzen Ost-West-Diskussionen nicht, in seiner Heimat Polen gebe es die nicht. Ein spannendes Streitgespräch, dessen Ende unabsehbar war. Moderator Dietmar Ringel schlug deshalb eine spezielle Gesprächsrunde mit nur diesem Thema vor. Schönbohm und Oertel lud er dazu schon mal ein.
Angesichts dieses Themas gerät es fast zur Randnotiz, dass Autorin Astrid Martini in der Talkrunde aus einer ihrer Sexgeschichten vorlesen durfte, in der es zwischen einem Callboy und einer Frau durchaus zur Sache ging, was bei den Kremmenern längst nicht nur auf Gegenliebe stieß. „Es wäre mir unangenehm, wenn das jemand aus meiner Familie lesen würde“, sagte sie. So ging es offenbar auch vielen Gästen in der Theaterscheune beim Vortrag ihrer Zeilen.
Rund 135 Minuten vergingen wie im Fluge: Theaterchef Andreas Dalibor sang launige Lieder, Jörg Schönbohm bekräftige seine Ablehnung des Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide, und Fritz Mauer erläuterte, dass im Wolfslaker Speedwaysport ohne Sponsoren nichts ginge.
„Mitreden!“ war gestern auf jeden Fall spannender als so manche Fernsehtalkshow.

Talkshow-Zitate
Heinz-Florian Oertel über den Leistungssport: „Heute werden Medaillen ehrgeiziger gezählt als damals.“ Über Schönbohm: „Ein Schönbohm ist mir lieber als zehn Petkes.“ Über seinen Versuch, mit ZDF-Journalist Peter Hahne ins Gespräch zu kommen: „Ich bin nicht mal über seine Sekretärin hinweggekommen.“
Jörg Schönbohm über die vorgetragene Sexliteratur: „Das ist nicht mein Ding.“ Auf die Publikumsfrage, ob er sein Ziel geschafft habe, mit seiner Politik die Linke zu schwächen: „Nö.“ Zur Heimat: „Was Heimat ist, kann nur der wissen, der je einmal im Leben seine Heimat verloren hat.“

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