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Der tägliche Volkstanz der Chinesen

Chongqing: Reise in die 32-Millionen-Megacity / Umweltprobleme sowie Gegensätze zwischen Arm und Reich

MAZ Falkensee, 7.8.2008

Morgen beginnen die Olympischen Spiele in China. „Willi“ widmet diesem Land die heutige Seite und besucht die Megacity Chongqing.

Chongqing empfängt uns am Abend mit einer großen, leuchtenden Skyline. Alles blinkt und erstrahlt. Zumindest bis 22.30 Uhr, dann werden die Lichter nach und nach abgeschaltet. Strom sparen. Dann doch.
Die Stadt liegt in der Mitte von China und gilt als die größte der Welt: 32 Millionen Einwohner. Wer sich dort einige Zeit umsieht, bekommt einen kleinen Eindruck davon, was die Olympioniken ab Freitag in Peking erwartet.
Chongqing erlebt 120 Sonnenstunden – pro Jahr. Das ist nicht viel und liegt an der Kessellage. Die, aber sicher nicht nur die, führt dazu, dass die Stadt regelmäßig unter einer Dunstglocke liegt. Ständig ist es neblig, auch am Nachmittag. Die Sonne ist nur durch einen Schleier zu erahnen.
Arm und Reich prallen aufeinander. Die Altstadt von Chongqing ist zweigeteilt. Am Anfang ist die sehr ärmliche Gegend, wohin sich kaum Touristen verirren. Die Straßen und Häuser erscheinen noch sehr ursprünglich, und irgendwie ist es als Touri fast ein bisschen unangenehm, dort durchzulatschen und die Leute zu belästigen. Eine Treppe führt dann in den zweiten Teil der Altstadt – und schon ist alles anders. Himmel und Menschen. Es scheint unausgesprochenes Gesetz zu sein, dass an dieser Stelle eine Grenze verläuft. Im „besseren“ Teil der Altstadt sind unzählige Geschäfte und noch sehr viel mehr Leute. Im Zentrum reiht sich Kaufhaus an Kaufhaus, eins nobler als das andere. Dazwischen sitzen die Bettler und warten darauf, dass sie etwas zugesteckt bekommen.
Das mit Abstand Faszinierendste spielt sich jedoch allabendlich auf dem Platz des Volkes ab: Hunderte Menschen formieren sich. Zur Musik aus -zig Lautsprechern tanzen sie. In Reih und Glied. Gleiche Schritte, gleicher Takt. Ganz vorn stehen die „Vorturner“, aber an sich scheinen die Tanz- und Bewegungsabläufe allen bekannt zu sein. Das Spektakel geht bis genau 21.30 Uhr. Drei Minuten vorher bricht die laufende Musik ab. Die Brunnen am Rand des Platzes spulen eine Choreografie ab, es wird „Auld Lang Syne“ gespielt. Binnen Minuten leert sich der gesamte Platz.
Geordneter Tanz, geordneter Rückzug. Nur so sind wahrscheinlich Milliarden Chinesen überhaupt regierbar.

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