Tagesarchiv für 20. März 2008

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Lob für die Dallgower Komparsen

Donnerstag, den 20. März 2008
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-> 22.2.2008

Kino: Regisseur Dennis Gansel über „Die Welle“ und die Zeit am Curie-Gymnasium

MAZ Falkensee, 20.3.2008

„Die Welle“, gedreht unter anderem in Elstal und Dallgow-Döberitz, sahen am ersten Wochenende in den Kinos mehr als 300000 Zuschauer. MAZ-Mitarbeiter Robert Tiesler traf Regisseur Dennis Gansel.

MAZ: „Die Welle“ wurde in großen Teilen am Marie-Curie-Gymnasium in Dallgow-Döberitz gedreht. Wie kam es dazu?
Dennis Gansel: Ich wollte für den Film ein modernes Gymnasium haben, kein altes Gebäude, in dem man sich vorstellen könnte, dass hier schon Nazilehrer unterrichtet haben könnten. Es sollte davon total unbeleckt sein.

Wie war die Arbeit in Dallgow?
Gansel: Das war super! Ich hatte noch nie so tolle Komparsen. Alle haben wie echte Schauspieler gearbeitet, haben sich mit unserer Hilfe eigene Biografien erstellt. Sie waren voll integriert.

Die Dreharbeiten fanden in den Ferien statt. Die Dallgower Schüler kamen trotzdem in die Schule. Zum Drehen.
Gansel: Ja, und es waren harte Drehtage. Es war echt erstaunlich, wie gut alle durchgehalten haben. Oft haben wir 17 Stunden gearbeitet, mit den Scheinwerfern da reingeballert. Aber wir haben auch immer versucht, eine tolle Atmosphäre zu schaffen.

Wie sind Sie auf „Die Welle“ aufmerksam geworden?
Gansel: Das war schon zu meiner Schulzeit ein klassischer Schulstoff. Ich habe das Buch gelesen und darüber nachgedacht, wie das alles so passieren konnte.

Vor dem Dreh haben Sie in mehreren Schulen in Deutschland recherchiert. Was ist Ihnen aufgefallen?
Gansel: Es gibt eine hohe Gewaltbereitschaft. Sogenannte Patchworkfamilien sind an der Tagesordnung. Es gibt viele Scheidungskinder. Das war früher noch anders. Extreme Individualität wird heute als störend empfunden.

Was kann man für die Jugend tun?
Gansel: Man muss ihnen eine Zukunft bieten. Da wird noch immer zu wenig getan und so lange wird sich auch nichts ändern. Es wird zu wenig gefördert und das ist keine regionale Sache.

„Die Welle“ ist eigentlich eine Geschichte aus den USA. Haben Sie es bewusst als deutsche Story geschrieben?
Gansel: Der erste Gedanke war: Würde das hier auch funktionieren? Und wäre ich dabei gewesen? Schon beim Dreh mit 30 Schauspielern und 120 Komparsen bekam das alles auch immer eine Eigendynamik.

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RT im Kino

Das jüngste Gewitter

Donnerstag, den 20. März 2008

Eigentlich macht es wenig Sinn, eine Handlung von “Das jüngste Gewitter” niederzuschreiben. Denn an sich gibt es keine. Jedenfalls keinen wirklich roten Faden. Sagen wir mal stattdessen: Es gibt ein Thema. Irgendwie jedenfalls, man kann es erahnen, auch wenn es kein sehr konkretes ist.
Der Schwede Roy Andersson erzählt in seinem Film “Das jüngste Gewitter” über Menschen, die in einer nicht näher benannten Stadt leben. Er zeigt das Glück und seine Vergänglichkeit. Fast reiht sich Szene an Szene, wie in einer Sketchsendung im Fernsehen. Hin und wieder gibt es wiederkehrende Orte und Personen.
Das mag zunächst nicht sehr einladend klingen. Deshalb mal klar ausgedrückt: “Das jüngste Gewitter” ist mitunter sehr unterhaltsam und kurzweilig. Da reiht sich eine skurrile Geschichte an die nächste. Stellenweise erinnern sie an Loriot und seine sehr genau beobachteten Alltagsszenen: Da ist ein Ehepaar, dass einen Läufer kaufen will. Was so ein bisschen am Verkäufer scheitert. Ein Friseur, der aus Frust einem Kunden eine Glatze schneidet. Ein Psychiater, der nur noch Pillen, starke Pillen, verschreibt, weil er die Storys seiner fertigen Patienten nicht mehr ertragen kann. Und so weiter.
Ein Film voller skurrilem Witz, sehr feinem, leisem Humor. Sehr abgefahrene Menschen und Geschichten, die manchmal und vielleicht auch in seiner Gesamtheit ans Herz gehen.
Ein ungewöhnlicher Film, unkonventionell. Aber das muss es auch noch im Kino geben. Vor allem, wenn es so unterhaltsam ist.

7/10

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