Tagesarchiv für 28. Februar 2008

RT im Kino

Trip To Asia

Donnerstag, den 28. Februar 2008
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Selten so eine spannende und faszinierende Dokumentation gesehen! Regisseur Thomas Grube (der auch schon die tolle Doku “Rhythm Is It” ins Kino brachte) reiste mit dem Berliner Philharmonischen Orchester nach Asien. Sechs Auftritte hatten die Musiker mit ihrem Dirigenten Sir Simon Rattle auf dem Programm zu stehen. Die Kamera begleitet sie.
Der Zuschauer begibt sich auf eine doppelte Reise. Die Reise nach Asien bringt eindrucksvolle Bilder von einem Kontinent, der uns noch immer sehr fremd erscheint. Pulsierende Metropolen, große Gegensätze zwischen Traditionellem und Modernem.
Gleichzeitig aber auch eine Reise in das Innenleben eines so großen Orchesters. Alle 126 Musiker sind Meister ihres Fachs. Haben was drauf. Wie funktioniert es? Wie ist die Stimmung? Was sind das für Leute, die immer wieder ihr eigenes musikalisches Ego für die große Gruppe hintenanstellen müssen. Und wollen. Ein Orchester mit Traditionen, in dem Erneuerung und Anpassung ständige Begeleiter sind.
Der Film erlaubt unglaublich packende Eindrücke, der Zuschauer kann bei den Auftritten in Peking, Shanghai, Seoul, Hongkong, Taiwan und Tokio dabei und hinter die Kulissen blicken. Und miterleben, wie in einem sehr emotionalen Augenblick das Orchester von den Asiaten frenetisch gefeiert wird. Wir lernen einzelne Orchestermitglieder kennen. Erfahren, wie sie zur Musik kamen, wie sie sich im Orchester fühlen, welche körperlichen und psychischen Anstrengungen damit verbunden sind, für welche Hobbys oft keine Zeit bleibt und welche Perspektiven sie sehen.
Nicht zu vergessen: die Musik. Herrlich.
Thomas Grube hat mit dem “Trip To Asia” eine (108 Minuten lange – 90 hätten auch gereicht, was aber tatsächlich der einzige Kritikpunkt ist) sehr kurzweilige, unterhaltsame und nicht zuletzt lehrreiche Dokumentaion geschaffen. Unbedingt sehenswert. Nicht nur für Musikliebhaber.

9/10

Hits: 1598

RTZapper

Der große Tom

Donnerstag, den 28. Februar 2008
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MI 27.02.2008 | 20.40 Uhr | Das Erste

Kinder werden tagelang alleine gelassen. Die Eltern sind weg, überlassen ihre Kleinen sich selbst. Und keiner merkt etwas. Und alle sind erschüttert, wie so etwas passieren kann. Dabei kann das überall passieren.
Das zeigte der sehr eindrucksvolle Film “Der große Tom” heute im Ersten. Die Mutter von drei Kindern hatte einen neuen Job. Der Chef ist ihr neuer Lover. Um das alles nicht aufs Spiel zu setzen, verheimlichte sie ihm ihre Kinder. Und ließ sie allein, schaute nur hin und wieder mal vorbei.
Die Nachbarn konnten es zunächst nicht merken. Die Kinder vertuschen die Sache. Die Drohung, sie kämen ins Heim, wirkt. Und natürlich die Liebe zur Mutter. Die Unerschütterliche.
Wenn die Nachbarn dann doch ewas merken und etwas unternehmen, ist es auch nicht richtig. Denn das Jugendamt reagierte – in diesem Film – hart. Die Kinder kamen weg, die Mutter erwartet eine Strafe.
Obwohl es kein Zustand war: Die Kinder hassen ihre “Retter” dafür. Sind nicht der Meinung, dass sie “Retter” sind. Sondern Verräter. Der “Retter” wird von einer puren Ohnmacht überrannt.
“Der große Tom” zeigte, dass es sich viele ganz schön einfach machen, wenn sie beraten oder bestimmen, was man denn mit solchen Kindern und Eltern tun sollte. Keine Lösung scheint die richtige. Eine schlimme Erkenntnis.

Hits: 1575

RT im Kino

8 Blickwinkel

Donnerstag, den 28. Februar 2008

Großer politischer Gipfel in Spanien. Einflussreiche Staatschefs aus aller Welt treffen ein, um Strategien gegen den Terror zu beraten. Mit dabei: US-Präsident Ashton (William Hurt). Doch es kommt zur Katastrophe. Erst wird auf den Präsidenten geschossen, wenig später explodiert eine Bombe. Den Agenten des Secret Service, Barnes (Dennis Quaid) und Taylor (Matthew Fox), ist es nicht gelungen, die Bühne abzusichern. Und während alle ihre Wunden lecken und auf der Suche nach den Tätern sind, steht die Frage im Raum: Wie konnte das passieren?
Pete Travis gibt den Kinozuschauern die Gelegenheit, die Katastrophe aus mehreren Blickwinkeln zu verfolgen. Wer war wo, als es passierte? Und was ist überhaupt passiert?
Das ist sehr spannend, extrem kurzweilig. Zumal das Ereignis an sich sehr gut in Szene gesetzt wird.
Jedoch: 8 Blickwinkel? Am Ende wird man nochmal durchzählen, ob es wirklich 8 Blickwinkel waren, die der Film zeigt. Zumindest wirft er leider im letzten Drittel das Konzept über den Haufen und lässt das mit den Blickwinkeln sausen. Oder lässt die 8 Blickwinkel zumindest nicht mehr deutlich werden. Zumal anfangs in den immer wiederkehrenden Ereignissen auch nicht wirklich neue Erkenntnisse gewonnen werden. Die kommen erst später, sind dann aber doch beeindruckend.
Ärgerlich ist ein wenig die Pathetik gegen Ende, Leute, die unverletzt aus Unfallwagen aussteigen. Geradezu lächerlich.
Nichtsdestotrotz: “8 Blickwinkel” sind fast 90 Minuten spannende Unterhaltung.

7/10

Hits: 1618

RT im Kino

Michael Clayton

Donnerstag, den 28. Februar 2008

Ein Film kann spannend sein. Lustig. Traurig. Also richtig gut. Er kann ganz okay, ganz nett sein. Also so lala. Er kann auch unlogisch, grauenhaft gespielt sein. Also ganz schön schlecht. Aber das schlimmste ist, wenn ein Film langweilig ist. So richtig langweilig. Ätzend. Öde.
Das ist “Michael Clayton”.
Michael Clayton (George Clooney) war mal Staatsanwalt. Jetzt ist er dafür zuständig, in einer Anwaltskanzlei die persönlichen Probleme der Klienten zu bereinigen. Arthur (Tom Wilkinson) zum Beispiel. Er soll für einen Chemikalienhersteller eine Klage abwenden. Doch ihm kommen Zweifel. Clayton soll die Katastrophe abwenden.
Nun ja, irgendwie so ist die Handlung. Klingt an sich sogar nicht so ganz uninteressant. Ist es aber. Es ist unfassbar langweilig.
Ist schon der Titel des Films wahnsinnig aufregend, ist es besagte Titelfigur ebenfalls. Irgendwie ist dieser Michael ein Langweiler. Zumal der Zuschauer sehr wenig über ihn erfährt, er bleibt ein Nichts, ein Unbekannter. Auch die Nebenfiguren, überhaupt die ganze Geschichte ist unglaublich blass, geradezu blutleer. Die erste halbe Stunde ist dermaßen anödend, dass man so gut wie gar nicht mitbekommt, worum es überhaupt geht. Aus diesem tiefen Tal kommt der Film nie wieder raus.
Tony Gilroy präsentiert hier einen echten Rohrkrepierer, einen der langweiligsten Streifen dieses Jahres. Dennoch: Oscarnominierung – es ist mir ein Rätsel.
Einziger Pluspunkt: die Filmmusik. Das war es aber auch schon.

1/10

Hits: 19

RTelenovela

Sie sucht und sucht und sucht und …

Donnerstag, den 28. Februar 2008
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Sie sucht einen Mann. Sie studiert die Zeitung, kreuzt sich Anzeigen von suchenden Männern an. Zweimal pro Woche. Und dann schreibt sie Briefe. Jedes Mal 8 bis 10. Per Chiffre. Und bringt sie dann in unser Büro in Falkensee, von wo aus es weitergeleitet werden soll. Das macht um die 20 pro Woche. Um die 80 pro Monat. Was irgendwie einen wahllosen (ja, verzweifelten?) Eindruck macht.
Jetzt kam ein Brief zurück. geöffnet? Sieht da etwa jemand rein?, fragte sie. Nein, nein, des Rätsels Lösung war eine andere: Aus Versehen schrieb sie einer Frau, die wohl fälscherlicherweise in die “Er sucht Sie”-Spalte geraten war.
Und so geht das Spiel weiter. Von Woche zu Woche. Von Monat zu Monat. Wir drücken die Daumen. Und halten den Sekt bereit, für den Fall, dass…

Hits: 16