Tagesarchiv für 9. Februar 2008

aRTikel

Antiquar mit eigener Fernsehshow

Samstag, den 9. Februar 2008
Tags: , , , ,

Horst Herkner, der in Neuholland ein Bücherlager betreibt, ist im Literatursender Lettra zu sehen

MAZ Oranienburg, 9.2.2008

NEUHOLLAND
Horst Herkner steht vor einer Entscheidung: Fernsehen oder das Antiquariat. Im Oktober 2006 hat der 57-Jährige in der alten Schule in Neuholland ein Lager mit alten Büchern eingerichtet. In Löwenberg betreibt er ein Versandantiquariat. Und seit Dezember 2007 ist er regelmäßig beim neuen Literatursender Lettra zu sehen. Bisher noch dreimal im Monat ehrenamtlich, könnte daraus bald mehr werden: eine wöchentliche, 30 Minuten lange Sendung. Das Angebot vom Sender steht. „Ich bin am Überlegen“, erzählt Horst Herkner. „Ich hätte eine gute Mannschaft.“ Nur – dann bliebe keine Zeit mehr für seine Bücher, für seinen Onlinehandel.
Bisher ist er beim Berliner Fernsehsender Lettra Themenexperte für alte Bücher. In „Lettra! – Die Show“, die montags bis freitags am Abend zu sehen ist, tritt Herkner zwei- bis dreimal im Monat auf. „Ich stelle Bücher von Autoren vor, die in Vergessenheit geraten sind oder alte Bücher, die neu veröffentlicht werden.“ Die Sendung sei, anders als die „Lesen!“-Show von Elke Heidenreich, live. Die Studios befinden sich am Berliner Fernsehturm.
„Auch wenn es live etwas anders ist, mir fällt das eigentlich leicht“, sagt Horst Herkner. „Ich habe mir alles erarbeitet, bin seit 2000 Antiquar.“ Die Show habe bereits Substanz, müsse aber noch Routine bekommen. Schon einmal habe er beim Fernsehen gearbeitet. 1977, beim damaligen SDR, absolvierte er ein Praktikum. Sein Ziel sei immer der Film gewesen, erst später erwachte sein Interesse an den Büchern.
Bisher arbeite er noch ehrenamtlich für Lettra, wenn er dem vorliegenden Angebot einer eigenen Sendung zustimmen würde, sehe das finanziell dann aber anders aus. Reaktionen auf seine Fernsehauftritte gebe es auch schon. Horst Herkner: „In der Buchhandlung eines Freundes fragte schon mal jemand nach mir.“ Und seitdem auf der Internetseite www.biblioman.de ein Link zur Lettra-Sendung steht, sei die Aufmerksam noch größer.
Die Arbeit an seinem Antiquariat läuft neben der TV-Arbeit weiter: „Es kommt vor, dass ich nachts um zwei im Büro bin“, so Horst Herkner. „In Löwenberg wundert man sich da schon mal drüber.“ Eigentlich kann sich der Berliner vorstellen, mit seiner Firma komplett nach Neuholland zu ziehen. „Das Problem: Wir bekommen keinen DSL-Anschluss.“ Das mache die Sache schwierig. Ansonsten fühle er sich in Neuholland schon gut integriert.
Bleibt abzuwarten, wie er sich entscheidet: die Bücher oder die eigene Fernsehsendung.

Hits: 18

RTelenovela

Eingeknickt

Samstag, den 9. Februar 2008
Tags:

Er wird bald seine Freundin heiraten. Sowohl kirchlich als auch im Standesamt. Was das Kirchliche angeht, stellt sich jedoch die Frage, wie das ablaufen wird. Denn die beiden wohnen schon zusammen, und das ist in der Gemeinde, der er angehört, nicht gern gesehen. Um nicht zu sagen: Es ist verpönt, verboten.
Letztens sagte er zu mir, dass er darüber sehr enttäuscht sei. Sich dem aber letztlich nicht beugen wolle. Es sei doch albern, jetzt, bis zur Hochzeit, wieder auseinanderzuziehen, nur weil die Gemeinde das so wolle. Und sonst keinen Priester stellt. Er habe sich vorgenommen, nicht einzuknicken. Er habe sich vorgenommen, aus der Gemeinde auszutreten, wenn ihn keiner trauen wolle – trotz gemeinsamen Zusammenlebens vor der Heirat.
Ich fand das toll. Es war mutig. Es war entschlossen. Es war erwachsen.
Aber dann kam doch wieder alles anders. Heute sagte er mir, er wird ab sofort nicht mehr bei seiner Freundin übernachten.
Ich reagierte mit Unverständnis. Er mache das nicht wegen der Gemeinde, sondern wegen Gott. Der würde ihm das verbieten, schon vor der Ehe mit ihr zusammenzuleben. Er habe wohl letztens ein großes Maul gehabt, was die Sache anging.
Ich antwortete sinngemäß, dass er aber so die Gemeinde über die Freundin und auch über Gott stellen würde. Gott wolle so etwas ganz bestimmt nicht. Er habe ganz sicher kein großes Maul gehabt. Wie gesagt: Ich fand es stattdessen mutig und erwachsen.
Ja, ich bin enttäuscht, dass er eingeknickt ist. Zumal er vorher meinte, es würde ein schwieriges Gespräch mit dem Gemeindevertreter werden. Er habe seine Freundin, die gegen den Glauben übrigens nichts hat, auch mit zur Gemeinde geht, schon drauf vorbereitet. Dass aber nun er es ist, der am Ende wieder zurücksteckte – ja, das finde ich sehr schade.
Aber es ist ja noch etwas Zeit.

Hits: 19