Tagesarchiv für 18. November 2007

RTZapper

Kuttner & Kuttner

Sonntag, den 18. November 2007
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SO 18.11.2007, 21.05 Uhr, radioeins

Nein, Sarah Kuttner möchte nicht der Oliver Pocher von radioeins sein. Diejenige, die in eine bestehende Show reingeholt wird. Und dennoch gibt es eine Parallele.
Denn “Kuttner & Kuttner” auf radioeins ist nichts anderes als die Wiederauferstehung von Jürgen Kuttners “Sprechfunk” auf Fritz. Ähnliche Titelmusik, Gespräche mit den Hörern, die scheinbar eins zu eins von Fritz übergelaufen sind (selbst die unvermeidliche Marianne hat die Frequenz mitgewechselt) und eine Musikauswahl, die für radioeins ungewöhnlich ist: Udo Jürgens wird jedenfalls nicht wirklich oft auf dem Potsdamer Radiosender gespielt.
Jedoch sitzen jetzt zwei Kodderschnauzen vor dem Mikro: Jürgen und Sarah Kuttner. Und hier ist der große Unterschied zwischen “Schmidt & Pocher” und “Kuttner & Kuttner”: Sarah ist Papa Jürgen von Anfang an ebenbürtig, Sarah passt rein in die Sendung, die locker-flockig ist. Wie wir es von Familie Kuttner, im Radio insbesondere von Jürgen, schon gewöhnt sind.
Insofern: Für radioeins eine neue Show, für den routinierten Radiosender eher ein Comeback einer Legende. Eines, das dem Medium Radio aber gut tut.
Einziges Manko: Die Sendezeit, sonntags von 21 bis 23 Uhr ist eher ungünstig. Zwei Stunden später wären schön. Oder zumindest eine Wiederholung innerhalb der Nachtschiene.

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RTelenovela

Auf der Suche nach dem Uebermorgen

Sonntag, den 18. November 2007
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Seit dem 1. November läuft im Lilienthalhaus in Oranienburg das Filmfestival “ueber morgen”. Etwa 6 Wochen sind diverse Dokumentationen rund um gesellschaftliche Entwicklungen zu sehen. Heute Abend lief beispielsweise der Film “Jesus Camp”, über fundamentale Christen in den USA, die die Kinder vereinnahmen wollen.
Doch irgendwie liegt das Filmfestival in Oranienburg im Dornröschenschlaf. Organisiert wird es u.a. vom Seniorenbüro, obwohl das Festival sich nicht nur an Senioren richtet. Was durchaus zu Irritationen führt. Es findet nicht gerade im Zentrum der Stadt statt, sondern versteckt in Eden, kurz vor der Ortsgrenze. Das Lilienthalhaus selbst ist nicht oder nur schlecht ausgeschildert (ich habe jedenfalls nichts gesehen). Am Haus selbst hängt eine unbeleuchtete Tafel mit dem Schriftzug “Lilienthalhaus”. Am Abend, im Dunkeln nicht zu sehen. Über eine rumplige Treppe gelangt man in einen dunklen Flur. Erst dann steht man in dem großen Raum, der zum Kinosaal umfunktioniert ist.
Macht alles keinen schönen Eindruck. Viele Gäste scheinen die Veranstalter auch nicht zu erwarten: Mehr als 20 Stühle stehen nicht in dem Raum. Mit der Organisation kommen jedoch auch nicht mehr.
Dabei wäre das Festival eine gute Gelegenheit für Schulklassen, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Oder überhaupt für alle Altersgruppen. Vielleicht sollte das Festival ein wenig ins Zentrum gerückt – oder noch besser beworben werden. “ueber morgen” hätte das jedenfalls verdient.

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RT im Kino

Jesus Camp

Sonntag, den 18. November 2007
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Das Sommercamp “Kids on Fire” ist nicht irgendein Ausflugsort. Die Kinder, die hier dabei sind, kommen als andere Menschen zurück. Levy, Rachael, Tory und viele weitere Kinder erfahren im Camp alles über den Glauben an Gott. Sie erfahren alles über Jesus Christus. Alles darüber, warum Abtreibung eine Sünde ist, eine Handlung vom Teufel, von Satan beeinflusst. Warum die, die nicht an Gott glauben, nichts wert sind.
Organisiert wird das Sommercamp von Kinderpastorin Becky Fischer. Sie redet auf die Fünf- bis Zwölfjährigen ein. Fischer ist eine der Erweckungspredigern der evangelikalen Bewegung, die die Kinder mit suggestiven Methoden zur “Armee Gottes” ausgebilden sollen. Das Ziel: die politisch-religiöse Erneuerung der USA.
“Jesus Camp” ist eine aufwühlende Dokumentation. Die Frage ist: Wenn es einen Gott gibt, will er das so, wie im Film gezeigt? Ist das wirklich sein Wille, Kinder so zu erziehen, die Kleinen einer dermaßenen Propaganda zu unterziehen. Sind das die “wahren Christen”, wie sie es selbst von sich behaupten?
Die oscarnominierte Doku zeigt, wie radikal die Organisation ist, die mittlerweile auch in Deutschland versucht, Fuß zu fassen. Wie sie versucht, politisch Einfluss zu nehmen, wie sie schon Kinder für ihre Zwecke missbrauchen.
“Jesus Camp” läuft innerhalb des Filmfestivals “ueber morgen”, das bis zum Sommer 2008 in vielen deutschen Städten stattfindet. Aktuell (18.11.) u.a. in Bremen und Oranienburg.

8/10

Hits: 121

RT im Kino

Von Löwen und Lämmern

Sonntag, den 18. November 2007
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Die USA denken nun schon seit Monaten laut darüber nach, in den Krieg gegen den Iran zu ziehen. Überall, wo es brennt, wo es aus Sicht der USA notwendig ist, kümmert sich die Außenpolitik. Meistens militärisch. Werden die USA provoziert, wird nicht verhandelt. Es wird gehandelt. Und die Medien nehmen alles dankbar auf, berichten, sind patriotisch. Zeigen Kriegsbilder mit US-Flaggen als Logo. Scheinbar unkritisch. Regierungsfernsehen.
“Von Löwen und Lämmern” mag ein seltsamer Filmtitel sein. Doch Robert Redfords Film zeigt, was dahinter steckt. Die Lämmer lassen sich von den Löwen “schlucken”. Von den Machthabern, von denen, die etwas zu sagen haben. Und die Lämmer machen brav mit, lassen alles mit sich machen.
In “Von Löwen und Lämmern” wird extrem viel geredet. Zwei von drei Handlungssträngen bestehen fast ausschließlich aus Dialogen. Und doch, oder vielleicht gerade deshalb, hängt man den Lippen der Sprechenden.
Da ist die regierungskritische Journalistin Janine Roth (Meryl Streep), die zum Senatoren Jasper Irving (Tom Cruise) eingeladen wird. Er eröffnet ihr – exclusiv – die neue Afghanistan-Offensive. Die vor zehn Minuten begann. Genaue Konzepte? Für das dortige Leben danach? Janine hadert mit den Infos. Einfach vermelden? so, wie vorher auch immer?
College-Professor Malley (Robert Redford) empfängt in seinem Büro einen Studenten Arian, um mit ihm zu diskutieren, was denn jeder einzelne tun könne, um etwas im Land zu verbessern.
Währenddessen kommen seine Ex-Studenten Arian (Derek Luke) und Ernest (Michael Peña) in Afghanistan in eine lebensgefährliche Situation.
Ein hochinteressanter Film, der die aktuelle Situation in den USA aufzuzeigen scheint. Wie wichtig ist Politik? Wie geht man damit um, als Bürger und Medienschaffender? Welche Rolle spielen Politiker?
Der Film sagt nicht, was gut oder falsch ist, bewertet seine Figuren nicht. Dennoch gibt er am Ende Anlass zum Beginn einer Diskussion.

8/10

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RT im Kino

Free Rainer

Sonntag, den 18. November 2007
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TV-Produzent Rainer (Moritz Bleibtreu) bringt Sendungen wie “Hol dir das Superbaby” ins Fernsehen. Und es ekelt ihn an. Dass er so etwas produziert und dass die Leute es sehen – angeblich. Denn nur wenige tausend Menschen entscheiden mit der “Quotenbox” welche Sendung Erfolg hat und welche nicht.
Rainer wird geläutert, als auf ihn eine Art Anschlag verübt wird – jetzt will er nur noch “gute” Sendung anbieten. Und floppt. Er beschließt: Die Quoten müssen manipuliert werden. Wenn hochkulturelle Sendungen hohe Quoten haben, gibt es bald nur noch solche Sendungen. Und wenn es nur noch solche Sendungen gibt, gewöhnen sich die Deutschen daran – und sehen wirklich zu.
Ja, davon haben wir sicher alle schon mal schwadroniert: Wer macht eigentlich die Quoten? Und kann man sie manipulieren? Und was bringt das?
Genau mit dieser Frage beschäftigt sich Hans Weingartner in seinem Film “Free Rainer”. Und hat irgendwie auch keine echte Idee. Denn einfach nur die Quotenboxen manipulieren zu wollen, ist irgendwie ganz schön billig. Und will er etwas gegen die Verdummung des deutschen Fernsehvolkes tun – er ist stellenweise nicht sehr viel besser. So scheint er zu denken, wenn bei einem Sender plötzlich die Quoten (in diesem Fall: Marktanteile) sinken, bleiben alle anderen stabil. Ist aber nicht so.
Schade. Aus einer an sich spannenden Überlegung wurde wenig rausgeholt. Außer ein paar Klischees. Trinkende Arbeitslose, Computerfreaks mit Macken. Peinlich wird es, als der Filmemacher sich selbst zitiert: Sein Film “Die fetten Jahre sind vorbei” läuft im neuen Hochkulturprogramm neben Fassbinder-Filmen. So weit ist es dann doch noch nicht.
Auch sind 129 Minuten definitiv zu lang. Schuld daran sind ausufernde externe Handlungsstränge, die die eigentliche Geschichte ins Stocken bringen. Mehr Tempo hätte dem Film gut getan. Aber vielleicht war auch das Weingartners Beitrag zur Hochkultur.
Sicherlich, der TV-Trash a la 9live, “Frauentausch” und Co. ist nicht gerade das, was die Menschen bildet, aber sie haben immer und zu jeder Zeit die Möglichkeit, um- oder abzuschalten. Das scheint Weingartners eigentliche Botschaft zu sein: Macht das Fernsehen intellektuell, damit die Zuschauer einfach mal abschalten! Doch seine Satire ist leider nicht bissig, nicht innovativ genug.

5/10

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RTZapper

Thierse relativiert die Entschuldigung

Sonntag, den 18. November 2007
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SA 17.11.2007, Berliner Morgenpost

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse hat sich bei Ex-Kanzler Helmut Kohl entschuldigt. In Bezug auf Franz Münteferings Rücktritt aus privaten Gründen sagte Thierse der Leipziger Volkszeitung, dass Kohl damals seine schwer erkrankte Frau “im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen” gelassen habe. Dort hat Hannelore Kohl mit ihrer Lichtallergie bis 2001 gelebt.
Jetzt also die Entschuldigung Thierses. So irgendwie. Denn er, der Thierse, habe ja einen Fehler gemacht. Jedoch nicht den, dass er gesagt habe, was tatsächlich in der Zeitung stand. Nein: “Mir ist ein Fehler unterlaufen, nicht in dem, was ich gesagt habe, sondern indem ich ein Interview nicht autorisiert habe.”
Achso. Ja, klar. Halten wir also fest. Wolfgang Thierse hat seinen Vorwurf an Helmut Kohl genau so gemeint, wie er es gesagt hat. Was er vielmehr bereut ist, dass er das Interview mit der LVZ nicht mehr gegengelesen hat. Dass er die betreffenden Aussagen nicht gestrichen hat.
Interessant: Thierse möchte also sagen, was er denkt, es den Zeitungsmachern dann aber verbieten, es zu schreiben. Obwohl seine Aussagen kein Fehler waren? Ist das nicht der eigentliche Skandal an der Sache?
Tritt Wolfgang Thierse ab sofort auch nicht mehr in Live-Sendungen des Fernsehens auf, weil er seine Aussagen, die er nicht für sendefähig hält, am Ende gern rausgeschnitten habe will?
Für Thierse ist der Fall “kein ernsthafter Rücktrittsgrund”. Seine Entschuldigung im Nachhinein und seine Begründung dafür, sind aus meiner Sicht sehr wohl ein Rücktrittsgrund.

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