Tagesarchiv für 13. November 2007

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Mit kurzem oder langem E?

Dienstag, den 13. November 2007
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Nachgefragt bei den Teschendorfern

MAZ Oranienburg, 13.11.2007

TESCHENDORF
Brandenburgweit hat Teschendorf zugegebenermaßen nicht die Bedeutung. Aber durch die B 96 kommt der Ort hin und wieder im Verkehrsfunk im Radio vor: Und das bringt die Moderatoren ins Schleudern: Teschendorf – mit langem oder kurzem E? Die „Kurz-E-Version“ ist immer öfter zu hören. Doch die Teschendorfer selbst sehen das ganz anders.
„Die alteingesessenen sagen Teschendorf mit langem E“, erzählt Hannelore Kraft, Mitglied im Gemeindekirchenrat. „Sie sind das von Kind an gewöhnt.“ Cornelia Jaenicke, Lehrerin am Oranienburger Runge-Gymnasium, bezeichnet sich selbst als Zugezogene. Und doch ist auch sie für „Teeeschendorf“. „Es klingt einfach schöner. Auch wenn es grammatikalisch und orthografisch falsch ist“, ergänzt sie. „Das sch verlangt einen kurzen Vokal.“ Für die Variante mit dem langen E ist auch Ruth Hesse. „Ich weiß gar nicht, warum das inzwischen anders sein soll“, fragt sie sich. „Es gibt aber noch andere Orte, die ebenfalls Teschendorf heißen, vielleicht werden die ja anders ausgesprochen“, vermutet sie.
Tatsächlich: Teschendorf gibt es sechsmal in Deutschland, darunter auf der Insel Fehmarn und im Kreis Mecklenburg-Strelitz. Teschendorf im Löwenberger Land wurde 1271 erstmals als „Teskendorp“ erwähnt. Später auch als „Theskendorp“, „Tezendorp“ und „Dißkendorff“, was wohl auf einen langen Vokal hindeutet.

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Frauentausch – Das Aschenputtel-Experiment: Caroline und Jenny

Dienstag, den 13. November 2007
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MO 12.11.2007, 21.15 Uhr, RTL II

Da staunte Bäckermeister Plentz nicht schlecht: “Wer nichts riskiert, der onaniert.” Solche Texte hört der Schwantener Bäckermeister nicht alle Tage. Zu Gast hatte er Jenny, Mitglied der Berliner Band 030. Für sie sind die Texte normal, für den Gläubigen Plentz und sein Team eher, nun ja, gewöhnungsbedürftig. Jenny tauschte ihr Lebensumfeld für drei Tage mit Caroline aus Leegebruch. Caroline wagte “Das Aschenputtel-Experiment” bei RTL II. Das Mädchen vom Dorf (obwohl es abgelegere Orte als Leegebruch gibt) tauscht mit der Glämmerlady aus Berlin. Ein Schock, für beide.
Caroline (18) wohnt in Leegebruch lernt Bäckereifachverkäuferin bei Bäcker Plentz in Schwante, geht regelmäßig ins Fitnessstudio der Oranienburger Turm-Erlebniscity und besucht die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in der Mittelstraße in Oranienburg. Sie lebt ihren Glauben, liest oft in der Bibel.
Jenny lebt für ihre Band 030. Schick aussehen. Tanzen üben. Singen.
Da knallen zwei Welten aufeinander.
Jenny muss nun morgens um 5 Uhr aufstehen, um zum Bäcker zu fahren. Dass die Bäckerei laut RTL II übrigens in Leegebruch liegt, dürfte Plentz und alle Schwantener ein wenig irritiert haben. Mit Carolines ebenfalls streng gläubiger Mama fuhr Jenny abends in die Oranienburger City – um am Kaffeehaus Madlen festzustellen, dass hier offenbar der Hund verfroren ist. In der Tat – der Oranienburger Boulevard war wie leergefegt. Fragt sich, wann RTL II dort vor Ort war. Mit der Jugendgruppe in der Freikirche kam Jenny so gar nicht klar. Die Jungs und Mädchen konnten mit dem Thema Polygamie nichts anfangen. Kein Sex vor der Ehe. Denn Gott weiß, was gut ist. Für Jenny zu viel des Guten, sie ging. Eine Annäherung ist nicht möglich. Und es stimmt, auch ich saß mehrmals in den Räumen dieser Jugendgruppe, um genau darüber zu diskutieren – was nicht einfach ist, denn man kommt nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Da hilft nur gegenseitige Toleranz. Und irgendwie hat das mit Jenny und den Oranienburgern nicht so wirklich funktioniert. Dafür war Carolines Mutter umso aufgeschlossener, sie taute wirklich auf.
Caroline kam in eine neue Welt. Mit den zwei anderen 030-Babes musste sie nun aufreizend tanzen. Die Textzeile “Wer nichts risktiert, der onaniert” konnte sie nicht nachvollziehen, warum singe man so etwas? Das ist natürlich eine gute Frage, wahrscheinlich haben die 030-Mädels selbst noch nicht bemerkt, dass ihre Songs ziemlich doof sind. Freizügige Texte rund ums Onanieren müssen ja noch lange nicht gut sein. Und, bitte schön, kennt jemand 030? Ich habe von ihnen heute das erste Mal gehört. Und eventuell das letzte Mal? Caro lernte noch DSDS-Sieger Alex kennen, durfte mit ihm beim “Tanz der Vampire” auftreten und kam letztlich auch ganz gut aus der Nummer raus.
Stellen sich mehrere Fragen: Warum haben es Plentz und Co. sowie die Freikirchler aus Oranienburg wirklich nötig, sich vor RTL-II-Kameras lächerlich zu machen? Klar, dass sie als ein wenig dümmlich dargestellt wurden. Wo half RTL II nach, was war gestellt? Und wie lange schuftete Jenny wirklich in Schwante?
Dennoch: Interessant war das Experiment auf jeden Fall, denn beide Seiten haben spannende Erfahrungen gewonnen.

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