Tagesarchiv für 10. Oktober 2007

aRTikel

Der Jugendverscheucher

Mittwoch, den 10. Oktober 2007
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Hoher Lärmpegel: Wer noch nicht 25 ist, bekommt durch einen Mosquito Ohrensausen

MAZ Gransee, 10.10.2007
GRANSEE
Jugendliche neigen manchmal dazu, Lärm zu machen. Gerade, wenn sie sich irgendwo treffen – in Gransee zum Beispiel am Abenteuerspielplatz oder in der Nähe der Dönerbude am Kreisverkehr. Noch regt das kaum jemanden auf. Andernorts gefällt das manchen Leuten jedoch gar nicht. Lärm! Und auch noch von jungen Leuten! Unbedingt abstellen!
Im niedersächsischen Ort Rieste verschaffte sich der Betreiber einer Wasserskianlage Abhilfe. Auch hier trafen sich am Abend oft die Jugendlichen aus dem Ort. Das ist jetzt vorbei.
Schuld ist der Mosquito. Das ist kein Tierchen, sondern ein Gerät, das die jungen Leute im wahrsten Sinne des Wortes vertreibt. Der Mosquito ist ein ungefähr zehn mal zehn Zentimeter kleines graues Kästchen. Es piept, und zwar hoch und pulsierend. Der Clou: Der Ultraschallton ist nur von Jugendlichen bis 25 Jahren zu hören. Zu Erwachsenen dringt der Ton nicht vor.
Seit Ende 2006 wird das Gerät in Deutschland vertrieben. Und der Geschäftsmann in Rieste machte gute Erfahrungen: Wenn er den Mosquito am Abend aktiviert, verschwinden die Jugendlichen.
Tja, so einfach ist das. Reden scheint nicht mehr zu helfen. Dabei kann auch mal ein gutes Gespräch zu sinnvollen Kompromissen führen. Außerdem steht natürlich auch die Frage im Raum: Wo führt das hin? Dauerton über ganz Gransee? Ein Mosquito am Ruppiner Tor, der die ganze Innenstadt am Abend von der Jugend freihalten soll? Bisher haben wir davon zwar glücklicherweise noch nichts gehört, aber die Erwachsenen kommen ja schließlich auf die irrwitzigsten Ideen. Was an diesem Beispiel sehr gut zu beobachten ist.

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RTZapper

Johannes B. Kerner: Eva Herman

Mittwoch, den 10. Oktober 2007
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DI 09.10.2007, 22.45 Uhr, ZDF

Johannes B. Kerner wirft Eva Herman aus seiner Show raus. Was für eine Schlagzeile! Aber auch ein Beispiel für eine von vorn bis hinten missglückte Sendung, für ein journalistisches Desaster, für eine redaktionelle Fehlleistung.
Natürlich: Eva Hermans leichtfertig dahingeplapperte Äußerungen, die die deutsche Geschichte und das Dritte Reich betreffen (“Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden.”), gehen so gar nicht. Dennoch: Dass Johannes B. Kerner Eva Herman nach etwa 50 (von 75) Minuten bat, zu gehen, zeigte deutlich das Unvermögen, ordentlich an dieses sehr schwierige Thema ranzugehen.
Es kann einfach nicht sein, dass Eva Herman in eine Runde gesetzt wird, in der Senta Berger das Buch nicht kennt. In der Mario Barth so oder so nicht viel zu sagen hat. In der vielleicht noch Margartehe Schreinemakers einigermaßen kompetent ist. Dazu im Publikum ein Historiker. Wo waren die Fachleute? Therapeuten? Familienspezialisten? Mütter aus dem normalen Leben? Wo war ein kompetenter Politiker in der Runde? Man kann doch so ein Thema nicht journalistisch angehen, in dem man Eva Herman in die keifende Runde setzt! Was ist das für eine redaktionelle Planung? Hier scheinen alle Seiten das Thema komplett unterschätzt zu haben. Und noch viel mehr, welche Auswirkungen das Gespräch haben würde.
Warum wurde die Show nicht zweigeteilt? Wie schon hin und wieder praktiziert, hätten die Gäste nach dem Herman-Thema (fast) komplett ausgetauscht werden können. Das wäre ein klarer Schnitt gewesen und hätte dem Zuschauer die Gelegenheit gegeben, eine ausgewogenere Diskussion mit kompetenteren Leuten zu verfolgen.
Aber das, was sich da am Dienstagabend im ZDF abspielte – das war eine journalistische Ohrfeige. Erschreckend. Offenbar in keinster Weise von der Redaktion vorausgedacht – mitgedacht.
Deshalb war der Rauswurf nach Hermans Äußerungen in dieser Situation vielleicht gerechtfertigt. Insgesamt betrachtet war er jedoch ein Armutszeugnis. Für Johannes B. Kerner und sein Team.

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