Tagesarchiv für 1. Juni 2007

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (18): Neckar – Näggar – Neger

Freitag, den 1. Juni 2007
Tags: , ,

Heute in der Stuttgarter U-Bahn. Neben mir sitzen ein Junge und ein Mädchen, eventuell seine kleine Schwester. Bald erreichen wir die Station Neckartor. “Gleich kommt’sch Näggartor”, meint der Junge. Und das Mädchen fragt: “Was ist eigentlich Näggar?” Der Junge antwortet, dass er ihr das später erzählen würde. Was eher nach “Ich weiß es nicht, gebe es aber nicht zu” klingt. Und ob seine Erklärung, die dann kam, tatsächlich mit dem Fluss Neckar etwas zu tun hat und ob er das ernst meinte, wurde leider während des Dialogs nicht klar.
Der Junge meinte, “Näggar” seien Leute, die eine schwarze Hautfarbe hätten. Er nannte den namen einer Bekannten von ihnen. Die sei auch schwarz, also ein Näggar. Er schob aber gleich hinterher, dass sie das Wort nicht benutzen würde, weil sie dann Ärger bekomme. “Mit wem?”, fragt sie. “Mit mir”, antwortet er.
Als wir am Bahnhof Nackartor eintreffen, blickt das Mädchen sehr nachdenklich aus dem Fenster.
Irgendwann wird auch sie erfahren, dass Neckar, Näggar und Neger nicht unbedingt was miteinander zu tun haben…

Hits: 118

RTelenovela

Herbert im Meisterstadion

Freitag, den 1. Juni 2007
Tags: , ,

Eine gute Stunde brauchten die Stuttgarter, bis sie auftauten. Genau eine Stunde nach Beginn des Konzertes sang Herbert Grönemeyer “Mensch” – und die Masse im Gottlieb-Daimler-Stadion erhob sich uns sang mit. Der Bann war gebrochen.
Als Herbert am Anfang rief: “Guten Abend, Stuttgart!”, fühlte ich mich irgendwie gar nicht angesprochen. Ich, der Gastschwabe. Und: Ein Hauch des Meisters war im Stadion noch zu spüren. Gut zwei Wochen zuvor wurde der VfB Stuttgart an diesem Ort Deutscher Fußballmeister.
Nach dieser ersten etwas steifen Stunde wurde aus dem ziemlich routinierten Auftritt dann doch noch ein schönes Konzert. Die Stuttgarter feierten (auch wenn sie am ganzen Abend keine Laola-Welle schafften), gingen bei “Männer” ab und wurden bei “Land unter” wieder etwas ruhiger.
Lautstark forderte es durch entsprechende Gesänge immer wieder seinen 2006-WM-Hit “Zeit, dass sich was dreht”. Im letzten Zugabeblock war es dann so weit. Und hier in Stuttgart war das natürlich ein besonderer Augenblick: Hier wurde nicht nur Stuttgart Deutscher Meister, sondern vor einem guten Jahr auch die Nationalmannschaft Weltmeister der Herzen. Auf dem Rasen, auf dem wir jetzt alle standen. So wurde das eine große Party, alle sangen, gröhlten mit.
Nach 160 Minuten war die Party vorbei.
Und ich übrigens um eine Erkenntnis reicher: Nie wieder Innenraum! Wenn man nicht gerade vorne steht, sieht man entweder wenig oder gar nichts. Die Bühne geht weit ins Publikum hinein. Dumm nur, dass oft noch eine Imbissbude zwischen uns und Herbert stand. Irgendwie schlecht durchdacht, das Ganze. Nächstes Mal wieder auf den Rängen, wo auch die Stimmung insgesamt besser war.

Hits: 125