Tagesarchiv für 30. März 2007

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Der letzte Tropfen geht immer in die Hose

Freitag, den 30. März 2007
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Désirée Nick spricht in der Oranienburger Orangerie über Flecken, staubige Männerklos und das Eva-Prinzip

MAZ Oranienburg, 30.3.2007

ORANIENBURG
Désirée Nick ist ein Vollprofi. Bevor sie ihre Lesung in der ausverkauften Oranienburger Orangerie beginnt, lässt sie erst mal die Fotografen ran. „Dann können Sie gleich Feierabend machen“, meint sie, als sie sich auf der Bühne in Pose setzt. Während die Männer offenbar zu Hause das Fußball-Länderspiel sahen, trafen sich die Frauen am Mittwochabend in der Orangerie bei Désirée Nick – sie waren eindeutig in der Mehrheit. „Ein richtiger Frauentag“, bemerkte die Nick.
„Was unsere Mütter uns verschwiegen haben“ ist der Titel eines ihrer aktuellen Bücher. Darin bezeichnet die 46-Jährige die in TV-Serien dargestellten Familien als „absurdes Theater“ und regt sich über die männliche Hygiene im Badezimmer auf. „Der Staub wird nicht mehr wahrgenommen“, ätzt die Autorin. Oft stehe Reinigungsmittel bereit, bliebe aber unangetastet. „Männer haben Unarten an sich, die Frauen ihnen einfach nicht verzeihen können.“
Oft würde sie erleben, dass Männer mit einem Fleck auf der Hose vom Klo zurückkommen. „Und er merkt es nicht mal.“ Was solle man da sagen? „Ich glaube du hast dich eingepullert!“? Großes Gelächter im Publikum. In der Fragerunde nach der Lesung findet ein Besucher eine Erklärung: „Man kann noch so viel schütteln, der letzte Tropfen geht doch in die Hose.“ Für Désirée Nick natürlich überhaupt keine Entschuldigung.
Für ihr anderes Buch räumte sie die meiste Zeit ihrer 100-minütigen Lesung ein: „Eva go home!“ Die Abrechnung mit Eva Herman, die Antwort auf deren Werk „Das Eva-Prinzip“. „Es wäre eine Sünde gewesen, wenn ich nicht Kleinholz daraus gemacht hätte“, sagt Désirée Nick. Jeder kann die Genugtuung von ihrem Gesicht ablesen. Das Buch von Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman beinhalte eine Kette von Falschmeldungen. Es sei zudem „volksverhetzend, rassistisch und menschenverachtend“, so die Berliner Kabarettistin. „Verblödungsparolen übelster Art“ habe sie in diesem Werk gefunden. Eine „hermansche Rassenlehre“. „Und eine muss auf diesen Mist ja antworten!“ Sie habe in ihren 18-Stunden-Tag die komplette Widerlegung des „Eva-Prinzips“ eingeschoben, nebenbei ein Kind erzogen und einen Apfelkuchen gebacken. So weist die Nick zurück, dass die Erziehung der Kinder in der DDR schlechter gewesen sei oder dass Frauen hinter dem Herd doch besser aufgehoben seien.
Das Oranienburger Publikum hing Désirée Nick, die bereits das dritte Mal in der Orangerie zu Gast war, an den Lippen. Und nach der Lesung bat die Autorin ihre Zuschauer gleich noch auf die Bühne. „Fotos, Autogramme, Haarlocken, meine Telefonnummer oder einen Abstrich – ich stelle mich für Ihre Bedürfnisse zur Verfügung!“ Zum Glück blieb es bei Autogrammen und kurzen Plaudereien.

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