Tagesarchiv für 18. August 2006

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Alles was zählt

Freitag, den 18. August 2006
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Berlin, Spindler & Klatt

Und wieder eine neue tägliche Serie. Während aber Sat.1 den Telenovela-Trend fortsetzt, bleibt man bei RTL den Soaps treu.
“Alles was zählt” wird die dritte Seifenoper des Kölner Senders, ab 4. September montags bis freitags um 19.05 Uhr. Heute wurde der Presse in Berlin die erste Folge gezeigt.
Natürlich – “Alles was zählt” unterscheidet sich total von allen anderen Dailys. Was sollen die Macher auch anderes sagen?! Aber ganz unrecht haben sie auch nicht. “AWZ” spielt im Eiskunstlaufmilieu. Da passt es auch gut, dass Ex-Eislaufkönigin Tanja Szewczenko die Hauptrolle spielt.
Nein, Klischees würde es nicht geben. Aber Intrigen (also doch Klischees) und Humor.
Eigentlich sollte Christina Stürmer auch live den Titelsong “Nie genug” playbacken. Leider liegt sie momentan in einem Ösi-Krankenhaus mit einer Nasennebenhöhlenentzündung.
Mit Schnittchen, Bulettchen und diversen Getränken wurde dann die erste Folge gezeigt. Und – na ja, so la la. Den Journalisten war es wahrscheinlich sowieso wurscht. Sie aßen, tarnken, machten ihre Fotos und sprachen mit den Machern. Und dann zum nächsten Termin…

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RTZapper

Wickerts Bücher: Der Fall Grass

Freitag, den 18. August 2006
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DO 17.08.2006, 22.45 Uhr, Das Erste

Sehr viele Bücher scheint Ulrich Wickert nicht zu haben. In seiner vorgezogenen Premierensendung ging es nur um eines: Das neue Buch von Günter Grass.
Darin legt der Nobelpreisträger offen, in der Waffen-SS gewesen zu sein. Warum genau und wie das alles war – ja, also im Buch habe er das so gut beschrieben, das könne er jetzt gar nicht besser ausdrücken.
Aha. Soll heißen: Bitte kauft und lest mein neues Buch, da steht doch alles drin.
Sicher: Dass Grass erst jetzt mit seiner Lebensbeichte rausrückt, kann er selbst kaum erklären. Die Scham ist auf jeden Fall da. Dass er dafür von der Kritik niedegemacht wird, versteht er weniger. Das, was er geleistet habe, stehe doch trotzdem auf dem Papier.
Das stimmt. Dass er erst jetzt von seiner SS-Vergangenheit erzählt, ist aber trotzdem bedauerlich. Der Moralapostel der Nation hatte nun selbst etwas zu beichten.
Seine späteren Taten hätten vielleicht noch unter einem ganz anderen Stern gestanden, wäre seine Vergangenheit bekannt gewesen. Vielleicht wäre sein “Lebenswerk” noch sehr viel respektabler gewesen. Vielleicht wäre der Literaturnobelpreis noch gerechtfertigter gewesen. Vielleicht wäre er auch so, nach einer früheren Beichte, Ehrenbürger von Danzig gewesen.
Vielleicht. Vielleicht. Vielleicht.
Dass nun erst einmal viele entsetzt sind, sollte da nicht verwundern.
Und noch ein sehr fader Beigeschmack bleibt: Den Eindruck, Grass wolle sein Buch mit der Beichte promoten, hat sich mit dem Interview mit Wickert verstärkt. Unangenehm, wenn er mehrmals nur auf sein Buch verweist.
Interessant ist aber auch dieser Punkt: Schon vor einigen Wochen verschickte der Verlag, in dem Grass’ Buch erscheint, das Werk an 4000 Journalisten und Händler. Kaum jemand scheint sich wirklich für Grass zu interessieren. Geschweige denn sein Werk lesen zu wollen. Das, was nun den Skandal darstellt, steht nun mal in eben jenem Buch. Jeder hätte das lesen können. Aber vielleicht warteten ja auch alle auf den 1. September. Erst ab diesem Tag sollte ursprünglich über das Buch geredet werden dürfen. Nun ist die PR-Maschine also doch früher angelaufen. Grass kann sie nun nicht mehr stoppen.

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