Tagesarchiv für 6. Februar 2006

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Die Orangerie erlebte eine Sturzgeburt

Montag, den 6. Februar 2006
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Desirée Nick über ihre herausfallende Gebärmutter, implodierende Frauen und fette Pianisten


MAZ Oranienburg, 6.2.2006

ORANIENBURG

Handys einschalten! Schuhe aus! Joints an! Diaphragma einsetzen! Liebesspiele bitte nur in den hinteren Reihen! Kondome bitte danach beim Service abgeben! Pointen mitschreiben erwünscht, fotografieren auch. Na, dann kann es ja losgehen.
Name: Nick. Beruf: Dame. Größe: ja. Alter: vorerst 29.
Desirée Nick hat ihr Versprechen vom November eingelöst und kehrte am Freitagabend mit ihrem aktuellen Kabarettprogramm in die Oranienburger Orangerie zurück: „Desirée Superstar – Sturzgeburt einer Legende“. Heftiger Applaus gleich zu Beginn der fast zweistündigen Vorstellung. Und es geht gleich zur Sache.
„Ich bin ja jetzt in einem Alter, wo einem schon mal die Gebärmutter rausfallen könnte“, meint Desirée Nick. „Als ich damals mein Kind gestillt habe, waren meine Titten so dick, dass sie eine eigene Postleitzahl hatten.“
Das ist zu sehr unter der Gürtellinie? „Das ist erst das Vorspiel!“, kontert die Nick eventuelle Kritiker aus.
Ihre Religion ist die Kosmetik. „Ein Mann sieht beim Aufwachen noch genauso aus wie beim Einschlafen“, meint sie. „Eine Frau dagegen implodiert über Nacht.“ Überhaupt, die Männer: „Wenn ein Mann nicht mal die Mitte des Klobeckens trifft, was hab ich dann nur im Dunkeln von ihm zu erwarten?“ Mit 15 habe sie bei der Miss-Eden-Wahl mitgemacht. „Da habe ich aber nur einen Gutschein für eine Schönheits-OP bekommen“, erzählt Desirée Nick. Aber davon halte sie nichts. „Es gibt ja Kolleginnen, die eigentlich nur noch ein Ersatzteillager sind, so viel Silikon tragen die mit sich rum.“ Dass sie ihr Kind stillt, war für sie aber selbstverständlich. „Aber als mein Sohn dann in ganzen Sätzen nach meiner Brust gefragt hat, da war Schluss.“
Eigentlich wollte sie ja mit einer Band auftreten. Oder wenigstens einen Pianisten dabei haben. „Kennen Sie Volker Sondershausen?“, fragt die Kabarettistin die Besucher in der voll besetzten Orangerie. Keiner regt sich. „Na, sehn Se mal, deshalb hab ich ihn abgeschafft.“ Das habe künstlerische Gründe gehabt. Es habe ein Bildungsgefälle zwischen den beiden gegeben. Aber der eigentliche Grund war: „Er ist zu fett geworden.“ Jetzt habe sie Udo Jürgens als Pianisten engagiert. Doch der Typ, der da im Traingsanzug die Bühne betritt, sieht so gar nicht wie Udo Jürgens aus. „Udo konnte nicht“, meint der Aushilfspianist. Erst in der zweiten Hälfte taucht dann doch noch der echte Volker Sondershausen auf.
Dann war Iris fällig. Iris, die in der ersten Reihe saß. Und sich relativ sicher fühlte. Bis hierhin. Bis Desirée Nick sie aufforderte, sich nackt auszuziehen und auf der Bühne einen Radschlag zu machen. „Rein intellektuell ist das doch nicht zu schwer“, meinte die Dschungelkönigin aus Berlin. Doch Iris hatte Glück, durfte am Ende doch sitzen bleiben. Angezogen.
Der RTL-Dschungel sei in Wirklichkeit ein Campingplatz im Spreewald gewesen. „Da sind wir mit der S-Bahn hingefahren“, plaudert die Nick. „Die Tiere waren Jugendliche aus Lübbenau.“
Desirée Nick, die „Madonna der Geriatrie“, die „Zecke der Medienlandschaft“, zeigte es am Freitagabend wieder einmal allen. Das Publikum amüsierte sich köstlich und ließ sich von den, nun ja, mitunter derben Späßchen ganz und gar nicht aus der Ruhe bringen.

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