Tagesarchiv für 14. Oktober 2005

RTZapper

Der Sonne entgegen

Freitag, den 14. Oktober 2005
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DO 13.10.2005, 21.00 Uhr, rbb

Andreas Krüger aus Hennigsdorf hatte Pech. Er durfte nicht nach Málaga fliegen. Aber so sind die Regeln bei der rbb-Reiseshow „Der Sonne entgegen“. Am Donnerstagabend war zu sehen, wie Moderator Andreas Hahn in Altlandsberg einen Handwerker dazu überredete, spontan nach Málaga zu fliegen. Ein sympathischer Typ – mit fünf Kindern von fünf Frauen. Seine Aktuelle fragte er erst gar nicht, ob er fliegen darf. Sie könne ja „nein“ sagen. Da sitzt man doch echt vorm Fernseher und wünscht dem Typen einen fetten Stau an den Hals, so dass er den Flughafen doch nicht mehr erreicht. Aber er hat ihn erreicht. Der Verlierer aus Hennigsdorf musste leider wieder nach Hause. So spielt das Leben.

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RTelenovela

Zahnarzt (4)

Freitag, den 14. Oktober 2005
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Irgendwie haben sich die Ereignisse beim Zahnarzt heute ganz anders entwickelt, als ich mir das gedacht habe.

Alles beginnt harmlos. Ich frage mich mal wieder, wie viele Schwestern und Rezeptionstanten bei dieser Zahnärztin arbeiten. Die Frau heute jedenfalls kannte ich nicht. “Freudig” reichte ich ihr erst die 10 Euro Praxisgebühr, dann den Behandlungsplan, den mir die Krankenkasse zugeschickt hat. Und werde angepampt: “Hätten Sie das nicht vorher sagen können, dass Sie ihn mitbringen?” Ich: “Woher soll ich denn das wissen, dass ich da Bescheid sagen muss.” War sowieso Blödsinn, denn die Zahnärtin meinte beim letzten Mal, dass ich ihn einfach mitbringen soll, wenn er angekommen ist.

Dann die Überraschung: Im Nebenbehandlungsraum steht Flo. Er scheint den Termin vor mir zu haben. Scheint keine große Sache zu sein. Dachte ich. Und er wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt auch noch.
Nach einigem Warten konnte ich dann endlich in eben jenen Nebenbehandlungsraum, Flo saß inzwischen auf dem Stuhl im Hauptraum und bemerkte mich nun auch.
Auf meinem Programm standen heute Abdrücke meines Gebisses. Danach sollten zwei meiner Backenzähne beschliffen werden, darauf sollte eine provisorische Brücke. Frau Doktor kam zu mir und erklärte mir noch mal, was heute geschehen würde. Und gab mir irgendwelche Tropfen. Wegen meiner Probleme mit den Betäubungen. Und, ach ja, ich solle an was Schönes denken.
Im anderen Raum herrschte dann geschäftiges Treiben. Es ging auch hier um Betäubungen. Da scheint wohl doch mehr anzuliegen…
Auf dem Fernseher, der in meinem Raum stand, lief der KI.KA: “Der Bär im großen blauen Haus” (oder so ähnlich) – aber ohne Ton. Lauter glückliche Tierpuppen. Die Welt ist doch schön!

Für die Abdrücke muss man in so ein komisches Zeug beißen, das gerade bei den oberen Zähnen ein ekelhaftes Kotzgefühl auslöst. Ich konnte mich gerade noch so beherrschen. Dreimal wurde diese Prozedur durchgeführt.
Dann begann das lange Warten.

Das Telefon klingelt. Frau Doktor wird gerufen und spricht mit irgendeinem Typen. Sie habe grad keine Zeit, ist in einer OP.
OP? Das klingt nicht gut.
Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ich hatte die sehr zweifelhafte Ehre, dass Treiben nebenan mithören zu dürfen, denn die Tür stand auf und die Tür direkt zum Nebenzimmer war auch nicht ganz zu.

Das Problem: Ich hatte nichts zu tun. Ich musste nur warten, bis die Ärztin mit Flo fertig ist. Irgendwann schnappte ich das Wort Weisheitszahn auf.
Es ist mir jedenfalls in diesem Moment nicht gelungen, an etwas Schönes zu denken. Wie auch? Ich sitze auf so einem Zahnarztstuhl rum, um mich herum irgendwelche Plakate über Zahnkrankheiten. Auf dem Tisch hinter mir liegen Röntgenaufnahmen von Flos Gebiss von 1999. Die weisheitszähne sind da schon deutlich zu erkennen. Auf dem Fernseher singen die KI.KA-Viecher gerade lautlos ein Lied. Und nebenan sitzt Flo und leidet. Nur ein Kimono-Ohrwurm (Sterne heute Nacht – oder so) kann mich sekundenweise ablenken.

Ohne ins Detail zu gehen: Die Geräuschkulisse nebenan war sehr unschön und löste in mir eine große Bekommenheit aus. Da half auch Kimono und der KI.KA nichts. Hören zu müssen, wie ein Freund leidet – und dass man selbst nichts tun kann – ist eine wahnsinnig unschöne Erfahrung! Und dazu kommt: Mir steht genau das auch noch bevor. Eine Horrorvorstellung. Jetzt noch mehr als vor diesem Ereignis.

Und dann war alles vorbei und Flo stand vor mir. Und ich hatte auch die Schnauze voll. Ich fühlte mich nach diesem (für mich eher seelischem) Horror nicht in der Lage, auch noch behandelt zu werden. Unter dem Vorwand, dass ich ja nun so lange warten musste (ich war inzwischen eine Stunde dort) und keine Zeit mehr habe, wollte und bekam ich einen neuen Termin – am Montagnachmittag.
Mit Flo ging ich dann nach draußen – er verschwand auf seinem Fahrrad, ich ging zu meinem Auto. Leicht unter Schock. Den ganzen Tag stand ich irgendwie die ganze Zeit vollkommen neben mir.

Irgendwie halte ich das von der Zahnärtzin sehr unsensibel. Nun gut, sie konnte nicht wissen, dass ich ihren OP-Patienten kannte. Aber auch sonst wäre das nicht sehr aufbauend gewesen. Und: Ich will vorher wissen, wenn mir der Weisheitszahn gezogen wird. Spontanaktionen wird es mit mir nicht geben…

*

Nach diesem unschönen Erlebnis noch was Positives.
Heute habe ich meine neue Brille abgeholt. So klar wie heute habe ich schon lange nicht mehr gesehen…

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